Schlangen (Ophidia) bilden eine Ordnung der Reptilien oder Lurche und zeichnen sich durch einen langgestreckten, rundlichen Körper und den Mangel der Flossen oder Gliedmaßen, der Augenlider, des Brustbeins und des Trommelfells aus. Ihre Gestalt ist nur geringen Abänderungen unterworfen, die sich auf etwas bedeutendere Dicke, das Verhältnis des Schwanzes zum Körper und die Breite des Kopfes beschränken. Nur die Seeschlangen haben einen stark zusammengedrückten Körper und einen mit einem flossenartigen Hautsaume eingefaßten vertikalen Ruderschwanz, sodaß sie den Aalen sehr ähnlich sind. In der Größe ändern die S. bedeutend ab, sehr wenige und noch dazu selten werden bis 10 melang, manche kaum spannenlang, die meisten messen nicht über 2 mund bleiben nicht unter Im lang. Am Seelett ist keine Spur von Gliedern, also auch nicht von Schulterblatt und Becken vorhanden; nur wenige, wie die Riesenschlangen, besitzen zwei neben dem After vortretende, mit innern Knochen versehene Fußstummel, welche gewöhnlich als Afterspornen beeichnet werden. Die in sehr großer Anzahl, bei n Riesenschlangen bis zu 400 vorhandenen Wirbel sind auf eine so eigentümliche Art miteinander verbunden, daß die freieste Bewegung des ganzen Körpers stattfinden kann. Die Einteilung des Körpers in die gewöhnlichen Regionen ist nur hinsichtlich des Schwanzes möglich, der ohne Rippen und hinter der Afteröffnung beginnt. Hals, Brust und Leib sind nicht zu unterscheiden, da schon der zweite Wirbel ein Rippenpaar trägt. Das Zwerchfell fehlt und die zahlreichen Rippen, von denen jede mit ihrer Spitze an das entsprechende Schild der Bauchhäute mittels Knorpel und einiger Muskeln befestigt ist, umgeben die ganze Körperhöhle gleichmäßig. Ein solcher Knochenbau wird der Anheftung zahlreicher und gleichartiger Muskeln sehr günstig, und daher erklärt sich die Schnelligkeit und Kraft aller Bewegungen. Die gewöhnlichste dieser Bewegungen ist ein eigentliches Kriechen, bei welchem die sich abwechselnd gerade stellenden Rippen Stützpunkte abgeben und daher die Füße ersetzen. Die schlängelnden Windungen geschehen übrigens, vielleicht zwei bis drei Arten ausgenommen, horizontal abwechselnd nach rechts und links, nicht vertikal in erhabenen Bogen, wie man sie gewöhnlich abbildet. Viele S. können die vordere Hälfte des Körpers senkrecht erheben, aber nur wenige vermögen in dieser Stellung lange zu verharren, wie die ägypt. Brillenschlange, welche deshalb den alten Agyptern als Symbol der Wachsamkeit galt. In der Ruhe liegen sie meist spiralig zusammengerollt, und durch plötzliches Geradestrecken des zusammengerollten Körpers können viele eine Art von Sprung ausführen. Ihre gewaltige Muskelkraft beweist das Beispiel der Riesenschlangen oder Abgottschlangen (Boa constrictor, Tafel: Reptilien II, Fig. 8) und der Pythonschlangen, welche Antilopen und andere Tiere durch Umschnürung töten, indem sie ihnen die Rippen zerbrechen. Das Gehirn ist im Vergleich zu der großen Masse des Rückenmarks sehr klein und daher sind auch die Sinnesthätigkeiten gering. Die fast immer seitlich gestellten Augen haben keine Lider und sind mit einem zur äußern Haut gehörenden, durchscheinenden, kreisrunden Schilde bedeckt. Der Geruch ist sehr schwach; das Ohr von der allgemeinen Haut überzogen und innen ohne Trommelfell, daher auch der Gehörsinn stumpf. Die Zunge ist sehr lang, schmal und zweispaltig, kann weit hervorgestreckt und mit auffallender Schnelligkeit vibrierend hin und her bewegt werden, ist Tastwerkzeug, aber zum