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VerkehrBrockhaus 1882

Sarafan, Ssarafan lvom pers. Serapaj, von Fuß bis zu Kopf, ein Ehrenkleid), das lange Nationalgewand der russ. Frauen, oben ohne Armel, das vorn in ganzer Länge von Knöpfen verschlossen wird. Es ist bekannt Latt e vielfach komponierte russ. Volkslied „Der rote S. v. Caragossa (span. Zaragoza), Hauptstadt des span. Königreichs Aragonien und der Provinz S. (1711²2 qkm mit [Ende 1877400587 C.), Ciudad, Waffenplat, Sitz des Generalkapitäns von Aragenien, eines Erzbischofs, einer Universität und eines Obergerichtshofs, liegt 184 m hoch, in einer fruchtbaren, sorgsam bewässerten und angebauten, mit zahlreichen Villen (Torres) und Bauerhäusern übersäeten, mit Ol⸗ und Maulbeerbäumen bedeckten Ebene (Huerta), am rechten Ufer des durch Sandbänke in mehrere schmale, nicht schiffbare Arme geteilten Ebro, über den außer einer Eisenbahngitterbrücke eine 167 m lange Steinbrücke von sieben Bogen führt, an der Einmündung der Huerva und am Kaiserkanal von Aragonien, ist Station der Eisenbahnen Barcelona-S.⸗Pamplona-Alsäsua, Madrid-S. und S.⸗Escatron, und zählt (Ende 1877) mit Weichbild 84575 E. Mit Ausnahme der krummlinig mitten durch die ganze Stadt sich hinde Dela Hauptstraße Calle de Coso und der durch ie Belagerungen von 1808 und 1809 zerstörten und wieder neu aufgebauten Straßen, die regelmäßig angelegt und mit stattlichen Gebäuden geziert sind, besteht die Stadt aus einem Gewirr enger Gassen, von altertümlichem, ziemlich finsterm Ansehen. Sie besitzt 38 Plätze, 21 Kirchen, 12 Nonnenklöster (früher auch 28 Mönchsklöster), mehrere Hospitäler, eine Filiale der Bank von Spanien, eine Kreditbank, ein Theater, Kasernen, schöne Promenaden, alte Ringmauern mit Türmen und acht Thoren, und wird durch das an der Westseite gelegene Castillo de Aljaferia verteidigt, welches ehemals die Residenz der maurischen und christl. Könige von Aragonien, später Sitz und Gefängnis der Inquisition war und seit Philipp V. mit modernen Bastionen umgeben, als Citadelle dient. Außerdem wird die Skadt durch die Batterien des ehemaligen Klosters San-Engracia beherrscht; die Kirche dieses Klosters birgt das Grabmal des Geschichtschreibers Geronimo Zurita. Die wichtigsten Gebäude sind die zwei erzbischöfl. Metropolitankirchen: San-Salvador oder Catedral de la Seo, ein großes got. Bauwerk mit Kuppel über dem Querschiff, als dreischiffiger Hallenbau 1316 begonnen, aber erst zu Anfang des 15. Jahrh. vollendet, seit 1547 mit fünf düstern Schiffen, einer antikisierenden Fagade (aus dem 18. Jahrh.) von korinthischen Säulen, im Innern mit einem ganz aus Alabaster hergestellten Altarwerk aus der Mitte des 15. Jahrh. und dem Grabmal des Großinquisitors Pedro Arbues de la Epila; Nuestra Seüora del Pilär oder Catedral de la Virgen, ein prachtvoll ausgeschmücktes, aber in wunderlichem Spätrenaissancestil 1681 von Francisco Herrera aufgelohbar⸗ Gebäude, hinter dessen Hochaltar in einem kostbaren Marmortempel, auf einer Säule von aspis, das wunderthätige Bild der Heiligen Jungrau steht, zu dem häufige Wallfahrten geschehen. ußerdem sind zu nennen die 1541 erbaute got. Lonja oder der alte Börsenpalast mit einer prächtigen, von 50 dor. Säulen getragenen Halle, der erzbischöfl. Palast, der Justizpalast, das schöne moderne Universitätsgebäude, die Casa de los Gigantes, 1808—9 Hauptquartier des Generals Palafox, mehrere alte Paläste von Adelsgeschlechtern mit prächtigen 4 900 und die achteckige Torre-Nuepa von 1504, der höchste Turm der Stadt, der 2—1 dem Turm von Pisa schief steht, bei einer öhe von 84 m nach Südwesten fast 2 müberhängt, und eine Uhrglocke von 250 Ctrn. enthält. Außer der 1474 gestifteten Universität, die vier Fakultäten hat und zur Zeit ihres Glanzes über 80 Professoren und gegen 1500 Studierende zählte, besitzt S. eine Akademie der schönen Künste (seit 1776), eine ökonomische Gesellschaft mit Sektionen und Lehrstühlen für Landwirtschaft, Nationalökonomie, Botanik, Chemie und Mathematik, eine jurist. und eine mediz.⸗chirurgisch-pharmaceutische Akademie, eine Tierarzneischule, mehrere Colegios und Institutos für den höhern Unterricht, zwei Priesterseminare, eine Erziehungsanstalt für arme Kinder in der großen, 1666 gegründeten Casa de Misericordia, eine Versorgungs⸗ und Arbeitsanstalt für wirkliche Arme und mehrere Elementarschulen. Die schönsten Promenaden der Stadt sind der Salon de San-Engracia vor dem schönen neuen, gleichnamigen Thore und die prächtige vierfache Ulmenallee Paseo del Monte-Torrero; letztere führt nach dem am Kaiserkanal an einer der höchsten und anmutigsten Stellen der Huerta gelegenen ehemaligen, im Renaissancestil erbauten Kloster Monte-Torrero mit Kuppelkirche. Nahebei befindet sich der Hauptstapellatz des Kaiserkanals, der Hafen von S. mit agazinen, Niederlagen, Tavernen u. s. w. Die Ebrobrücke verbindet die eigentliche, am rechten Ufer gelegene Stadt mit dem gegenüberliegenden regelmäßig gebauten, meist von Handwerkern bewohnten Arrabal (Vorstadt). Die früherhin blühende Industrie der Stadt beschränkt sich gegenwärtig auf Fabrikate von Mehl, Salpeter, Tuch, Seiden⸗ und Leinenwaren, Sandalen, Hüten, Knöpfen, Seifen und Chokoladen doch ist der Handel immer noch recht lebhaft. Geschichtliches. S. hieß ursprünglich Salduba und war eine kleine Stadt der iberischen Ilergeten, welche 45 v. Chr. durch Cäsar zerstört wurde, seit 27 v. Chr. als röm. Kolonie (Colonia Caesarea Augusta Salduba, gewöhnlich Caesaraugusta) eine bedeutende Stadt und Sitz eines Obergerichtshofs für 152 Gemeinden und 255 nachweislich Sitz eines Bischofs. Auf einer 380 hier abgehaltenen Synode wurde die Lehre des Priscillian, Bischofs von Avila, sowie ihr Urheber verdammt. Im J. 409 wurde S. von den Vandalen, 452 den Sueven, 475 von Eurich, König der Westgoten, genommen, erreichte aber ihre jetzige Größe erst durch die Mauren, welche die Stadt 715 eroberten und 1017 zum Hauptort eines eigenen Reichs »Saragosthav (Sarakosza) machten. Im J. 780 nahm der Omajjade Abd-er-Rahman nach zweijähriger Belagerung das aufständische S. mit stürmender Hand und ließ den von Karl d. Gr. 778 unterstützten rebellischen Statthalter Husein-Ibn-Jahja (Ibn-al-Arabi der Franken) hinrichten. Am 18. Dez. 1118 von Alfons I. erobert und statt Huesca zur Haupt⸗ und Residenzstadt von Aragonien erhoben, wuchs sie in kurzem zur bedeutendsten Stadt des christl. Spanien empor. Unter Pedro III. erwarben die Cortes Aragoniens auf Betreiben der Adelsunion durch das Generalprivilegium von S. 1283 Bestätigung aller frühern Gerechtsame und Freiheiten, sowie einen wesentlichen Anteil an der Regierung. Im J. 1317 wurde das Bistum zum Erzbistum erhoben, jedoch nach Vereinigung der Kronen Aragonien und Castilien hörte S. auf, Residenz des Hofs zu sein, und sank infolge der durch die Entdeckung von Amerika bedingten Umgestaltung des span. Handels immer mehr herab. Philipp V. wurde dort 20. Aug. 1710 vom Erzherzog Karl geschlagen. Die Belagerungen von 1808 und 1809, in denen die Bewohner unter Palafox (s. d.) mit denkwürdigem Opfermut den erfahrensten Generalen Napoleons Widerstand leisteten, hatten die fast vollständige Zerstörung der Stadt zur Folge. Als die Franzosen im Mai 1808 sich Madrids bemächtigt, wurde der span. General Mori in S. zum Oberbefehlshaber ernannt, der sofort Palafor herbeirief. Kaum war dieser in den Kriegsrat eingetreten, so zwang das Volk den Kriegsrat, ihn zum Generalkapitän zu ernennen, und ganz Aragonien erkannte ihn als Statthalter an. Mit größtem Eifer wurde die Verteidigung vorbereitet. Der franz. General Lefebvre schlug 16. Juni die Truppen von Palafox, worauf die Stadt eingeschlossen und 3. Aug. beschossen wurde. Schon 4. Auguft drangen die Franzosen in das Kloster San-Engracia ein; doch begann nunmehr der Kampf im Innern der durch ihre Bauart sehr widerstandsfähigen Stadt. Trotz aller Anstrengungen war es dem Feinde, welchem es an technischen Truppen fehlte, vom 4. bis 14. Aug. nicht möglich, mehr als vier Häuser zu nehmen, und da gleichzeitig der Rückzug des franz. Heeers auf Vittoria erfolgte, so sah sich der General Verdier, der an Lefebvres Stelle getreten war, genötigt, in der Nacht vom 15. Aug. die Belagerung aufzuheben. Doch schon 20. Dez. begann eine zweite Belagerung. Die Stadt war inzwischen befestigt und ihre Besatzung auf 30000 Mann gebracht worden. Das ebenso starke Belagerungsheer wurde von Moncey und Mortier geführt. Es erschien 20. Dez. vor S. und begann die regelmäßige Belagerung. Vom 9. bis 27. Jan. 1809 hatten 50 schwere Geschütze drei große Breschen bebftnet durch die die Franzosen eindrangen, sich aber nur in den Häusern behaupten konnten. Das ebenfalls aufgestandene Volk in der Umgebung der Stadt that ihnen auf allen Seiten Abbruch. Obschon in der Stadt die Not groß, verwarf Palafox jede Aufforderung des Marschalls Lannes, der 22. Jan. den Oberbefehl des Belagerungsheers Übernommen hatte. Inzwischen dauerte der Kampf in den Häusern Tag und Nacht fort; erst 7. Febr. konnte der Feind seinen Angriff gegen den Mittelpunkt der Stadt richten; doch erst 18. Febr. wurde die Vorstadt auf dem linken Ufer des Ebro genommen. Dies entschied den Fall der Stadt. Am 20. Febr. begannen die Unterhandlungen; man kam über eine ehrenvolle übergabe überein, die 21. Febr. vollzogen wurde. Über 54000 Menschen, darunter 14000 Soldaten, waren binnen 60 Tagen umgekommen. Während dieser zweiten Belagerung wurde das berühmte Archiv der Krone Aragonien ein Raub der Flammen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 229Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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