FeedSchleicher (Aug.)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Schleicher (Aug.), ausgezeichneter Sprachforscher, geb. in Meiningen 19. Febr. 1821, erhielt seine Gymnasialbildung in Coburg, studierte seit 1840 erst in Leipzig, dann in Tübingen Theologie, beschäftigte sich aber an letzterer Universität namentlich unter Ewalds Leitung mit Sanskrit und orient. Studien und studierte seit 1843 zu Bonn neben allgemeinerer Sprachwissenschaft wesentlich klassische Philologie unter Ritschls Leitung. In Bonn habilitierte er sich 1846 für vergleichende Sprachwissenschaft. Die Bewegungen der J. 1848 und 1849 führten ihn als Korrespondenten deutscher Zeitungen nach Osterreich, wo er 1850 zum außerord. Professor der Philologie in Prag ernannt wurde. Dort begann er das eingehende Studium der slaw. Sprachen, die nebst dem Litauischen der Mittelpunkt seiner Thätigkeit wurden. Mit Unterstützung der wiener Akademie unternahm S. 1857 eine Reise nach dem preuß. Litauen, und konnte so zum ersten mal eine wissenschaftliche Darstellung dieser für die indogerman. Sprachwissenschaft höchst bedeutsamen Sprache geben. Ostern 1857 folgte S. einem Rufe als Honorarprofessor der Sprachwissenschaft und altdeutschen Philologie an die Universität Jena, wo er 6. Dez. 1868 starb. Seinem ersten sprachwissenschaftlichen Buche Zur vergleichenden Sprachengeschichteß (Bonn 1848) folgte als ein zweiter Teil eine vortreffliche systematische übersicht über „Die Sprachen Europasv (Bonn 1850). Sein Hauptwerk ist das (Kompendium der vergleichenden Grammatik der indogerman. Spracheno (Weim. 1862; 4. Aufl. 1876). Eine Ergänzung des (Kompendiumsv bildet die von S. im Verein mit Ebel, J. Schmidt und Leskien herausgegebene Indogerman. Chrestomathies (Weim. 1869). Kleinere Schriften zur allgemeinern Sprachwissenschaft sind: Zur Morphologie der Spracher (Petersb. 1859), Die Darwinsche Theorie und die Sprachwissenschafte (Weim. 1863; 3. Aufl. 1873), „Die Unterscheidung von Nomen und Verbum in der lautlichen Form » (Opz. 1865). Das Gebiet des Slawischen und Litauischen behandeln: die „Formenlehre der kirchenslaw. Sprache, erklärend und vergleichend dargestellto (Bonn 1853) und das «Handbuch der litauischen Sprachev (Bd. 1: „Litauische Grammatik), Prag 1856; Bd. 2: „Litauisches Lesebuch und Glossarv, 1867). Auch erschienen eine ins Deutsche übertragene Sammlung „Litauische Märchen, Sprichworte, Rätsel und Lieder» (Weim. 1857) und eine Ausgabe von 4Christian Donaleitis' litauischen Dichtungen »(mit Glossar, Petersb. 1865). Sein Werk „Die deutsche Sprachev (Stuttg. 1860; 3. Aufl. 1874) ist eine populäre Darstellung der Entwickelung des Deutschen mit vortrefflicher sprachwissenschaftlicher Einleitung; die genaue Darstellung eines Dialekts enthält „Volkstümliches aus Sonnebergo (Weim. 1858). Nach seinem Tode erschienen KLaut- und Formenlehre der polabischen Spracher (Petersb. 1871). Vgl. August S.y in (Unsere Zeit Gaeg. 1869, 1. Hälfte) und Beiträge zur vergleichenden Sprachforschungo (Bd. 6, Berl 1869). Lefmanns Biographie «August S.v (Opz. 1870) enthält viele Unrichtigkeiten. Schleichhaudel oder Schmuggelhandel, Schmuggel (frz. contrebande), heißt der die Zoll- und Verbrauchsabgaben umgehende Warenverkehr. Der Anreiz zu einem solchen gesetzwidrigen Handel entsteht immer, wenn in einem Lande viel begehrte Waren mit hohen Schutz- oder Finanzzöllen belegt oder von der Einfuhr gesetzlich ganz ausgeschlossen sind. Der S. nach Frankreich und England z. B. war daher unter dem frühern Zollsystem dieser Länder förmlich organisiert. In manchen Grenzorten gab es reichliche Warenlager, welche die Versorgung des Nachbarstaats im Wege des S. bezweckten, ja es bildeten sich in der Nähe einiger Grenzen sogar förmliche geheime Assekuranzgesellschaften, welche die Versicherung von Schmuggelwaren gegen Prämien von 30 bis 40 Proz. des Wertes übernahmen und im Fall ihrer Konfiskation Entschädigung gewährten. So nahm der S. in manchen Gegenden und namentlich auch in den Küstenstrichen eine großartige Ausbreitung an. Oft vereinigten sich die eigentlichen Schmuggler oder Contrebandiers, d. h. diejenigen Personen, welche den Transport der Schmuggelgüter besorgen, zu förmlichen, sogar gutbewaffneten Banden. Schon oft hat der S. die Bevölkerung ganzer Bezirke tief entartet. Auch die Zollbeamten entgehen dabei der Demoralisation nicht. Diese sind, je höher die Zölle stehen, desto mehr den Bestechungen ausgesetzt, und wenn ihre Regierungen sie durch hohe Prämien für Beschlagnahmen von Schmugglerwaren zu größerm Eifer anzustacheln suchen, so wird damit, wie 15 an der russ. Grenze gegen Preußen hin gezeigt hat, oft nichts anderes erreicht, als daß die Zollbeamten im Einverständnis mit den Schmugglern zu diesem Zwecke aufgesammelte, ganz unbrauchbare Waren mit Beschlag belegen. Die völlige Ausrottung des S. ist überall da unmöglich, wo die Ursache seines Entstehens fortdauert; sie kann erst mit der Herabsetzung der Zölle eintreten. Diese ist in den europ. Skaaten mit Ausnahme Rußlands in der neuern Zeit bei den meisten Waren so weit erfolgt, daß der Reiz zum S. ziemlich verschwunden ist. Nur rücksichtlich derjenigen Waren, welche mit eigentlichen Finanzzöllen und mit innern Verbrauchssteuern belastet sind, bleibt er vielfach noch lohnend. Als Mittel zur Bekämpfung und Beschränkung des S. dienen gute Organisation der Grenzbewachung, Arrondierung des Zollgebietes bei zerrissenen Zollgrenzen, Einigung mit zollverbündeten Nachbarn, welche z. B. auch die jenseitigen Beamten zur Verhinderung des S. verpflichtet, Beaufsichtigung und Beschäftigung solcher Personen, die des Schmuggels verdächtig sind, genügende Besoldung der Zollwächter.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 381Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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