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MusikBrockhaus 1882

Schall bezeichnet diejenigen Schwingungen der Körper, welche, wenn sie bis zu unserm Ohre fortgepflanzt werden, von unsern Gehörnerven wahrgenommen werden. Wenn die Schwingungen in unregelmäßiger Weise schnell aufeinander folgen, so — je nach den Umständen ein Geräusch, Geprassel, Getöse u. s. w. Folgen sie dagegen einander in gleichen Zwischenzeiten genügend geschwind, so entsteht ein Klang, und wenn diese Schwingungen sog. einfache, pendalartige Schwingungen sind, ein Ton, der je nach der größern oder kleinern Anzahl der in einer Sekunde vollbrachten Schwinungen höher oder tiefer ist. Die Lehre vom S. heißt Akustik. Diese kann eingeteilt werden 1) in die Lehre von den stehenden Schallwellen oder den Schwingungen tönender Körper, 2) in die von der Fortpflanzung des S. in den verschiedenen Stoffen Mitteln), 3) in die von der Geschwindigkeit, Stärke (Intensität) und Reflexion oder Zurückwerfung des S. Außerhalb unserer Gehörnerven gibt es eigentlich keinen S. (s. Akustik), denn die geschlagene, oder gerissene, oder gestrichene Saite oder Stimmgabel, oder was es sein möge, schallt, tönt oder klingt nicht, sondern schwingt nur in mehr oder weniger schneller Bewegung hin und her, teilt diese Bewegung der umgebenden Luft mit und durch diese unserm Ohre, wo sie zunächst am Ende des Gehörganges durch das dort ausgespannte Trommelfell aufgenommen und von da durch ein Hebelsystem von kleinen Knöchelchen, den Hammer, Amboß und Steigbügel, auf das innere Gehörorgan übertragen wird. (S. Gehör und Ohr.) Diesen Nervenreiz bezeichnet man nun als Ton, und zwar spricht man von höhern oder von tiefern Tönen, je nachdem der Reiz von den kürzern oder von den längern Cortischen Fasern ausging, also durch schnellere oder langsamere Schwingungen erregt wurde. Die Kräftigkeit jeder einzelnen Schwingung hat dabei nur Einfluß auf die Stärke des Tons, und nur von der größern oder geringern Zeit, welche zwischen zwei aufeinander folgenden Schwingungen verstreicht, hängt die Tonhöhe ab. Die längste Cortische Faser, deren Reiz also in uns das Gefühl des tiefsten hörbaren Tons erweckt, wird (nach Preyer) durch 14 Schwingungen in der Sekunde erregt, die kürzeste und sonach dem höchsten hörbaren Ton entsprechende In d durch 40000 Schwingungen in der Sekunde. In der Musik bezeichnet man den erstern Ton als Contra-C oder Ci, den letztern als achtestrichenes Dsoder D‘. Der Normalton für die ormalstimmung war bisher sehr verschieden; es wurde jedoch der Ton an mit 870 einfachen Schwingungen in der Sekunde im Tonkongreß zu Wien (Nov. 1885) als Grundton für die internationale schon 1859 al 870 einfachen Schwingungen als Normalton festgesetzt. Die äußern Ursachen der Töne sind nur die Schwingungen elastischer Körper, und die Betrachtung des Zusammenhangs dieser Schwingungen mit den Dimensionen der schwingenden Körper oder mit den treibenden Kräften bildet eigentlich nur ein Kapitel der Clasticitätslehre in der Physik. Doch hat man eine besondere Lehre vom S. entwickelt, veranlaßt durch den allerdings zufälligen Umstand, daß die meisten dieser Schwingungen bequemer durch das Ohr als durch das Auge wahrgenommen werden können. Im allgemeinen können in Schwingungen versetzt werden: gespannte Saiten (Saiteninstrumente), elastische Stäbe(Triangel, Holz⸗ und Glasharmonika, Spieldosen u. s. w.), Platten (die, wenn sie gebogen oder gewölbt sind, Glocken genannt werden), gespannte Membranen (Trommeln und Pauken) und endlich auch in Röhren befindliche Luftmassen (bei den Pfeifen und den Blasinstrumenten überhaupt). Die Schwingungen werden bei allen diesen Gegenständen um so schneller aufeinander folgend, folglich der im Ohre durch sie erzeugte Ton um so höher sein, je kleiner ihre Dimensionen sind und je stärker ihre elastische Spannung ist. Eine z. B. doppelt so lange Saite wird demnach in derselben Zeit nur halb soviel Schwingungen machen als eine andere von der einfachen Länge, und eine Saite, welche viermal so stark gespannt ist als eine andere, wird zweimal soviel, eine neunmal so stark gespannte dreimal soviel Schwingungen in derselben Zas machen als die mit der einfachen Spannung. Das Verhältnis der Schwingungszahlen zweier Töne nennt man in der Akustik ihr Interpall (s. d.), und einzelnen dieser Intervalle gibt man besondere Namen. Einfache Tonverhältnisse, wie 1:2, 2:3, 4:5 u. s. w., erregen in uns den Eindruck des angenehmen Zusammenklanges (Konsonanz). Der Grund hiervon ist keineswegs, wie man früher glaubte, ein psychischer Vorang und ein Wohlgefallen der Seele an einfachen, eicht übersichtlichen Verhältnissen, sondern beruht darauf, daß die Obertöne der betreffenden Klänge keine oder nur schwache Stöße (vgl. Schwebungen) miteinander geben und daher glatt und nicht rauh zusammen klingen. as aber jene Obertöne und den zugehörigen Grundton betrifft, so ist kurz Folgendes zu bemerken. Man kann einen schwingenden, tonerzeugenden Körper, z. B. eine Saite, so in Schwingungen versetzen, daß sie ihrer ganzen Länge nach in Einem Stücke schwingt, sodaß bloß ihre beiden Enden ruhen, alle ihre übrigen Teile aber in Bewegung sind, und zwar um so mehr, je weiter sie nach der Mitte liegen. Den bald nach der einen, bald nach der andern Seite sich ausbiegenden Teil nennt man den Schwingungsbauch, die beiden ruhenden Endpunkte aber die Schwingungsknoten. Man kann jedoch auch eine Saite so schwingen lassen, daß sich auf ihr zugleich zwei oder drei oder mehr Schwingungsbäuche bilden und zwischen jedem Bauche natürlich ein Schwingungsknoten, und zwar geschieht dies dadurch, daß man die Saite an einem von den Punkten, welche Schwingungsknoten werden sollen, leise berührt. Berührt man sie z. B. in ein Fünftel ihrer Länge, so bilden sich auch am Ende des zweiten, dritten und vierten Fünftels von selbst Schwingungsknoten und dazwischen fünf Talf Offenbar ist aber der Ton in einem solchen Fall weit höher, als wenn die Saite ihrer ganzen Länge nach in Einem Stücke schwingt; denn machte sie in diesem letztern Falle z. B. 100 Schwingungen in der Sekunde, so würde sie bei einer Abteilung in Hälften 200, in Drittel 300, in Viertel 400, in Fünftel 500 u. s. w. Schwingungen in der Sekunde vollenden. Dies gibt eine Reihe von Tönen, die man die «aharmonischen Obertöner zu dem Grundtone nennt, den die Saite ohne Schwingungsknotenbildung gibt. Aber auch ohne daß man es beabsichtigt, bilden sich die harmonischen Obertöne stets mit und treten neben dem Grundton auf, wenn man eine Saite durch Schlagen, Reißen oder Streichen zum Schwingen bringt, sodaß man nicht bloß den sog. Grundton, sondern eigentlich eine ganze Reihe zueinander gehörender Töne zugleich hört. Eine solche Tonmasse nennt man am besten einen «Klangy.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 295Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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