FeedSantillana
GeschichteBrockhaus 1882

Santillana (Jiigo Lopez de Mendoza, Marques von), als Krieger, Staatsmann, Gelehrter und Dichter gleich berühmt, wurde 19. Aug. 1398 zu Carrion de los Condes geboren. Schon früh verlor er Vater und Mutter. Der König Heinrich III. von Castilien ernannte daher den Gemahl seiner Vaterschwester, Don Alonso Enriquez, zu seinem Vormund, in dessen Hause er bis zum 16. Jahre blieb. Nachdem er sich 1418 mit Doña Catalina de Figueroa vermählt hatte, erhielt er in dem Kriege gegen die Aragonier den Oberbefehl über 300 Reiter und zeichnete sich durch persönliche Tapferkeit so sehr aus, daß ihm der König die Stadt Junquera verlieh. Auch in den Kriegen gegen die Mauren von Granada 1431 und 1438 bewies er sich ebenso sehr als mutigen Vorkämpfer wie als erfahrenen Feldherrn, und zum Lohne dieser Verdienste und seiner geschickten Vermittelung, durch die Johann II. aus der Gewalt des Königs von Navarra befreit wurde, erhielt er die Markgrafschaft von Santillana. Im J. 1446 eroberte er die Stadt Torrija. Auch trat er 1452 der Verschwörung der castil. Großen bei, um den Günstling Alvaro de Luna zu stürzen. In noch größere Gunst kam er bei Johanns Nachfolger, König Heinrich IV. S. starb 25. März 1458 in Guadalaxara. Von seinen zahlreichen Werken sind zu erwähnen: Los proverbioso, ein didaktisches Gedicht zum Unterricht des nachmaligen Heinrich IV.; Bias contra fortunav, ein moralisierender Dialog; «Refranes que dicen las viejas tras el huegov, die älteste span. Sprichwörtersammlung; die berühmte „Comedieta de Ponzas, ein allegorisches Gedicht in dantesker Manier, das man seines Titels wegen mit Unrecht unter die Anfänge des span. Dramas zählte; ein Brief an den Connétable Dom Pedro von Portugal; «Proemio al Condestable de Portugalo, in welchem man den ältesten Abriß über span.⸗port. Litteraturgeschichte hesitzt. S. gehört unter die in der ältesten Geschichte der span. Nationallitteratur Epoche machenden Männer. Er hat vorzüglich beigetragen, die castil. Kunstdichtung teils nach dem Muster der spätern provencal.⸗ catalon. Hofpoesie, teils nach der klassisch-gelehrten italienischen umzugestalten. Obschon seine Gedichte an pedantischer Gelehrsamkeit und vorherrschend didaktischer Richtung leiden, so zeugen sie doch von wahrhaft poetischen Anlagen. Unter den mehr volkstümlichen sind namentlich die cSerranillasovon bezaubernder Anmut, wie z. B. die reizende (Moza tan fermosay: unter den italianisierenden verdienen die Sonette Beachtung, weil es die ältesten in castil. Sprache sind. S.s 40Obrasv gab mit Kommentaren Amador de los Rios (Madr. 1852) heraus.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 219Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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