Seehunde, Rob⅛ben, Phoken oder Flossenfüßer (Pinnipedia) heißen meerbewohnende Säugetiere mit zu Flossen umgestalteten vier Extremitäten. Die Ordnung zerfällt in zwei durch ihre Bezahnung sehr verschiedene Gruppen, die Walrosse (s. d., z. B. Trichechus rosmarus, Tafel: Seesäugetiere, Fig. 1, und Schädel, Fig. 2) und die eigentlichen Seehunde (Phocina). Der Körper der letztern ist gestreckt, nach hinten verdünnt, sischförmig, meist mit kurzen und anliegen⸗[ den Haaren bedeckt und gewöhnlich grau, feltener schwarz, braun oder rotgelb, zuweilen scheckig. Das vordere Fußpaar ist kurz, einem Schaufelruder ähnlich, und nur die eigentliche Pfote steht frei. vom Körper ab, während der übrige Teil des Vorderfußes von der Körperhaut umschlossen wird. Das hintere Fußpaar ist ebenfalls sehr kurz, nach hinten gerichtet und bis zur Fußwurzel von der Körperhaut vereinigt und 1 und stellt ein breites Ruder dar. Zwischen ihm liegt der sehr kurze Schwanz. Die Zehen, welche Krallen tragen, sind sämtlich durch Schwimmhäute verbunden. Der Kopf ist meist rundlich. Die kurzen Kiefer sind mit kleinen scharfen Schneidezähnen, wenig vorragenden Eckzähnen und einförmigen Backzähnen mit spitzkegeligen oder lappigen Kronen bewaffnet. Die Nasenlöcher lassen sich durch eine Art von Klappen willkürlich schließen, und der Gehörgang ist gleichfalls durch eine Hautfalte wie mit einer Klappe beim Untertauchen verschließbar. Die mit einer Nickhaut versehenen, meist großen Augen haben einen ungemein klugen, menschenähnlichen Ausdruck. Besondere Einrichtungen der Blutcirkulationsorgane erleichtern das längere Verweilen unter Wasser und die Unterbrechung der Atmung. Hauptsächlich 4— sich die S. von Fischen, zum Teil auch von Weichtieren und Krebsen, können außer dem Wasser sich nur langsam und schwerfällig bewegen, schwimmen sehr schnell und geschickt, tauchen vortrefflich und gefallen sich, auf Felsen und Eisschollen Luft und Licht zu genießen. Untereinander leben sie in Geselligkeit und Einigkeit; nur die Männchen liefern sich zur Zeit der Fortpflanzung wütende Gefechte. Die Weibchen haben am Unterleibe vier Zitzen und werfen in der Regel ein Junges. Sie zeigen viel Intelligenz und erweisen sich in der Gefangenschaft sehr zähmbar, gelehrig und dankbar. Mancherlei Fabeln sind früher über sie in Umlauf gekommen; so z. B. haben sie Veranlassung zur Aufstellung der Sirenen und Tritonen der klassischen Vorzeit und der Seemönche und der Seejungfrauen des Mittelalters gegeben. Den armen arktischen Eingeborenen liefern sie das wesentlichste Nahrungsmittel, sowie Kleidung und Bedachung ihrer Wohnung. Den Europäern nützen sie durch ihre Häute (s. Robbenfelle), das Wollenhaar der Jungen und durch den Thran (Seehundsthran), der den Eskimos ein angenehmes Getränk ist. Deshalb wird auch der Seehundsfang in den nördl. und südl. Polarmeeren durch zahlreiche, meist nordische Schiffe betrieben. Die S. besitzen zwar viel Lebenszähigkeit; doch tötet sie ein starker Schlag auf die Nase sofort. Die Verbreitung der S. reicht fast über den ganzen Erdkreis; nur Afrika besitzt keine eigentümliche Art. Andere und zahlreichere Arten bewohnen die Meere der nördl. Halbkugel als diejenigen der südlichen. Hauptsächlich unterscheidet man die Seehunde (Phocida), welche keine äußere Ohrmuschel besitzen, und die Ohrenrobben (Otarida), die sich durch das Vorhandensein einer äußern Ohrmuschel auszeichnen; letztere kommen nur südlich von dem Aquator vor. In allen Meeren der nördl. Halbkugel, von den deutschen Küsten bis Spitzbergen und weiter lebt der gemeine Seehund, oder die gemeine Robbe, oder das Meerkalb Phoca vitulina, Fig. 3 und Schädel, Fig. 4) häufig. Er wird höchstens 1,5 m lang, ist auf dem Rücken dunkel graulichgrün, unregelmäßig schwarz gefleckt und am Bauche gelblichweiß. In der Gefangenschaft ist er abrichtbarer und zutraulicher gegen seinen Wärter als alle andern Tiere, vielleicht einige Affen ausgenommen. Sein Gehörsinn kann sogar von musikalischen Tönen angenehm berührt werden, was bei weiter keinem andern Säugetiere gefunden wird. Die größte unter den in den europ. Meeren vorkommenden Arten ist der graue Seehund oder die graue Robbe (Ph. Grypus), der an den Küsten Schottlands und Irlands lebt, gegen m lang wird und stark und ungemein wild ist. Für die Grönländer ist der grönländische Seehund (Ph. Groenlandica) oder die grönländische Robbe von großer Wichtigkeit. Fleisch und Thran dieses 2m langen Tiers machen einen Hauptteil der Nahrung dieses Volks aus, und die thranigen Reste dienen im langen Winter zur Unterhaltung der Feuerung und des Lichts, die Felle zu wasserdichten Kleidern, Zeltdecken und Überzügen der Kähne, die Sehnen zu Zwirn, die Gedärme zu Segeln und Fenstern, und die Knochen liefern allerlei nützliche Werkzeuge. Nicht selten in Grönland ist auch die Mützenrobbe (Cystophora cristata), deren Männchen sich durch den sonderbaren, einer Kapuze ähnlichen Hautlappen des Vorderkopfs auszeichnen. Die Rüsselrobbe (C. proboscidea, Fig. 5), auch See⸗-Elefant und Löwenrobbe genannt, welche den Australocean der östl. und westl. Halbkugel von 35—55 südl. Breite bewohnt, erreicht eine Länge vor 8 m und liefert eine erstaunliche Menge von Thran (bisweilen an 24 Etr.), der sehr klar ist und hauptsächlich den sog. Südseethran darstellt. Zur Gattung Ohrenrobbe (Otarida) gehört die Bärenrobbe oder der Seebär (O. ursina), deren dickwolliger Pelz den Kamtschadalen und benachbarten Völkern Winterkleider liefert, und die gemähnte Ohrenrobbe oder der Seelöwe (O. jubata), welche Magellansland, die Falklandsinseln und vielleicht auch die südlicher gelegenen Archipele bewohnt und kurze, rotgelbe Haare hat. Seeigel (Echinoidea), eine Ordnung aus der Klasse der Stachelhäuter von kugeliger, herzförmiger oder platter Scheibengestalt. Die Kalktafeln, welche die äußere Umhüllung bilden, sind zu einer unbeweglichen Schale verbunden, welche offnungen für den Mund, den After, die Geschlechtsteile, die Augen und die Saugfüßchen besitzen. Der Mund befindet sich stets auf der untern Fläche, meistens central und ist bald mit bedeutendem Zahnapparat versehen (die Laterne des Aristoteles benannt), bald unbewaffnet. Der After steht häufig central auf der obern Fläche, oft aber auch hinten und selbst unten. Auf den Kalktafeln des Körpers stehen außen Stacheln, meist auf runden Knöpfchen nach allen Seiten beweglich, die zuweilen eine bedeutende Größe erreichen, sodaß die Tiere wie auf Stelzen darauf kriechen, zuweilen nur haarförmig sind. Die Punktöffnungen, durch welche die zahlreichen Saugfüßchen nach außen treten, bilden bald fünf einfache oder geschlängelte, vom Gipfel nach dem Munde laufende Linien, bald eine fünfblätterige Rosette. Die S. können mittels dieser Füßchen, die sich ansaugen, selbst an senkrechten Glaswänden hinaufklettern. Man unterscheidet mehrere Familien, worunter besonders die kugeligen eigentlichen S. (Echinus, z. B. E. saxatilis, s. Tafel: Aquarium, Fig. 15) und die herzförmigen symmetrischen Herzigel (Spatangus) bemerkenswert sind. Zur Laichzeit im Frühjahr ißt man die eine fünfblätterige Traube bildenden, meist orangegelb oder hochrot gefärbten Geschlechtsteile, die von manchen den Austern vorgezogen werden.