Santiago de Cuba, im Lande selbst gemeinhin Cuba genannt, Hauptstadt des östl. Departements der span. Insel Cuba in Westindien, Haupthandelshafen der ganzen Südküste, Sitz eines Gouverneurs und eines Erzbischofs sowie eines deutschen Konsulats, an der Mündung des Rio Parayö, östlich an einer herrlichen, von majestätischen Waldbergen der Sierra Maestra umschlossenen Bai weithin ausgebreitet, im obern Teile mit dem Marsfelde 57 m über dem Meeresspiegel gelegen und gesund, im untern Teile während der Regenzeit Fiebern unterworfen, hat wegen der häufigen Erdbeben nur einstöckige, flachgedeckte Häuser, die, mit ihren Galerien und Veranden in üppiger Vegetation über⸗ und nebeneinander gruppiert, einen überraschenden Anblick darbieten. Die Stadt hat eine Kathedrale, acht andere Kirchen, zahlreiche Klöster und Armenhäuser, ein Waisenhaus, Gefängnisse, Kasernen, drei Brücken, ein Theater, 20 Elementarschulen, zwei Druckereien, eine philharmonische und eine patriotische Gesellschaft und zählt 45000 E. Durch Erdbeben hat S. wiederholt (z. B. 20. Aug. und 26. Nov. 1852) große Verluste erlitten. Der Hafen ist durch die Berge geschützt, für die größten Schiffe tief genug und durch zwei Kastelle (Morro und Estrella) verteidigt, hat aber eine enge und schwierige Einfahrt; er ist Station der liverpooler Dampferlinie Fletcher and Co. und der Dampfer der Compagnie genérale transatlantique. Cin unterseeisches Kabel verbindet S. mit Jamaica. Die Hauptausfuhrartikel sind Tabak, Kaffee, Kakao, Zucker, Rum und Kupfererz. Letzteres kommt aus den im Nordwesten in einer wilden, bis 2120 m hohen Gebirgsgegend gelegenen Minen von El-Cobre, wohin eine 15 km lange und kostspielige Eisenbahn führt. El-Cobre ist außerdem bekannt als Wallfahrtsort mit wunderthätigem Madonnenbilde. Die Kupferminen jenes Gebirges veranlaßten Velasquez 1514 an der Bai einen Hafen zur Ausfuhr des Metalls zu gründen. Erst 1522 wurde die Stadt S. an ihre jetzige Stelle verlegt, zugleich zur Hauptstadt der Insel und 28. April 1523 zum Bischofssitz erhoben. Darauf wechselte S. mit der 96 kmeim Westnordwesten gelegenen und 18000 E. zählenden Stadt Bayamo als Regierungssitz, bis 1607 die Insel in zwei Provinzen mit den Hauptstädten Havana und Cuba geteilt und erstere zur Residenz des Generalkapitäns erhoben wurde.