Epikür (grch. Epikuros), griech. Philosoph, geb. zu Gargettos bei Athen 341 v. Chr., erhielt seinen ersten Unterricht beim Platoniker Pamphilos auf Samos. Später hat er eifrig des Demokrit Schriften studiert und dessen Anhänger Nausiphanes gehört. In Mitylene und Lampsakos trat er als Lehrer auf, ging wieder nach Athen zurück und eröffnete in seinem 36. Jahre eine Schule in einem Garten zu Athen, den er später seinen Schülern erblich überließ, weshalb auch die Schule des E. die Horti Epicurei hieß. Die Philosophie war ihm das Bestreben, die Glückseligkeit durch überlegung zu sichern, und deshalb ordnete er die Logik, die er Kanonik nannte, und die Physik der Ethik unter. Diese selbst war ihm die Lehre vom glücklichen Leben. Das letzte Ziel des Lebens war ihm Genuß in Ruhe, ein beharrlicher und ungestörter Zustand der Schmerzlosigkeit des Gemüts, und hierin unterschied er sich von Aristipp (s. d.), der für das höchste Gut die wenn auch nur momentane Lust in Aktion erklärt hatte. Was zu jenem Zwecke führt, ist Tugend; nichts hat an sich, sondern alles nur in Beziehung auf jenen Zweck einen Wert, und in diesem Sinne zog E. das geistige Vergnügen dem sinnlichen vor, weil es beharrlicher sei, schätzte die Freundschaft, Friedfertigkeit, Mäßigkeit, Nachsicht, war standhaft in Schmerzen u. s. w. Jene schmerzlose Gemütsruhe wird aber hauptsächlich durch unsere eigenen Gedanken gestört, und zu diesen gehört namentlich der Glaube an eine absolute Gesetzmäßigkeit der Natur, an eine Einwirkung der Götter auf menschliche Schicksale und an die Unsterblichkeit. Dem störenden Einflusse dieser Gedanken soll nun die Erforschung der Natur (die Physik) entgegenarbeiten, und zu diesem Zwecke erneuerte E. den Atomismus des Demokrit (s. d.). Von dem Grundsatz ausgehend, daß alles Zusammengesetzte einfache Bestandteile voraussetze, nahm er zwei ewige Grundursachen an, die Atome (s. d.) als unteilbare und vielfach gestaltete Körper, und den leeren Raum. Auch die Seele ist nach in aus Atomen zusammengesetzt und sterblich. Dieser Materialismus erscheint bei E. in Verbindung mit einem auf den Sophisten Protagoras zurückweisenden Sensualismus: das ursprüngliche Kennzeichen der Wahrheit war ihm die Empfindung und Wahrnehmung, welche durch Bilder entspringt, die durch die Ausflüsse der Gegenstände bewirkt werden, aus der sich dann die allgemeinen Vorstellungen bilden, durch welche man vorbedenkend das Zukünftige anticipiert. Die Götter, meinte er, lebten in ewiger Ruhe in den leeren Zwischenräumen zwischen den Weltkörpern (Metakosmien, intermundia bei Cicero) unbekümmert um die Welt. E. starb 270 v. Chr. in Athen. ö Das System E.s fand später in Rom viel Anhänger, unter denen Lucretius (s. d.) der bedeutendste ist. Unter E.s Anhängern sind besonders Lampfuens. sein intimer Freund Metrodorus von ampsacus, Hermachus aus Mitylene, sein Nachfolger im Lehramt, Polystratus, Dionysius, Basilides, Apollodorus, der Verfasser von 400 ulorer dessen Schüler Zeno von Sidon, dessen Zuhörer Philodemus, Diogenes von Tarsus, Phädrus, ein Zeitgenosse Ciceros. Seine Schüler feierten noch lange nach seinem Tode seinen Geburtstag und vereinigten sich am 20. jeden Monats in dem von ihm ererbten Garten zu einem Symposion. Doch entfernten sich seine Schüler später häufig von seiner persönlichen Mäßigkeit. Von Ers vielen Schriften ist nur wenig übriggeblieben. Zwei Briefe von ihm wurden von Schneider (Lpz. 1813) herausgegeben. Fragmente einer Schrift über die Natur sind bei den Nachforschungen zu Herculanum aufgefunden und zuerst in Herculanensium voluminum quae supersunto (Bd. 2 Neap. 1809), dann von Orelli (Lpz. 1818) heraus gegeben. Weiteres erschien in der obigen Sammlung (Bd. 10, Neap. 1850) und dann in der Herculanensium voluminum collectio alteras (Tl. 1, Neap. 1866). Sonst kennt man seine Philosophie nur aus den Lehrsätzen, welche Diogenes (s. d.) von Laêrte aufbewahrt hat, aus dem Gedicht des Luerez und den Nachrichten, die uns Cicero, Plinius u. a. davon aufbehalten haben. Mit Beziehung auf den eudämonistischen Charakter der epikureischen Sittenlehre nennt man im gewöhnlichen Leben einen Menschen, der dem Sinnengenuß, besonders dem feinern huldigt, einen Epikureer. Mit dieser bei den Römern unter der Kaiserzeit eingerissenen verweichlichten Sinnesart hängt es zusammen, daß während derselben unter allen Philosophenschulen die epikureische die größte Ausbreitung erlangt hatte. Mit dem Beginn der neuern Philosophie wurde die epikureische Philosophie namentlich in 5.7 physik. Teile als Atomismus von Gassendi (. d., De vita moribus et doctrina E.„, Leid. 1647) erneuert und für die Entwickelung der Naturphilosophie des 17. und 18. Jahrh. außerordentlich wichtig. Vgl. Lange, Geschichte des Materialismuso (3. Aufl., Iserl. 1876).