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ErdkundeBrockhaus 1882

Deventer, auch Demter, altertümliche, aber saubere und wohlhabende Stadt in der niederländ. Provinz Overyssel auf der Grenze von Gelderland, 28 Em südlich von Zwolle, am rechten Ufer der Ysel, über welche hier eine Schiffbrücke führt, an der Mündung der Schipbeek und an der Niederländischen Staatsbahn (Linie Zütphen-Leeuwarden) gelegen, zählt (1880) 20 100 CE. Die wichtigsten Baulichkeiten sind: die reform. Haupt- oder St. Lebuinuskirche (spätgot. Stils), auch Groote Kerk genannt, mit schönen Glasmalereien, einem hohen Turm und roman. Krypta (Ende des 11. Jahrh.); die Broerekirche (eine der zwei katholischen) mit drei merkwürdigen, der Sage nach vom heil. Lebuinus geschriebenen Evangelienbüchern; das große Rathaus mit einem schönen Gemälde von Gerard Terburg, welches das Ratszimmer mit den Bürgermeistern und Räten der Stadt darstellt; auf dem Brink, dem größten der vier öffentlichen Plätze, das got. Wagegebäude; das Justiz⸗ und Haftgebäude und die neugebaute Kavalleriekaserne. D. besitzt ein Gymnasium, eine .— Bürgerschule, in welche seit 1864 das 1630 gestiftete Athenäum verwandelt wurde, eine Handwerker-, eine Zeichen- und Bau⸗, eine Musik⸗, eine Gymnastik⸗ und Fechtschule, eine Bibliothek, eine Sternwarte, eine Sammlung physik. Instrumente, eine Gesellschaft für Chemie und Naturwissenschaften sowie viele Wohlthätigkeitsanstalten, namentlich Stiftungen für alte Leute, ein Krankenhaus und eine Irrenanstalt. Erheblich ist die Industrie der Stadt. Es bestehen zwei Teppichfabriken, eine große Eisengießerei, eine Fabrik für Strickwaren, eine Kattundruckerei, eine Leimfabrik und Armenarbeitsanstalt mit 500 Arbeiterinnen. Auch treibt D. bedeutenden Handel mit Getreide, Vieh, Leinwand, Schinken und Butter. Eigentümlich und in ganz Holland berühmt ist der Deventerkuchen, eine Art Honigkuchen, den fünf Fabriken liefern. D., ursprünglich Daventre oder Daventria im Gau Hamaland, wurde 778 von den Sachsen zerstört, 883 von den Normannen verheert, 1123 als kaiserl. Feste vom Sachsenherzog Lothar und von Bischof Dietrich von Münster belagert, aber von Kaiser Heinrich V. entsetzt. Es gehörte seit der Hohenstaufenzeit zum Bistum Utrecht, war Hansestadt und kam 1528 an Karl V. Unter König Philipp II. wurde hier 1559 ein Bistum errichtet, das aber nur bis 1591 bestand, wo der Prinz Moritz von Oranien die Stadt den Spaniern, in deren Hände sie durch den Verrat des Kommandanten Stanley 1587 gefallen war, wieder entriß. D. ist Geburtsort des Philologen f! Jakob Gronop (1645); der obengenannte Maler ö G. Terburg, welcher während der letzten Jahre seines Lebens Bürgermeister der Stadt war, starb ier 1681. — Etwa 10 km im O. von D. liegt das orf Bathmen, dessen Kirche 1870 entdeckte Fresken aus dem 14. Jahrh. besitzt. (Adelstiteh).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 280Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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