Schmiermittel (frz.graisse, oing; engl. grease, smear, ungment), im allgemeinen ölige oder fettige Substanzen in dünnflüssigem, dickflüssigem oder festem Zustand, welche dazu dienen, den bei der Bewegung der Maschinen, auch der Wagen, Uhren u. s. w. durch die Reibung bedingten Kraftverlust zu verringern, sowie der durch dieselbe bewirkten Erhitzung und Zerstörung der bewegten Teile vorzubeugen. Diese Wirkung wird erreicht, indem man die S. zwischen die sich reibenden Flächen bringt, wo sie vermöge ihrer Eigenschaft, die Poren der Körper zu verstopfen, die kleinsten Unebenheiten ausgleichen. Als S. werden vegetabilische, animalische und mineralische Stoffe verwendet. Von den erstern (s. Fette und Ol) ist besonders das Rüböl zu nennen, das im rohen Zustand eine bedeutende Schmierfähigkeit besitzt, ziemlich säurefrei, aber durch einen beträchtlichen Gehalt von Pflanzenschleim zum Verharzen geneigt ist. Dagegen ist raffiniertes Rüböl säurehaltig und greift daher die metallischen Flächen an. Olivenöl oder Baumöl besitzt zwar eine noch größere Schmierfähigkeit als Rüböl, ist jedoch unvermischt zu kostspielig. Raffiniertes Mandelöl ist ein vorzügliches S. für feine mechan. Instrumente, Uhren u. s. w. Unter den animalischen Hlen nimmt das aus frischen Knochen gewonnene Klauenfett (s. unter Knochen) als S. die erste Stelle ein; nur verbietet der hohe Preis die Anwendung desselben in reinem Zustand für größere Maschinen, während das aus alten Knochen gewonnene Knochenfett leicht verharzt und stark säurehaltig ist. Unter dem Namen Klauenfett ist auch eine gute Sorte Pferdefett in Gebrauch, deren Preis geringer ist. In Amerika wird vielfach ein ganz heller Fischthran verwendet. Zunehmende Verwendung findet schon jetzt das erst in neuester Zeit bekannt gewordene, aus Wollschweiß (s. Wolle) gewonnene, als S. vorzüglich geeignete Lanolin. Die größte Verbreitung haben neuerdings die mineralischen S. gefunden. Es sind dies schwere, zum Brennen nicht verwendbare Petroleumsorten, sowie Rückstände, die sich bei der Rektifikation des Petroleums und bei der Paraffinfabrikation (s. Petroleum und Paraffin) ergeben, unter denen das sog. Vulkanöl oder Phönixöl und, als das beste derartige S., das Vaselin (s. d.) am meisten bekannt sind. Häufig werden auch Fette animalischen und vegetabilischen Ursprungs, mit Mineralölen gemischt, als S. gebraucht. Dickflüssige S. sind hauptsächlich da in Anwendung, wo die sich reibenden Flächen unter so hohem Druck stehen, daß dünnflüssige Ole gänzlich herausgepreßt werden würden; sie bestehen meist aus einem Gemisch von Talg mit verseiftem Baumöl oder Rüböl. Die gebräuchlichsten S. unter den festen Fetten sind Talg und Palmöl, von denen ersteres sowohl in rohem als in ausgelassenem Zustand Verwendung findet. Zum Schmieren von Wellen eignen sich diese Fette meist nicht, weil sie erst dann zur Wirkung gelangen, wenn die Welle sich so warm gelaufen hat, daß ein Schmelzen des festen Materials eintritt. Den fettigen Olen gegenüber haben die Mineralöle, abgesehen von ihrer Wohlfeilheit, bei gleicher Schmierfähigkeit den Vorzug der Unveränderlichkeit. Dieselben verharzen nicht, und während die fettigen Sle schon bei einer dem Gefrierpunkt des Wassers nahe liegenden Temperatur erstarren, werden sie in der größten Winterkälte höchstens dickflüssig, wie sie andererseits auch bei hohen Temperaturen ohne Gefahr der Verdampfung zu verwenden sind, da sie erst bei etwa 250* C. Dampfbildung zeigen. Ein wichtiger Vorzug der mineralischen S. vor den animalischen und vegetabilischen besteht ferner darin, daß sie nicht die Bildung von Fettsäure zulassen, durch welche die metallischen Flächen angegriffen werden. Dabei sind die mineralischen S. von so verschiedener Konsistenz herstellbar, daß sie für alle Arten von Maschinen mit gleichem Vorteil verwendet werden können. über die Art, wie die S. den zu schmierenden Maschinenteilen zugeführt werden, s. Schmierapparate. Die Fabrikation von S., namentlich für den Eisenbahn- und Maschinenbetrieb, hat in neuerer Zeit großartige Verhältnisse angenommen. Für hohe Temperaturen verwendet man statt der eigentlichen S. auch leicht schmelzbare Legierungen oder Mischungen von Graphit mit Paraffin, Blei- und Zinkpulver u. s. w. (Vgl. Antifriktionsmetall, Karbonstifte, Metallin.)