Schiller-Stiftung (Deutsche) ist der Name einer Stiftung, welche sich, im Andenken an den großen nationalen Dichter Schiller, die Aufgabe stellt, solchen hilfsbedürftigen Schriftstellern und Schriftstellerinnen (sowie auch deren Hinterbliebe-Hr nen), «welche für die Nationallitteratur (mit Ausschluß der strengen Fachwissenschaften) verdienstlich gewirkt, vorzugsweise solchen, die sich dichterischer! Formen bedient habeno, Unterstützung zu gewähren. Die erste Anregung zu dieser Stiftung ging im April 1855 von dem Dichter Julius Hammer zu Dresden aus. Alsbald bildete sich daselbst ein Verein, welcher am 9. Mai desselben Jahres (dem 50. Jahrestage von Schillers Tode) einen darauf hin gerichteten Aufruf erließ, der allerorten warme Aufnahme fand. In den meisten größern Städten Deutschlands bildeten sich entweder Zweigstiftungen oder man sammelte für die dresdener S. Unter den Zweigstiftungen erlangte besonders die zu Weimar durch die Teilnahme des Großherzogs eine hervorragende Bedeutung. Die eigentliche Konstituierung der S. erfolgte durch die Generalversammlung vom 8. bis 10. Okt. 1859 zu Dresden, woselbst Weimar als Vorort für die fünf nächsten Jahre gewählt wurde. Im J. 1860 betrug das Gesamtvermögen der Stiftung bereits 70000 Thlr. Einen sehr bedeutenden Zuwachs erhielt dasselbe durch die 1859 vom Major Serre auf Maxen ins Leben gerufene und 1. Nov. 1860 zur Verlosung gelangte Nationallotterie („Schiller-Lotterieo), von deren Reinertrage (450000 Thlrn.) zwei Drittteile (300000 Thlr.) der S. überwiesen wurden, während ein Dritteil (150000 Thlr.) die Tiedge-Stiftung erhielt. Nach Serre nennt sich seitdem die dresdener Zweigstiftung: „«Serrescher Zweig der Schiller-Stiftung »5. Vgl. Ziegler, Zur Geschichte der Schiller-Lotterie (S. Aufl., Dresd. 1864). Die S. ist seitdem auf 24 Zweigstiftungen angewachsen: Baden (Mannheim, Karlsruhe, Heidelberg), Berlin, Breslau, Brünn, Danzi Darmstadt, Dresden, Frankfurt a. M., Graz, Haudurd, Hannover (Geschäftsort Nienburg)Köln, Königsberg, Leipzig, Linz, Lübeck, Mainz, München, Offenbach, Prag, Salzburg, Stuttgart, Weimar und Wien. Nach den Satzungen wird von diesen Zweigstiftungen alle fünf Jahre eine zum Vorort erwählt. Den ersten bildete Weimar 1859 —64, den zweiten Wien 1865—69, den dritten Weimar 1870—74, den vierten Dresden 1875— —79, den fünften Weimar 1880—84, den sechsten München seit 1885. Die Leitung des Ganzen liegt in den Händen eines auf je fünf Jahre erwählten Verwaltungsrats von sieben Mitgliedern. Das Vermögen der Stiftung, welches durch Hinzufügung eines Teils der Zinsen, sowie durch mannigfache Zuwendungen und Vermächtnisse in beständigem Steigen begriffen ist, belief sich nach der Tabelle für 1886 auf 1376116 Mark 16 Pf. und 98283 Fl. 68 Kr. österr. Währung. An Jahresbeiträgen lieferten die Zweigstiftungen an die Centralkasse 39630 Mark und 3331 Fl. österr. Währung. Die Summe, welche die S. 1885 an Spenden verwendete, betrug 50199 Mark 25 Pf., darunter 9650 Mark für lebenslängliche Pensionen. Nachdem 1869 das Prinzip der Offentlichkeit eingeführt worden ist, werden die Namen der Bedachten jährlich in drei Gruppen (lebenslängliche, transitierende und einmalige Unterstützungen) veröffentlicht.