FeedSchefer (Leop.)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Schefer (Leop.), deutscher Dichter, geb. 30. Juli 1784 zu Muskau in der Oberlausitz, besuchte das Gymnasium zu Bautzen und beschäftigte sich hierauf in der Heimat mit Mathematik, Philosophie und dem Studium der griech. und orient. Dichter. Inzwischen war er in ein freundschaftliches Verhältnis zu dem Fürsten Pückler-Muskau getreten, der ihn zu seinem Generalbevollmächtigten ernannte. Doch legte er dieses Amt nach sechs Jahren nieder, bereiste zunächst England und Deutschland und verweilte einige Jahre in Wien. Dann besuchte er Italien, Sicilien, Griechenland, die Türkei, die griech. Inseln und Kleinasien. Nach der Rückkehr 1820 ließ er sich in seiner Vaterstadt nieder. Er starb daselbst 13. Febr. 1862. S.s poetische und musikalische Erstlinge, die „Gedichte mit Kompositioneno (Berl. 1811), wurden von dem Grafen Pückler herausgegeben, welcher lange für deren Verfasser galt; auch eine zweite Sammlung erschien (1813) ohne des Verfassers Namen. Später neigte S. sich der Novelle zu. Die Geheimnisse der Motive menschlicher Handlung, das tiefere Seelenleben und Schilderungen weiblicher Naturen bilden meist den Kern seiner Erzählungen. S.s Novellen erschienen einzeln in Zeitschriften und Taschenbüchern dann gesammelt Unter dem Titel: Movelleno (5 Bde., Lpz. 1825 29), «Neue Novellen (4 Bde., Lpz. 1831—35), „Lavabecher» (2 Bde., Stuttg. 1833), «Kleine Romaner (5 Bde., Bunzl. 1837.—39). Hieran schlossen sich eine Reihe selbständiger Werke, wie «Die Göttliche Komödie in Romo (Opz. 1846), Graf Prom1846) und die gegen das Missionswesen gerichtete pikante Novelle Die Sibylle von Mantuav (Hamb. 1853). Treffliche Naturschilderungen, lebendige Charakterzeichnung, Gedankenfülle und Innigkeit der Empfindung, sowie eine humoristische Erhebung über die Wechselälle des Lebens sind glänzende Vorzüge fast aller seiner Erzählungen. Dagegen hielt ihn die freiwillige Isolierung von fortentwickelnden Einflüssen allzu fest in gewisse Ideenkreise und kritisch nicht zu rechtfertigende Formen gebannt, welche die Bedeutung und den Genuß seiner Dichtungen sehr beeinträchtigen. Dies gilt besonders auch von seiner der Lebenspraxis zugewendeten Lyrik. Schon 1828 war von S. zu Frankfurt eine Sammlung Kleine lyrische Werker, später seine «Gedichter (3. Aufl., Berl. 1847) erschienen. Noch bedeutender ist sein «Laienbreviero (2 Bde., Berl. 1834—35; 18. Aufl., Lpz. 1884), dem später „Der Weltpriesters (Nürnb. 1846) folgte. Es sind dies spruchartige Gedichte ethischen und religiösen nhalts, welche zwar eine große Fülle poetischer chönheit enthalten, aber nicht immer mit rechter Klarheit die Weltanschauung des Dichters aussprechen. Dem Laienbrevierr reihten sich noch die «(Hausreden» (Dessau 1854; 4. Aufl., Lpz. 1869) an. Eine gewissermaßen neue Richtung schlug S. in dem anonym erschienenen «Hafis in Hellas (Hamb. 1853) ein, einer Dichtung, die von dem tiefsten, reinsten Gefühl und einer gesunden Sinnlichkeit erfüllt ist und gewissermaßen die Vorschule zu seinem «Koran der Liebe nebst kleiner Sunnav Gamb. 1854) bildet. Vieles Fremdartige von S.s Schöpfungen erklärt sich aus seiner Vorliebe für den Orient und orient. Vorstellungen, die beinahe überall hervortritt und namentlich aus der Dichtung Mahomets türk. Himmelsbriefes (Berl. 1846) ersichtlich ist. S. selbst veranstaltete eine Auswahl seiner Werke (12 Bde., Berl. 1845; 2. Aufl. 1857). Aus seinem Nachlaß gab Gottschall heraus: «Für Haus und Herz. Letzte Klänges (Lpz. 1867). Als Musiker lieferte S. Lieder, Symphonien strengen Stils, Ouverturen und Capriccios für das Pianoforte. Sein Buch des Lebens und der Lieber gab in 2. Auflage Moschkau (Lpz. 1877) heraus. Auf Grund seines Nachlasses veröffentlichte Brenning die Biographie Leopold S.y (Brem. 1884).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 311Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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