Santo-Domingo, frühere Hauptstadt der ganzen westind. Insel Haiti, gegenwärtig der Republik Santo-Domingo und der gleichnamigen Provinz, erhebt sich mit ihren alten Befestigungen sehr malerisch auf einer Anhöhe der von schöner Vegetation bedeckten Südküste, an der Mündung des schiffbaren Ozama, der einen großen und sichern Hafen mit schmaler Einfahrt bildet. Die Stadt ist ein wichtiger Stapelplatz, Sitz der Regierung, des Gouverneurs der Provinz und eines lath. Erzbischofs, hat einen Leuchtturm, gerade Straßen, mehrere öffentliche Plätze, zwei Klöster, eine Kathedrale von 1540, neun andere Kirchen, ein ehemaliges Jesuitenkollegium, das jetzt Militärmagazin ist, zwei Hospitäler, eine Universität, ein großes Arsenal, große Kasernen und zählt etwa 16000 E. S. ist Sitz eines deutschen Konsulats für das Land südlich des Gebirges Cibao und die Bai von Samanä. Sstlich von der Stadt erstreckt sich eine ausgedehnte, überaus fruchtbare Ebene (1817 km), welche vorzugsweise Los Llanos heißt. Die Provinz S. zählt etwa 70000 E. In S. liefen 1883 ein: 185 Schiffe von 92384 t. S. ist die älteste Europäerstadt der Neuen Welt, gegründet 1496 von Bartolommeo Columbus, und gab nachher der ganzen Insel ihren Namen Domingo, bis letztere 1803 den ursprünglichen Namen Haiti wieder annahm. Die Blüte der Stadt fällt in die Mitte des 16. Jahrh.; 1586 aber wurde sie von den Engländern unter Drake eingenommen und großenteils verheert. Bei der Einnahme durch die Franzosen 1793 war sie noch in gutem Zustande; seit der Vereinigung mit der Republik Haiti aber verlor sie viel an Bedeutung. In der im got. Stil erbauten Kathedrale, der ersten der Neuen Welt, wurde nach Christoph Columbus' eigener Anordnung seit 1536 sein Leichnam aufbewahrt. Als aber der span. Anteil der Insel 1795 an die Franzosen kam, wollten die Spanier die Gebeine des Entdeckers nach Havana schaffen, und führten auch 20. Dez. 1795 mit großen Feierlichkeiten einen Sarg, in dem man Columbus' Leichnam vermutete, nach Cuba ab. Aber bei einem Umbau in der Kathedrale von S. entdeckte man 10. Sept. 1877 in einem Gewölbe einen Bleisarg mit menschlichen überresten, der sich durch seine Inschrift unzweifelhaft als den echten Sarg des Entdeckers erwies. Die Geschichte der Stadt S. ist eng mit derjenigen der Republik Santo-Domingo (s. d.) verflochten.