Scaliger (Julius Cäsar), Philolog und Kritiker, geb. 23. April 1484 zu Riva am Gardasee, hieß eigentlich della Scala, nach einem Beinamen, den sein Vater, Benedetto Bordone, der zu Venedig zuletzt die Kunst eines Illuminierers betrieb, erhalten hatte. Nach seinem Vater nannte sich der Sohn auch Scaliger a Burden, suchte aber aus Eitelkeit zugleich sein Geschlecht von dem fürstl. Hause der Scala (s. d.) abzuleiten. Er lebte bis 1526 zu Venedig oder Padua und wendete sich w1529 nach Agen in Frankreich, wo er die Arzneikunst ausübte und 21. Okt. 1558 starb. S. besaß eine nicht gewöhnliche Kenntnis des Altertums. Als Naturforscher wurde er besonders mit Cardanus, als Philolog mit Erasmus in heftige Kämpfe verwickelt, gegen dessen Ciceronianus » er zwei geharnischte Reden schrieb. Unter seinen philos. Schriften sind zu erwähnen: «De subtilitatéen (Par. 1557 und Hanau 1647) und De sapientia et beatitudinen (Genf 1573). Nicht ohne Wert für Physik und Naturgeschichte sind seine Kommentare zu Hippokrates' „De insomniis v (Lyon 1538), zu Aristoteles De plantiso (Par. 1556 und Marb. 1598) und zu Theophrastus“ De causis plantarum o (Lyon 1566 und 1584). Eine rationelle Behandlung der lat. Sprache unternahm er in dem Werke De causis linguae Latinaen (Lyon 1540; Genf 1580 und Heidelb. 1623), und großen Ruhm erwarb ihm zu seiner Zeit das Buch Poctices, libri VIIV (Lyon 1651 u. öfter). Vgl. Jos. Scaliger, De vetustate et splendore gentis Scaligerae et Julii Caesaris Scaligerae vitap (1591); Briquet, Eloge de Jules César S.v (Agen 1812).