Saumur, Hauptstadt eines Arrondissements im franz. Depart. Maine-et-Loire, wie 1590 — 1790 des Gouvernements Saumurois, 44 km im So. von Angers, links an der Loire, über welche eine 248 mlange Brücke von zwölf Bogen führt, nahe oberhalb der Mündung des Thouet, welcher den Kanal der Dive aufnimmt, Station der Linie Paris-Nantes-St.⸗Nazaire der Orléansbahn und der Linie S.⸗Poitiers der Staatsbahnen, ist Sitz eines Handelsgerichts und einer Handelskammer und zählt (1881) 12262 C. (Gemeinde 14186). Die Stadt, malerisch gelegen, von Kreidehügeln beherrscht, ist gut gebaut und hat ein altes Felsenschloß auf steiler Höhe (1040 begonnen), das lange als Staatsgefängnis gedient hat, jetzt aber Arsenal und Pulverfabrik ist. S. besitzt vier sehenswerte Kirchen: St.-Pierre und Notre-Dame de Nantilly aus dem 12., St.⸗Jean aus dem 13. und Notre-Dame des Ardillers aus dem 16. Jahrh., ein Stadthaus aus dem 15. und 16. Jahrh., in neuester Zeit restauriert und vergrößert, ein Theater von 1864, eine der schönsten Kavalleriekasernen Frankreichs, eine 1768 gegründete große Kavallerieschule nebst Gestüt, eine Reitschule. Von Bildungsanstalten bestehen ein Kommunal-College, eine Bibliothek, ein naturhistor. und archäol. Museum, ein botan. Garten für Weinkultur. Die Bevölkerung baut guten, feurigen Wein und unterhält berühmte Fabriken von Rosenkränzen und Emailarbeiten mit 600 Arbeitern. Ferner bestehen Buchdruckereien, Gerbereien, Färbereien, viele Windmühlen, Riemen⸗, Leinwand- und Liqueurfabrikation. Beträchtlich ist der Handel (1½ Mill. Frs. Ausfuhr) mit gewöhnlichen und moussierenden Weinen, mit Getreide, Flachs, Hanf, Mehl, trockenen Früchten und Gemüsen, Hanfsamen, Leinöl, Tuff, hydraulischen Kalk u. s. w. In der Nähe finden sich kelt. (2 Km südlich Dolmen de Bagneux) und röm. Altertümer und zwei gut erhaltene Lager des Julius Cäsar. — S. (mittellat. Salmurum) ist sehr alt und war einst befestigt. Schon Pipin der Kurze stiftete hier eine Kirche. Fulco von Anjou eroberte 1024 die Stadt, welche fortan mit Anjou vereinigt blieb, bis sie 1549 in den Besitz des Herzogs Franz von Guise und 1590 in den Heinrichs IV. kam, nachdem sie bereits 1562 ein Bollwerk der Hugenotten gewesen war. Der 1590 von Heinrich IV. ernannte Gouverneur Duplessis Mornay gründete hier eine prot. Akademie und machte S. durch Förderung des Gewerbfleißes und Handels zu einer blühenden Stadt, wurde aber 1621 durch Ludwig XIII. seines Amtes enthoben. Durch Aufhebung des Edikts von Nantes 1685 wurde der Wohlstand des Ortes sehr beeinträchtigt. Am 9. Juni 1793 wurden hier die Republikaner von den Royalisten besiegt.