Thaer (Albrecht), ausgezeichneter deutscher Landwirt, geb. 14. Mai 1752 zu Celle, wo sein Vater Hofmedikus war, studierte zu Göttingen Medizin und Philosophie. Nach dem Tode seines Vaters trat er in dessen Stelle ein; aber durch Blumen⸗ und Gartenbau wurde er sehr bald der Landwirtschaft zugeführt. Er schrieb 1798 seine «(Einleitung zur Kenntnis der engl. Landwirtschaft⸗ (3. Aufl., 3 Bde., Hannov. 1816) und begann 1799 die Herausgabe der „Annalen der niedersächs. Landwirtschafto (3 Bde., 1798 — 1804). Bereitwillig nahm er den Ruf an, der 1804 von Preußen aus an ihn erging. Der König erteilte ihm den Titel eines Geh. Kriegsrats und gegen Zahlung eines Kanons einen Landbesitz von 400 Morgen im Oderbruche, den er aber bald veräußerte, um das Gut Möglin käuflich zu erwerben. Neben der Einrichtung dieser Wirtschaft beschäftigte er sich viel mit schriftstellerischen Arbeiten, von denen besonders die Annalen des Ackerbaueso zu erwähnen sind. Zu Möglin errichtete er 1807 eine landwirtschaftliche Lehranstalt. Um diese Zeit schrieb er sein großes Werk „Grundsätze der rationellen Landwirtschafte (4 Bde., Berl. 1809—10; 6. Aufl., Berl. 1868; neue Ausg., Berl. 1880), welches in fast alle europ. Sprachen übersetzt wurde. Bei der Reorganisation des preuß. Staats 1807 wurde T. Staatsrat, in welcher Eigenschaft er bedeutenden Anteil hatte an den a rarischen Gesetzen zur Regulierung der bäuerlichen zerhältnisse. T.wurde 1810 Professor der Landwirtschaft an der Universität zu Berlin und vortragender Rat im Ministerium des Innern. Im folgenden Jahre gründete er die so berühmt gewordene Schäferei, worauf er 1815 Generalintendant der königl. Stammschäfereien wurde. Nachdem er schon 1818 seine Entlassung als Professor an der Universität genommen, wurde 1824 Möglin zu einer königl. Akademie des Landbaues erhoben. T. starb 26. Okt. 1828. Seine hauptsächlichsten Verdienste bestehen in der Anwendung der Naturwissenschaften auf die Landwirtschaft, in der Begründung des Kalkuls über Produktionskosten und Gewinn, in der Entwickelung der Begriffe von Roh⸗ und Reinertrag, in der Einührung der Fruchtwechselwirtschaft, der größern usdehnung des Kartoffelbaues, der Anwendung der Statit auf den Landbau, der Entfesselung des Grund und Bodens und der genialen Bearbeitung der Schafzucht mit Wollkenntnis. Ihm zu Ehren wurde 1843 von der Versammlung deutscher Land- und Forstwirte in Leipzig der Grundstein zu einem Denkmal daselbst gelegt, welches, von Rietschel entworfen und in Erzguß ausgeführt, 28. Sept. 1850 enthüllt wurde. Außerdem wurde ihm 15. Nov. 1860 ein von Rauch ausgeführtes Denkmal in Berlin und 1873 ein solches in Celle errichtet. Vgl. Körte, «Albrecht T.„ (Lpz. 1839).