FeedSchneeberg
ErdkundeBrockhaus 1882

Schneeberg, Bergstadt in der sächs. Kreishauptmannschaft Zwickau, 4 km von der Mulde und an der Zweigbahn Niederschlema-S.⸗Neustädtel der Sächsischen Staatsbahn (Linie Zwickau-Schwarzenberg), ist Sitz eines Amtsgerichts, sowie einer Superintendentur und des Klöppelschulinspektors, und zählt (1885) 8018 E. Die Hauptkirche, eine der schönsten im Erzgebirge und eine der größten in Sachsen, bewahrt einige Gemälde von Lukas Cranach. S. besitzt ein Seminar, eine Realschule, eine königl. Zeichenschule, eine Handelsschule, eine Klöppelschule und eine Bildungsanstalt für Klöppelschullehrerinnen, ferner ein Hospital und ein Rettungshaus (Amalienstift) für Mädchen und Knaben. (Privatanstalt). Die wichtigste Erwerbsquelle für die Bewohner, welche früher der Bergbau bildete, ist gegenwärtig die Maschinenstickerei. Der weibliche Teil der Bevölkerung verfertigt Spitzen, Blonden, Stickereien und Weißnähereien. Hervorzuheben ist die Puppenfabrik von Nöckler u. Tittel, die Tüllfabrik von Gebrüder Lehm (lerste und einzige in Deutschland), die Korsettfabrik von Heinrich Hoffmann, die Buntpapierfabrik von Wilisch und die Fabrik für Chemikalien und Farben, die von Geitner, dem Erfinder des Argentans, begründet wurde. Der Handel erstreckt sich vorzugsweise auf Spitzen⸗, Weiß⸗ und Nähwaren. Der nahe Gleßberg (mit hölzernem Turm) gewährt eine schöne Rundsicht. Etwa 4 km von der Stadt liegt der Filzteich (s. d.). S. ist Sitz des Gesamtvorstandes vom Erzgebirgsverein, dessen Aufgabe die Hebung des Touristenverkehrs und wissenschaftliche Erforschung des Erzgebirges ist. Die Stadt verdankt ihr Dasein dem Bergbau. Die erste sichere Kunde ihrer Entstehung knüpft sich an den 6. Febr. 1471, an welchem Tage die Zeche St. Georg erschürft wurde, die in der ersten Zeit außerordentlich reiche Ausbeute gewährte. Silber, dann Kobalt, Wismut und Nickel, Eisen⸗ und Braunstein sind die Haupterzeugnisse der Umgebungen. Die bedeutendsten Zechen befinden sich auf dem Gebiete des benachbarten Städtchens Neustädtel (s. d.); zwischen Aue und Lauter ist die Weiß-Erde-Zeche, woher die erste Porzellanerde nach Meißen kam, jetzt abgebaut. Der sog. Schneeberger Schnupftabak, aus aromatischen Kräutern bereitet, wird außerdem noch zu Bockau verfertigt. Als echte Sorte gilt der grüne Schnupftabak, welcher in der Apotheke zu S. selbst hergestellt und in kleinen Holzschachteln verkauft wird. Schneeberger (Helene), Schauspielerin, s. Hartmann (Helene).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 442Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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