FeedCastelli (Ignaz Friedr.)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Castelli (Ignaz Friedr.), österr. Dichter, geb. 6. März 1781 zu Wien, studierte auf der dortigen Universität die Rechte. Bereits als Student war er auf belletristischem Gebiete thätig und beschäftigte sich seit 1801 als Praktikant bei der niederösterr. landständischen Buchhaltung, deren Sekretär er später wurde, namentlich mit Bearbeitung franz. Stücke für die Bühne, von denen einige beifällig aufgenommen wurden. Wegen mehrerer Kriegs- und Wehrmannslieder, besonders wegen seines weitverbreiteten «Kriegslieds für die österr. Armees, wurde er 1809 von den Franzosen in die Acht erklärt. Seine 4«Schweizerfamilier (1811), von Weigl komponiert, veranlaßte den Fürsten Lobkowitz, C. als Hoftheaterdichter am Kärntnerthor anzu-D Im J. 1814 folgte er dem Grafen Cavriani, er zum Gouvernementsrat in dem von den Alliierten besetzten Teile Frankreichs ernannt war, als Sekretär über den Rhein. Mit dem Freiherrn von Münch-Bellinghausen, bei dem er gleichen Dienst versah, kehrte er sodann durch Oberitalien nach Wien zurück, wo er sich von nun an der Schriftstellerei widmete. Seit 1840 pensioniert, lebte er meist auf seinem Landsitze bei Lilienfeld, verkaufte denselben aber nach der Revolution und starb 5. Febr. 1862 zu Wien. C. war einer der populärsten österr. Dichter und ein Hauptrepräsentant des jovialen wiener Humors. Sein Talent reichte zwar keineswegs in die Tiefe, war jedoch ein vielseitiges und ungemein produktives. Er hat über 200 Theaterstücke teils selbst verfaßt, teils bearbeitet und Übersetzt. Auch gab er selbst mehrere Journale, darunter den Allgemeinen musikalischen Anzeiger» (1829 —40), und die Taschenbücher Selam » (7 Bde., Wien 1812—18) und Huldigung den Frauend (Opz. und Wien 1823 — 48) heraus. Seine Gedichte) (6 Bde., Berl. 1835) sprechen durch harmlosen Witz und gemütlichen Humor an. Besonders treten diese Eigenschaften in den (Gedichten in niederösterr. Mundarty (Wien 1828) hervor. Eine gelungene Travestie der Schicksalstragödien Müllners und Houwalds lieferte er in dem «Schicksalsstrumpfo Epz. 1818). In seinen letzten Lebensjahren gab er die „Memoiren meines Lebens » (4 Bde., Wien 1861 — 62) heraus. Eine Auswahl aus seinen Schriften hatte er schon vorher (16 Bde., Wien 1844—47; 3. Aufl., 22 Bde., 1861) veranstaltet. C. war ein eifriger Sammler; außer verschiedenen interessanten Kollektionen (namentlich Dosen) hinterließ er eine Bibliothek von 12000 Theaterstücken und eine Sammlung von Porträts bekannter Schauspieler und Theaterdichter.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 52Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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