FeedSanto-Domingo (San-Domingo)
ErdkundeBrockhaus 1882

Santo-Domingo (San-Domingo), früher der span. Name der ganzen Insel Haiti 6. ·N in Westindien, heißt jetzt nur der bstl. größere Teil der Insel, d. i. die seit 1844 selbständige Republik Santo-Domingo oder Republica Dominicana mitder Hauptstadt Santo-Domingo (s. d.). Man nennt sie auch Mulattenrepublik, weil unter den Bewohnern sich nur wenige Neger befinden, sonst aber Leute jeder Färbung. Von der Republik Haiti ist die Dommicanische Republik geschieden durch — — gewundene Linie, die von der Mündung des Massacreflusses westlich von Monte-Christi an der Nordküste zum Pedernalesfluß westlich vom Cap Roxo an der Südküste zieht, und welche die 1777 festgestellte Grenze zwischen dem franz. Teile der Insel im Westen und dem spanischen im Osten bildete. Mit den anliegenden Eilanden Saona, Beata und einigen kleinern umfaßt die Republik ein Gebiet von 53344 qkm, welches in die fünf Provinzen Santo-Domingo, Azua, Seibo, Santiago und Vega und vier Seedistrikte (Porto-Plata, Monte-Christy, Barahona und Samana) eingeteilt wird. Die Gesamtbevölkerung, etwa (1880) 300 000 Seelen, aus Mulatten und Weißen bestehend, spricht die span. Sprache. Die Staatskirche, an deren Spitze ein Erzbischof steht, ist die römisch-katholische, indes besteht volle Religionsfreiheit. Die Civilehe ist eingeführt. Die Berge des Landes, größtenteils von dem centralen Gebirge Cibao (Vaqui-Pik 4155 m, Tina-Loma 4130 m) auslaufend, bieten fast überall zur Kultur geeigneten Boden. Die Ebenen, von schiffbaren Flüssen durchströmt, gehören zu den fruchtbarsten Gefilden (Vegas) der Erde, in denen Zuckerrohr, Kaffee, Gewürz, Indigo, Tabak u. s. w. in größter Fülle erzeugt werden könnten. Dazu kommt der Überschwengliche Reichtum herrlicher Wälder von Gelb⸗, Blau⸗, Mahagoni⸗ und Schiffbauhölzern bis zu den Gipfeln der Berge. Auch birgt der Boden Gold, Silber, Quecksilber, Zinn, Eisen, Kupfer, Schwefel, Steinkohlen, Marmor, Lazulit, Chalcedon etc. Aber zur Ausbeutung dieser Bodenschätze hat es bisher, bei der Unsicherheit der polit. Verhältnisse, an Kapitalien und selbst an Arbeitskraft gefehlt. Export und Import betrugen 1883 2129266 und 3142 102 Pesos (zu 4,20 Marh). Das bedeutendste Ausfuhrobjekt ist Tabak, nächstdem folgt Zucker, ferner Kaffee, Kakao, Honig, Wachs, Mahagoni⸗ und andere Hölzer. Die Ausfuhr von Guano, die fast gänzlich aufgehört hatte, ist wieder bedeutender geworden. Eingelaufen sind 634 Schiffe von 370890 t. Die Hauptseeplätze sind Santo-Domingo im Süden und Puerto-Plata im Norden. Einen der besten Häfen der Welt, seit 1868 ein Freihafen, bildet an der Nordostküste die Samanä-Bai südlich hinter der Halbinsel Samanä. (S.“ unter Samana.) Die Einnahmen und Ausaben des Staats wurden 1882—83 auf 1500000 Pesos veranschlagt. Geschichtliches. Die am 27. Febr. 1844 von einer revolutionären Junta unter dem Creolen Jimenez proklamierte Republik S., deren erster Präsident Don Pedro Santana (geb. 1802 unweit Seibo, gest. 15. Juni 1864) wurde, bewahrte unter franz. Protektorat ihre Unabhängigkeit gegen die Nachbarrepublik Haiti, von der sie sich gekrennt, und erhielt durch eine konstituierende Versammlung 18. Nov. 1844 ihre neue Verfassung. Diese Verfassung ist indirekt der nordamerik., direkt der Konstitution von Venezuela nachgebildet. An der Spitze der Erekutivgewalt steht ein auf sechs Jahre gewählter Präsident, diesem zur Seite ein Vizepräsident und ein von ihm ernanntes Ministerium. Die gesetzgebende Gewalt wird vom Senat (Senado consultor) ausgeübt, der aus neun auf sechs Jahre Nacktole Mitgliedern besteht. Unter Santanas Nachfolger, Jimenez, fielen die haitischen Negerhorden unter Soulouque (s. d.) im März 1849 in das Land und siegten in den Gefechten vei Las-Matas. In dieser Not stellten die Dominicanos den General Santana als Diktator an die Spitze ihres Heers, der nun 22. April 1849 „durch seinen Sieg bei SavanaNumero dem Kriege ein Ende machte. Als aber Jiminez, im geheimen Einverständnis mit Soulouque, zu dessen Gunsten einen Aufstand in der Hauptstadt erregte, belagerte Santana diesen und zwang ihn 24. Mai zur Kapitulation. Santana resignierte hierauf, und Bonaventura Baez wurde konstitutioneller Präsident. Im Mai 1850 schloß die Republik einen Freund⸗ , Handels⸗ und Schiffahrtsvertrag mit Großbritannien, das 10. Sept. deren Selbständigkeit anerkannte, sowie auch Frankreich und die Vereinigten Staaten. Ein wiederholter Angriff Soulouques wurde durch den Sieg der Dominicanos in den Bergen von Banica 9. Okt. 1850 zurückgewiesen. Nach Ablauf der Präsidentschaft Baez' 15. Febr. 1853 wurde General Santana wieder zum Präsidenten gewählt. Baez, verräterischer Umtriebe während seiner Verwaltung beschuldigt, wurde von Santana ausgewiesen und zog sich nach St.⸗Thomas zurück. Nun brachte die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika 2. Okt. 1854 den Abschluß eines Freundschafts⸗, Handels-⸗ und Schiffahrtsvertrags mit der Dominicanischen Republik zu Stande, der unter anderm auch eine geheime übereinkunft über die Abtretung der Samanä-Bai enthielt. England und Frankreich erklärten sich jedoch gegen die Ratifikation des Vertrags und bewirkten die Verwerfung desselben durch den dominicanischen Kongreß. Ein abermaliger Einfall des Kaisers Soulouque zog dessen Niederlage in der Savanna von San-Tomé 22. Dez. 1855 und in der Savanna-Larga 24. Jan. 1856 nach sich, sodaß derselbe Febr. 1857 unter Vermittelung Frankreichs und Englands mit der Republik einen zweijährigen Waffenstillstand abschließen mußte. Präsident Santana dankte im Juni 1856 ab. Der Vizepräsident Manuel de Regla-Motta folgte ihm in der Präsidentschaft und bewirkte auch eine anscheinende Versöhnung zwischen

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 219Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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