Santorin oder Thira (Thera), die südlichste der zu Griechenland gehörigen Cykladen, ist 79 qkm groß und bildet jetzt mit Amorgos und einigen andern Nachbarinseln die Eparchie Thira. Mit ihrem vulkanischen Boden ist sie eine der merkwürdigsten Inseln der Erdoberfläche. Ihre sichelförmig eingebuchtete Westküste steigt über 300 m hoch steil empor; ihr höchster Berg, der St. Clias, erhebt sich 578 m. Ihr westlich gegenüber liegen die Inselchen Therasia und Aspronisi, mit denen sie geologisch ein Ganzes bildet: einen mit durchschnittlich 400m tiefem Wasser er Mitte di⸗ Krater. Die Versuche der Natur, in der Mitte dieses Kraters einen Vulkan zu bilden, haben, soweit Geschichte und Tradition reichen, uche aufgehört. Im J. 237 v. Chr. fand die vulkanische Trennung Therasias von Thera statt. Im J. 199 v. Chr. erhob sich das Eiland Hiera, jetzt Paläa-Kaimeni (die Alte Verbrannte) genannt, welche bei spätern vulkanischen Ausbrüchen im J. 19 und 726 n. Chr. vergrößert wurde, während 1457 ein großes Stück im Meere verschwand. Im J. 1573 bildete sich das Eiland Mikra-Kaimeni l(die Kleine Verbrannte), nordöstlich von Paläa-Kaimeni, und endlich 1707—11 Ven en beiden die Insel Nea-Kaimeni (Neue Verbrannte), bei welcher seit dem Jan. 1866 bis Ende Okt. 1870 abermals heftige vulkanische Eruptionen und Neubildungen kleiner Inseln stattfanden. Am südöstl. Ufer hat sich der Georgvulkan erhoben; am südwestlichen entstand aus aufquellenden Lavamassen die später mit Nea-Kaimeni verbundene Insel Aphroessa nebst andern Inselchen. Die Untersuchungen vieler Geologen an Ort und Stelle sind der Buchschen Theorie der Erhebungskrater, von denen gerade S. das schönste und schlagendste Beispiel sein sollte, nicht Waser Nirgends sieht man auf der de el fließendes Wasser, dagegen überall Cisternen. Die Kusten sind größtenteils fast unzugänglich, ihre ausgeglühten Lava- und Aschenmassen vegetationslos. Landeinwärts, wo die vulkanischen Massen verwittert, ist der Boden sehr fruchtbar an Gerste, Baumwolle, Südfrüchten und vorzüglichen Weinen. Berühmt ist der weiße und rote Vino Santo (süß mit bitterlichem Nachgeschmack), der am häufigsten nach Odessa ausgeführt wird, wofür man Getreide zurückbringt. Auch Puzzolanerde kommt zur Ausfuhr. Die Einwohner (1879) rund 15000, mit den dazugehörigen Inseln 20055 an der Zahl, welche größtenteils riechisch-katholisch, zum kleinern Teile römischatholisch sind und für jede Konfession einen eigenen Bischof haben, besitzen viele Freiheiten. Man zählt 5 Flecken und etwa 50 Dörfer, die wie Schwalbennester an die Felsen gebaut und deren Häuser übereinander terrassiert sind. Der Hauptort ist Thera an der Westküste, mit einem Hafen, vielen Weinkellern und 716, als Gemeinde 4146 C. Erst 1566 wurde den Venetianern die Insel durch Piali Pascha entrissen und von den Osmanen Degirmenlik genannt. Vgl. Roß, Reisen auf den griech. Inseln des Agäischen Meeres (1840); Fritsch, Reiß und Stübel, «Santorin (Heidelb. 1867); Reiß und Stübel, «Geschichte und Beschreibung der vulkanischen Ausbrüche bei S. » (Heidelb. 1868); Neumann und Partsch, «Physik. Geographie von Sautorini (Giov. Domenico), ital. Anatom, der Entdecker der Emissaria Santorini (s. d.).