FeedSchneedruck
PflanzenreichBrockhaus 1882

Schneedruck und Schneebruch nennt man die Beschädigung der Bäume durch die Schwere großer, bei ruhiger, milder Winterwitterung fallender, wässeriger Schneemassen, welche sich leicht an die Bäume anhängen. Bleibt die Witterung mild, so werden diese niedergedrückt, oft auch mit den Wurzeln aus dem nicht gefrorenen Boden gehoben und vollständig umgedrückt (Schneedruck); tritt Frost ein, so zerbrechen die Stämme leichter (Schneebruch). Am meisten sind durch Schneedruck die wintergrünen Bäume gefährdet, vorzugsweise die Kiefern im Gebirge, junge Fichtenbestände, namentlich wenn sie zu dicht erwachsen sind. Laubhölzer leiden im allgemeinen (mit Ausnahme der Robinien) weniger vom Schneedruck, doch kann ein ungünstiger Sommer, welcher die Belaubung nicht ausreifen und später als im Oktober abfallen läßt, bei zeitigem Schneefall große Gefahr bringen. Besonders gefährlich wird der Schnee, wenn gleichzeitig Duftanhang (Rauhreif) oder Eisanhang eintreten oder vorausgehen. Ersterer ist ein Anhang von Eisnadeln oder Eisschuppen, welche sich im Winter bei sinkender Temperatur an Bäumen, auch am Boden ansetzen. Eisanhang erfolgt bei Umschlag kalter Witterung zu höherer Temperatur; wenn nach längerer Kälte ein milder feuchter West⸗ oder Südwind weht, schlägt sich auf allen kalten Gegenständen, so auch auf den Bäumen, eine Eiskruste nieder, diese kann besonders dann sehr dick und Gefahr bringend werden, wenn ein 0 oder unter 0 haltender Regen hinzutritt. Duft- und Eisbruch können auch allein, ohne Schnee sehr verderbich wirken. Vorzugsweise in den mitteleurop. Gebirgswaldungen hat der Schneebruch teils allein, teils in Verbindung mit Anhang oft schon großartige Verheerungen gebracht. Erziehung der Bestände in weiterm Verband, rechtzeitige und öftere Durchforstungen zu dichter Bestände sind forstliche Hilfsmittel, welche das übel mildern, aber nicht ganz beseitigen können. Wie sehr auch Einzelbäume unter Schneebruch und Anhang leiden, sieht man an den ihrer Wipfel meist beraubten, knorrigen und krüppeligen Bäumen in jenen höhern Regionen unserer Gebirge, wo der Wald allmählich verschwindet.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 442Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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