FeedSanti (Rafael)
ErdkundeBrockhaus 1882

Santi (Rafael), s. Rafael Santi. Sautiago, die frühere Hauptstadt von Jamaica. Sauntiago oder San-Jago, die Hauptstadt der südamerik. Republik Chile und der Provinz Santia o (13527 qkm mit 320476 E. 1884), Sitz der Regierung und des Kongresses sowie des Erzbischofs, des obersten Gerichtshofs, eines Appellationsgerichts und eines deutschen Konsulats, liegt 560 m über dem Meere auf einem sanft von O. gegen W. geneigten Terrain am Rio Mapocho und ist durch die 187 km lange Eisenbahn mit der Hafenstadt Valparaiso im Nordwesten und durch die 185 km lange Südbahn nach Curico mit den Südprovinzen verbunden. Die Stadt wurde 24. Febr. 1541 von Pedro de Valdivia gegründet und ist ganz regelmäßig angelegt, mit rechtwinkelig kreuzenden Straßen. Die meisten Häuser sind einstöckig aus Adobes (Luftziegeln) aufgeführt, aber geräumig. Unter den 20 Kirchen ist die am Hauptplatze Plaza de la independencia) gelegene Kathedrale die bedeutendste, seit 1750 nach dem Muster der St. Johanniskirche zu Rom erbaut. Die ehemalige schöne Jesuitenkirche La Compania wurde 8. Dez. 1863 durch einen Brand eingeäschert, wobei an 1000 Menschen umkamen. Sehr reich und ge-Ronnen ug verziert ist die renovierte Kirche der onnen von Sta.⸗Clara. Das schönste unter den Staatsgebäuden ist das unter dem Generalkapitän O'Higgins im dor. Stile aufgeführte, sehr ausgedehnte Münzgebäude, das den Raum eines großen Häuserquadrats einnimmt und die Wohnung des Präsidenten, verschiedene Ministerien und deren Bureaus u. s. w. enthält. Großartig ist auch das neu errichtete Gebäude des Instituto von Chile. S. hat mehrere Marktplätze, von denen der Hauptmarkt (Plaza de Abastos) von bedeckten Markt-Fentet umgeben ist, sowie drei hübsche Promenaden. enseit und auf der Nordseite des Mapocho liegt die ausgedehnte Vorstadt La-Ohimba, die mehrere große Klöster und den schönen Kirchhof El-Panteon enthält. Die Bevölkerung, deren Zahl (1884) 200000 E. beträgt, besteht fast ganz aus Weißen, span. Creolen, wozu viele Franzosen, Deutsche, Engländer, Italiener, Argentiner und Nordamerikaner, meist Kaufleute und Industrielle, kommen. Die große Masse bilden Lohnarbeiter, Kleinhändler und Handwerker. Den Großhandel betreiben überwiegend die Fremden. S. ist wesentlich eine Gelehrten⸗ und Beamtenstadt. Durch seine Anstalten für Wissenschaft und Kunst zeichnet sich S. vor allen Städten Süd- und Mittelamerikas aus. Großartig ist vor allem das 1813 gegründete und seitdem fortwährend erweiterte Instituto-Nacional, das aus drei Sektionen besteht. Die erste umfaßt das Gymnasium mit den Abteilungen für Humanoria und mathem. Disciplinen. Die zweite Sektion bildet die Universität von Chile, 1842 an Stelle der 1883 gestifteten Universität von San-Felipe gegründet, mit 5 Fakultäten, 25 Professoren (zum Teil deutsche und franz. 11. und etwa 400 Studenten. Die Universität ist zugleich mit der Direktion des nationalen Volksschulwesens sowie mit der Inspektion aller höhern Erziehungsinstitute betraut und hat sich durch die seit 1844 von ihr herausgegebene Zeitschrift (Annales de la Universitad de Chilev) vorteilhaft bekannt gemacht. Die dritte Sektion ist den schönen Künsten gewidmet und zerfällt in die drei Klassen für Zeichnerei und Malerei, Skulptur, Architektur. Die Sternwarte (unter 33 26 42“ südl. Br. und 70, 4036“ westl. L. von Greenwich) liegt auf einem 60 m hohen isolierten Porphyrkegel und ist mit vortrefflichen Instrumenten ailen oder Ferner besitzt die Stadt drei höhere Schulen oder Colegios, von denen eins mit dem Instituto-Nacional verbunden, ein anderes erzbischöfl. Seminar ist. Außerdem bestehen eine Zeichen⸗ und eine Musikschule, ein musikalisches Konservatorium, eine Kunst⸗ und Gewerbeschule, eine Malerakademie, eine Militärakademie, eine Ackerbauschule mit Tierarzneischule, ein Hebammeninstitut, ein Findelhaus, ein Lehrer⸗ und ein Lehrerinnenseminar, mehrere gute Privatinstitute, einige Kloster⸗ und zahlreiche öffentliche Elementarschulen. In S. befindet sich das statistische Centralbureau für Chile, welches seit 1860 ein Anuario estadisticon herausgibt. An öffentlichen Sammlungen sind hervorzuheben die Nationalbibliothek, welcher die Bibliothek des Dominikauerklosters de Recoleta nicht nachstehen soll, und das naturhistor. Nationalmuseum. Die Stadt hat zahlreiche und bedeutende Kranken⸗ und Wohlthätigkeitsanstalten jeder Art. Von öffentlichen Vergnügungsanstalten sind zu erwähnen drei Theater und ein Circus für Hahnengefechte. Sein Trinkwasser erhält S. größtenteils aus dem Rio Mapocho. Das Klima ist trocken und großen Temperaturwechseln ausgesetzt, die mittlere Jahrestemperatur 15,85 C. Die Umgebungen sind schön, dabei fruchtbar und gut angebaut.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 217Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 6

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Erdkunde 6