Sankt Thomas, ein den Dänen gehöriges, zu den Jungferninseln gerechnetes westind. Eiland im O. von Portorico, umfaßt mit den dabeiliegenden kleinen Inseln 86,17 qkm mit (1880) 14 389 E. In administrativer Beziehung gehören noch dazu die benachbarten Inseln Sainte-Croix (s. d.) mit dem Gouvernementssitz Christianstaed, und Sankt Jan (s. d.). S. steigt bis zu 500 m an und besteht nur aus Felsen, da tropische Regenschauer die Erde von den Bergen spülen, sodaß für Agrikultur nur wenig Boden bleibt. Das Klima ist tropisch, doch nicht ungesunder als auf andern westind. Inseln und durch Passatwinde gemildert. Das Gelbe Fieber ist seit 1857 nicht wieder aufgetreten. Erdbeben, von Süden nach Norden streichend, haben oft große Verwüstungen angerichtet, so noch im Nov. 1867. Weit gefährlicher aber sind die Orkane mit ihren Verheerungen, welche 1713 — 1867 achtmal die Oberfläche fast gänzlich zerstörten. Unter den Einwohnern sind 3000 Europäer fast aller Nationalitäten; der Rest besteht aus Negern und Mulatten, die seit 1847, beziehentlich 1859 emancipiert sind. Man rechnet im Handel nach Pesos; Wechselrecht, Maße und Gewichte sind die dänischen. Die Hauptstadt Sankt Thomas oder Charlotte-Amalie mit 11380 C., liegt im S. der Insel an einem prachtvollen, rings von Bergen umschlossenen, durch Forts und Strandbatterien gedeckten Hafen, welcher 300 der größten Schiffe sicher aufzunehmen vermag. Die netten Häuser sind auf den drei Bergen der Stadt und am Ufer terrassenförmig erbaut; sie bilden eine Hauptstraße, welcher die Geschäftslokale und Warenmagazine liegen. Die einzigen öffentlichen Gebäude sind drei prot., eine kath. Kirche und eine Synagoge. Die Gesellschaftssprache der zusammengewürfelten Bewohner ist die englische, während Spanisch in der Korrespondenz und den Geschäften angewandt wird. Der Haupthebel des Platzes ist der durch den guten Hafen und die geringen Abgaben begünstigte Handel, welcher vorzugsweise in den Händen deutscher Häuser liegt; der Wert der Einfuhren beträgt über 7 Mill. Doll., wovon die Hälfte aus England. Charlotte-Amalie hat zwei Banken (Bank of St.⸗Thomas, Colonial Bank) und ist Sitz eines deutschen Konsulats für S. und Ste.⸗Croix. Wichtig ist S. als Stapelplatz für die von Europa nach Westindien und den nördl. Staaten Südamerikas einzuführenden Waren, Kohlenstation und Haltepuntt sämtlicher von Europa nach Westindien und Mittelamerika führenden Dampferlinien, die hier Proviant einnehmen und bei Reparaturen die schwimmenden Docks benutzen. Mit Portorico (San-Juan), Jamaica (Kingston), sowie mit den meisten Inseln über dem Winde ist S. durch unterseeische Kabel verbunden. Die Inseln wurden 1493 von Columbus auf dessen zweiter Reise entdeckt und von Spaniern, Holländern, Engländern, Franzosen und Dänen nach und nach in Besitz gehalten. Seit 1671 begann die Dänisch-Westindische Compagnie die Pflanzungen mit Negersklaven zu bearbeiten „und 1755 gingen die Inseln von der Handelsgesellschaft an die dän. Krone über, welche 1764 S. zum Freihafen erklärte. Die Inseln gerieten 1801 und dann 1807 in engl. Besitz, wurden aber 1802 wieder an Dänemark zurückerstattet und 1815 abermals gegen Abtretung der deutschen Insel Helgoland. Die dän. Regierung trat 1867 wegen des Verkaufs der Inseln mit den Vereinigten Staaten in Unterhandlung, doch erlangte der hierauf abgeschlossene Vertrag nicht die Sanktion des nordamerik. Kongresses.