Trissino (Giovanni Giorgio), ital. Dichter und Gelehrter, geb. 8. Juli 1478 zu Vicenza, widmete sich erst spät den Wissenschaften. Demetrius Chalkondylas war sein Lehrer in der griech. Sprache. Außer mit Litteratur befaßte er sich eifrig mit Mathematik, Physik und Architektur. Palladio war in der Bauwissenschaft sein Schüler. Papst Leo X. bezeigte ihm besonderes Wohlwollen und betraute ihn mit Gesandtschaften an den König von Dänemark, den Kaiser Maximilian und die Republik Venedig. Auch Clemens VII. sendete ihn an Kaiser Karl V., der ihn mit Auszeichnungen überhäufte. Später lebte er in Venedig. Wegen häuslicher Mißhelligkeiten ging er wieder nach Rom, wo er Anfang Dez. 1550 starb. T., welcher sich auf allen Gebieten der Dichtkunst versuchte, erwarb sich den Ruhm, seinem Vaterlande in der «Sofonisbas (Rom 1514) die erste nach den Regeln des Aristoteles abgefaßte Tragödie gegeben zu haben. Leo X. ließ sie mit höchster Pracht aufführen. Doch erkaltete der Enthusiasmus bald, weil das Werk in der That kein nationales, sondern nur eine steife Nachahmung des Altertums war. T. hat in dieser Tragödie, angeblich zuerst, den reimlosen elfsilbigen Vers (vVerso sciolto) angewendet. Einen unangemessenen Gebrauch von diesem Verse machte er in seinem dem Plautus nachgeahmten Lustspiel I simillimiv (Vened. 1547). Auch sein Epos altalia liberata da' Gotis (1547—48 ist streng nach den Aristotelischen Regeln gearbeitet, doch ohne schöpferische Kraft. Glücklicher war T. als lyrischer Dichter. Auch verfaßte er eine Poetik, die von gründlichen Kenntnissen zeugt, wie überhaupt sein Ruf als Gelehrter höher steht als sein dichterischer. Ihm verdankt man auch die älteste ital. übersetzung von Dantes Schrift De vulgari eloquentia (1529). Vgl. Castelli, Vita di Giovanni Giorgio (Vened. 1753); Morsolin, «Giovanni Giorgio T.o (Vicenza 1878).