Müller (Wilh.), einer der trefflichsten deutschen Liederdichter, geb. zu Dessau 7. Okt. 1794, studierte seit 1812 in Berlin Philologie und Geschichte, ging im März 1813 als preuß. Freiwilliger in den Befreiungskrieg, wohnte den Schlachten bei Lützen, Bautzen, Hanau und Kulm bei und folgte dann dem preuß. Heere nach den Niederlanden. Im J. 1814 kehrte er in Berlin zu den Studien zurück und machte 1817 eine Reise nach Italien, wurde hierauf an die Gelehrtenschule in Dessau berufen und später zugleich Bibliothekar an der herzogl. Bibliothek. Er starb zu Dessau 30. Sept. 1827. M. veröffentlichte ⸗Rom, Römer und Römerinnen » (2 Bde., Berl. 1820), «Gedichte aus den hinterlassenen Papieren eines reisenden Waldhornisten v (2 Bde., 1821—24; 2. Aufl. 1826), 4Lieder der Griecheno (5 Hefte, Dessau u. Lpz. 1821 — 24; neue Aufl., Ipz. 1844), eine übersetzung der neugriech. Volkslieder in der Faurielschen Sammlung (2 Bde., Lpz. 1825) und «Lyrische Spaziergänge (Lpz. 1827). Innigkeit und Wahrheit der Empfindung, Frische der Lebensansicht, freie Beweglichkeit der Darstellung, reger Natursinn, feuriges Gefühl für Recht und Völkerglück und dabei eine einfache, melodische Sprache charakterisieren M.s lyrische Dichtungen, welche vielfach, namentlich von Franz Schubert, lomponiert und auf diesem Wege ganz besonders verbreitet sind. Im Gebiete der Kritik und Litteraturgeschichte lieferte er außer zahlreichen Beiträgen für Zeitschriften und Encyklopädien, wie zur „Encyklopädie v von Ersch und Gruber, deren Redaction er 1826 mit übernommen hatte, die Homerische Vorschule » (Lpz. 1824; 2. Aufl., von Baumarten-Crusius, 1836), worin er für die Ideen Fr. Aug. Wolfs eintrat. Ein verdienstliches Unternehmen ist endlich noch die «Bibliothek deutscher Dichter des 17. Jahrh.»(10 Bdchn., Lpz.1822—27), die von K. Förster (Bd. 11—14, Lpz. 1828-38) fortgesetzt wurde. M.s Vermischte Schrifteno (5 Bdchn., Lpz. 1830) hat G. Schwab herausgegeben und mit einer Biographie Mis begleitet. Die Sammlung seiner „Gedichte (2 Bde., Lpz. 1837; 4. Aufl. 1858) gab sein Sohn Max Müller neu heraus (Lpz. 1869) und mit Illustrationen von Hailmair u. a. (2 Tle., Berl. 1874). In seiner Vaterstadt Dessau soll ihm an seinem hundertjährigen Geburtstage ein Denkmal errichtet werden.