Satyrspiel (grch. drama satyrikon) nennt man eine den Griechen durchaus eigentümliche Gattung des Dramas, in welcher Satyrn (s. d.) den Chor bildeten, deren rohe, die tierischen EClemente der menschlichen Ratur hervorkehrende Natürlichkeit und ausgelassene Lustigkeit dem ganzen Spiele seinen besondern Charakter gab. Als Träger der eigentlichen Handlung wurden ihnen teils Götter (besonders Dionysos, dann auch andere, die zu diesem in mythischer Beziehung standen, wie Hephästos und Heinen), teils Heroen (am häufigsten Herakles, dann Theseus, Odysseus, Sisyphos, Prometheus u. a.) gegenübergestellt, die den nur mit Fellen bekleideten Satyrn gegenüber in der reichen tragischen Gewandung auftraten, ein Kontrast, der an 0 schon eine grotesk-komische Wirkung hervorbrachte. Ursprünglich war das Satyrdrama mit der Tragödie identisch, da auch in dieser von Anfang an meist Satyrn den Chor bildeten; als dieselbe aber in der Wahl und Behandlung ihrer Stoffe einen ernstern Charakter annahm und strenger festhielt, wurde durch Pratinas von Phlius (der daher gewöhnlich als Erfinder des S. bezeichnet wird) das alte lustige Spiel mit dem ausgelassenen Sikinnis genannten Tanze als eine besondere Gattung des Dramas neben der Tragödie ausgebildet. Seitdem wurde es Brauch, daß ein S. als lustiges Nachspiel zu drei Tragödien, beziehungsweise einer Trilogie aufgeführt wurde. Von der reichen Litteratur dieser Gattung des Dramas, die durch Äschylus ihre höchste Vollendung erreichte, ist nur ein einziges Beispiel erhalten: der Kyklops v des Euripides. Vgl. Genthe, «Des Euripides Kyklops nebst einer ästhetischen Abhandlung über das S.v (Lpz. 1836); Welcker, Rachtrag zu der Schrift über die Aschylische Trilogie nebst einer Abhandlung über das S.» (Frankf. a. M. 1826); Wieseler, Das S.» (Gött. 1847). Die Fragmente der verlorenen Satyrdramen sind gesammelt von Friebel, „Graecorum satyrographorum fragmentav (Berl. 1837), und bei Nauck, «Tragicorum graecorum fragmentap (Lpz. 1856).