FeedScarabäus
TierreichBrockhaus 1882

Scarabäus (lat., der Käfer) wird vorzugsweise der Heilige Käfer, Ateuchus sacer, genannt. Er gehört zu der Sippschaft der Mistkäfer, ist schwarz und glatt, etwa 4 em lang, der Kopf schildförmig, vorn mit sechs Spitzen wie eine strahlende Sonne. Die Vorderbeine haben fingerförmig gezähnte Schienen, aber keine Füße (Tarsen). Er findet sich besonders an den Küsten des Mittelmeers, macht, wie alle Arten seiner Gattung, Pillen aus frischem Mist, in die er ein Ei legt, sie eine Zeit lang rollt, schließlich eingräbt, und wurde von den Agyptern heilig gehalten. Sein hieroglyphischer Name ist cheper. Er war, nach Horapollon, ein Symbol der Sonne und der Weltschöpfung. Auch die Denkmäler lehren, daß der Gott Chepera ein Sonnengott war. Bekannt sind die unzähligen Nachbildungen des heiligen Käfers in Stein und gebrannter Erde. Sie dienten ursprünglich als Amulette, später als Schmuck⸗ oder Siegelsteine und sind deshalb meist mit einem Loche in der Länge des Käfers versehen, um sie an Schnüren aufziehen zu können. Diese Scarabäen pflegen auf der glatten Unterseite hieroglyphische Namen von Göttern oder Königen, selten von Privatleuten, oft aber auch andere kleine Legenden oder einzelne heilige Symbole zu enthalten. Sie sind meistens klein, durchschnittlich etwa 1,5 em lang; es finden sich aber auch weit größere, bis zu 7—10 em Länge, deren Inschriften sich dann noch bestimmter auf den Totenkult zu beziehen pflegen. Aber nicht allein in Agypten, sondern auch in Asien, Griechenland und Italien finden sich diese Scarabäen, zum Teil als wertvolle Gemmen, meist aus Karneol, mit verschiedenen Darstellungen, zuweilen auch mit unverkennbar ägyptisierenden Symbolen, welche auf die ursprüngliche Heimat dieser ganzen Sitte hinweisen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 278Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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