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ErdkundeBrockhaus 1882

Santarem, Stadt (Cidade) und wichtiger Handelsplatz in Portugal, Hauptort des Distrikts Santarém, der das östl. Drittel von Estremadura einnimmt und 1881 auf 6816,1 qkm 227 943 E. zählte, liegt auf einem Hügel am rechten Ufer des Tejo, 104 m über dem Meere, 74 kKm im NNO. von Lissabon, an der Eisenbahn Lissabon-Oporto und mit Lissabon durch regelmäßige Dampfschifffahrt verbunden. Die Stadt, Sitz eines Bischofs, ist von alten Mauern und Türmen umgeben, wird außerdem durch eine alte maurische Citadelle (Alcagaba) verteidigt und hat stattliche Gebäude, 13 Kirchen, 12 ehemalige Klöster, sowie das erste geistliche Seminar im Königreich, Theater, Markthalle, Municipalbibliothek, Fortbildungsschule und zählt (1878) 7001 E. Auf einem dem Strom zunächst gelegenen Wall wurde 1882 eine Promenade angelegt, welche eine prächtige Fernsicht gewährt. Die fruchtbare und gut angebaute, aber den überflutungen des Tejo sehr ausgesetzte Umgebung liefert Orangen und namentlich Ol im Überfluß. Im Altertum hieß die Stadt Scalabis und war eine röm. Kolonie mit dem Beinamen Praesidium Julium und Sitz eines Obergerichtshofs; während der arab. Herrschaft gehörte sie zur Landschaft Belatha, hieß Schantarin und war 1028—94 Residenz der Beni Alaftas; im J. 1146 wurde sie den Mauren entrissen. Besonders denkwürdig wurde S. durch die schweren Niederlagen, welche vor ihren Mauern die Almohaden 1071 und 1184 erlitten. In der neuern Kriegsgeschichte ist die Stadt durch die feste Stellung Dom Miguels berühmt, der hier in den Gefechten vom 30. Jan. 1834 an der Brücke Asseca in Vorteil blieb, aber 16. Febr. bei Almoster von Saldanha geschlagen wurde und 16. Mai in der nach der Stadt benannten Entscheidungsschlacht den Generalen Napier und Villaflor völlig unterlag, sodaß er 26. Mai die Kapitulation von Evoramonte (s. Evora) unterzeichnen mußte.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 217Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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