FeedSchulze (Friedr. Gottlob)
Sagen & MythenBrockhaus 1882

Schulze (Friedr. Gottlob), deutscher Nationalökonom und Lehrer der Landwirtschaft, geb. 28. Jan. 1795 auf dem väterlichen Gute Gävernitz bei Meißen, studierte zu Leipzig und Jena und widmete sich dann auf den Gütern seines Vaters der praktischen Landwirtschaft. Er wurde 1817 zum Oberverwalter der weimar. Kammergüter Tiefurt, Oberweimar und Lützendorf berufen und habilitierte sich später zu Jena, wo er 1821 eine außerord., in der Folge eine ord. Professur erhielt. Zur Ausbildung angehender Landwirte und Kameralisten gründete er 1826 ein Institut, das auf die Entwickelung der Landwirtschaft in Deutschland lange Zeit sehr einflußreich wirkte. Während Thaer die Landwirtschaft wesentlich nur von der naturwissenschaftlichen Seite aufgefaßt hatte, strebte S. auch deren Begründung durch die Nationalökonomie an und stellte neben die speziellen Lehren des Ackerbaues und der Tierzucht einen auf nationalökonomischen Grundsätzen beruhenden allgemeinen Teil. Die Grundgedanken seiner Anschauung entwickelte er in der Schrift Küber Wesen und Studium der Wirtschafts- und Kameralwissenschaftend (Jena 1826). S. war der erste, welcher eine landwirtschaftliche Lehranstalt organisch mit einer Universität in Verbindung setzte. Nachdem S. 1834 die landwirtschaftliche Akademie Eldena bei Greifswald eingerichtet hatte, kehrte er 1839 nach Jena zurück, wo er für die Zwecke des praktischen Unterrichts 1842 die großherzogl. Kammergüter Zwätzen und Lehesten pachtete. Die als Musteranstalt zur Ausbildung von Bauersöhnen geltende Ackerbauschule in Zwätzen bei Jena verdankt S. ihre Entstehung. S. starb 3. Juli 1860 in Jena. Im J. 1867 wurde S. zu Jena ein von Drake modelliertes Denkmal gesetzt. Unter S.s Schriften sind hervorzuheben: «Lehrbuch der Nationalökonomie, besonders für Land⸗, Forst⸗ und Staatswirtes (Jena 1856) und Lehrbuch der allgemeinen Landwirtschafte (herausg. von Emminghaus und Graf Armin zur Lippe, Jena 1863). Eine Reihe wertvoller Aufsätze enthalten auch die von ihm 1841 —53 herausgegebenen «Deutschen Blätter für Landwirtschafto. Vgl. Birnbaum, (Friedrich Gottlob S. als Reformator der Landwirtschaftslehrer (Frankf. 1860). 5. (Gottlob Ernst), skeptischer Philosoph, geb. 23. Aug. 1761 zu Heldrungen in Thüringen, wurde, nachdem er in Wittenberg seine Studien vollendet, Diakonus an der Schloß- und Universitätskirche daselbst und Adjunkt der philos. Fakultät, 1788 ord. Professor der Philosophie in Helmstedt und nach Aufhebung der dortigen Universität 1810 in Göttingen, wo er 14. Jan. 1833 starb. In seinen frühern Lebensjahren beschäftigte er sich vorzugsweise mit histor.⸗philos. Forschungen. In dem anonym herausgegebenen Werke «Anesidemus, oder über die Fundamente der von Reinhold gelieferten Elementarphilosophie, nebst einer Verteidigung des Skeptizismus gegen die Anmaßungen der Vernunftkritiks (Helmst. 1792) erklärte er sich entschieden gegen die kritische Philosophie. In demselben Sinne sind auch geschrieben: «„Einige Bemerkungen über Kants philos. Religionslehrer (Kiel 1795), «Kritik der theoretischen Philosophie »(2 Bde., Hamb. 1801), sein bedeutendstes und noch heute wertvolles Werk; «Die Hauptmomente der sleptischen Denkart über die menschliche Erkenntniso in Bouterweks Neuem Museum der Philosophies (Bd. 3, Heft 2, 1805), wo er auch (Bd. 1, Heft 2) in den Aphorismen über das Abichrr eine ironische Schilderung der Identitätsehre gab. S. suchte zu zeigen, daß es keine wissenschaftliche Theorie von den obersten Ursachen alles Bedingten oder Wirklichen gebe, weil der Ursprung menschlicher Erkenntnis außerhalb des Bereichs unserer Erkenntnis liege, und man müsse sich beschränken auf die Erforschung und Unterscheidung der Bestandteile der menschlichen Erkenntnis und der Gesetze, von welchen die Verbindung unserer Überzeugung mit den Erkenntnisarten abhänge. In seinen spätern Schriften hat er seinen Skeptizismus beschränkt und sich mehr der Glaubens⸗ und Gefühlsphilosophie von Jacobi und Fries genähert. Seine allgemeine Anschauung ist in seiner «Encyklopädie der philos. Wissenschaften » (Gött. 1814; 8. Aufl. 1824) übersichtlich dargelegt. Außerdem veröffentlichte er: 4Grundsätze der allgemeinen Logiko (Helmst. 1810; 5. Aufl. 1831), 4Leitfaden der Entwickelung der philos. Prinzipien des bürgerlichen und peinlichen Rechts v (Gött. 1813), «Psychische Anthropologier (Gött. 1816; 3. Aufl. 1826), «Küber die menschliche Erkenntniso (Gött. 1832).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 521Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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