FeedSchafarik (Safarik, Paul Jos.)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Schafarik (Safarik, Paul Jos.), ausgezeichneter Forscher auf dem Gebiete der slaw. Sprache, Litteratur und Altertumskunde, geb. 13. Mai 1795 zu Kobelyarowo im nördl. Ungarn, von slowakischer Abstammung, studierte auf dem Lyceum zu Käsmark Keelidwa Theologie und ungar. Recht und sammelte slowakische Volkslieder, die später durch Beiträge anderer vermehrt erschienen (2 Bde., Pest 1823—27); auch versuchte er sich selbst in poetischen Arbeiten, die er zum Teil im Druck erscheinen ließ (Tatranskãà Muzay, Leutschau 1814). Er studierte dann noch in Jena, wurde 1817 Hauslehrer in Preßburg, 1819 Professor und Direktor am serb. Gymnasium zu Neusatz. Im J. 1825 als Evangelischer des Direktorats enthoben, legte er 1833 auch die Professur nieder, lebte dann in Prag und schrieb zunächst seine Slovanské staroEitnostiv (Slawische Altertümer v, Prag 1837; zweite, von Jos. Jirekek besorgte Ausg. 1863; deutsch von tosig von Ahrenfeld, Lpz. 1842 —.44), sein bedeutendstes, bahnbrechendes Werk, in welchem die Geschichte der slaw. Stämme von ihrem ersten Bekanntwerden bis um 1000 n. Chr. zum ersten mal möglichst erschöpfend und kritisch dargestellt wird. Darauf erhielt er 1837 von der Regierung das Amt eines Censors, in welchem er bis 1847 verblieb, wurde 1841 Custos an der prager Bibliothek, 1848 Bibliothekar, verfiel kurze Zeit (1857) in Geistesstörung und starb 26. Juni 1861. Von seinen Arbeiten sind zunächst noch besonders hervorzuheben seine „Geschichte der slawischen Sprache und Litteratur nach allen Mundarten v (Ofen 1826; Prag 1869) und 4&Sloyansky Närodopiso (Slawische Ethnographier, mit einer Sprachkarte, Prag 1842; 3. Aufl. 1849); ferner Arbeiten, betreffend die Sprache und Litteratur der Südslawen, «Serb. Lesekörner oder historisch-kritische Beleuchtung der serb. Mundarto (Pest 1833), KPamätky drevniho pisemnictvi Jihoslovanuvy (Denkmäler des alten Schrifttums der Südslawenv, Prag Conversations⸗-Lexikon. 13. Aufl. XIV. 1851; 2. Ausg. 1873), 4Geschichte der südslaw. Litteratur (3 Bde., Prag 1864—65); zur böhm. Sprache und Litteratur: «Alteste Denkmäler der böhm. Sprachez (Prag 1840; mit Fr. Palackth) und gründe der altböhm. Grammatiko, als Einleitung in den 1. Tl. der altböhm. Textsammlung «VYboro, Prag 1845); auf dem Gebiete des Glagolitismus: (Pamätky hlaholského pisemnictvio (Denkmäler des glagolitis Ge Schrifttumso, Prag 1853), Prager glagolitische Fragmente (Prag 1857), «Uber die Heimat und den Ursprung des Glagolitismusv (Prag 1858). In seinem Nachlaß fanden sich unter anderm Materialien zu einer großartig angelegten Topographie der südl. Donauländer. Umfassende Biographien Sis schrieben sein Schwiegersohn J. irecek in der „Osterr. Revues (III, 1865), im böhm. Konversations-Lexikon «Slovnik Nauényy (Bd. 9, 1872) und sein Sohn Adalbert S. (geb. 26. Okt. 1829 in Neusatz), gegenwärtig Professor der Chemie an der böhm. Universität in Prag und hervorragender Fachmann.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 289Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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