FeedMüller (Friedr.)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Müller (Friedr.), ausgezeichneter Sprachforscher, Vertreter der linguistischen Ethnographie, geb. 5. März 1834 zu Jemnik im nordwestl. Böhmen, besuchte die Gymnasien zu Znaim in Mähren und Wien und widmete sich dann philol. Studien. Im J. 1858 erhielt er eine Anstellung an der Universitätsbibliothek in Wien, die er 1861 mit einer ähnlichen an der kaiserl. Hofbibliothek vertauschte. Wegen geschwächter Sehkraft trat er im J. 1884 von dieser Stelle zurück. Nachdem er sich 1860 an der wiener Universität als Privatdocent habilitiert hatte, wurde er 1866 zum außerord. und 1869 zum ord. Professor für die vergleichende Sprachwissenschaft und das Sanskrit ernannt. Er wurde 1868 zum korrespondierenden, 1869 zum wirklichen Mitgliede der kaiserl. Akademie der Wissenschaften gewählt. Seine schriftstellerische Thätigkeit erstreckt sich vor allem auf die Gebiete der vergleichenden Sprachkunde und der Ethnographie. In das erstere Gebiet fallen zahlreiche Abhandlungen, die in den „Sitzungsberichten der kaiserl. Akademieß und in verschiedenen Fachzeitschriften abgedruckt, meist aber auch in Separatausgaben erschienen sind und von denen die auf iranische Sprachen bezüglichen Vorarbeiten zu einer vergleichenden Grammatik der iranischen Sprachen bilden. Seine eigentlichen Hauptwerke in linguistischer Beziehung sind der Linguistische Teilo der Reise der österr. Fregatte Novara⸗ (Wien 1867) und der Grundriß der Sprachwissenschaft² (3 Bde. in 6 Abteil., Wien 1876—85), der nebst einer Einleitung in die Sprachwissenschaft eine Darstellung sämtlicher Sprachstämme der Erde umfaßt. Ins Gebiet der wand. Aulhrs gehören: „Reise der österr. Fregatte Novara. Anthropol. Teilo (Wien 1869), die Allgemeine Ethnographien (Wien 1873) und der »Ethnologische Atlaso (Wien 1884fg.).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 915Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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