Schuselka (Franz), polit. Schriftsteller, geb. 15. Aug. 1811 zu Budweis in Böhmen, studierte zu Wien die Rechte, trat dann als Praktikant beim Kriminalgericht ein, gab jedoch diese Stellung bald wieder auf und wirkte fünf Jahre zu Wien, Salzburg und Prag als Lehrer und Erzieher. Seit 1839 wandte er sich der schriftstellerischen Laufbahn zu und veröffentlichte zunächst einen Roman, «Karl Gutherzy (Wien 1845; 2. Aufl. 1846). Infolge eines Konflikts mit der Censur ging er 1842 nach Weimar/ dann nach Jena, wo er die Flugschrift „Itt Osterreich deutsch?v (pz. 1843) veröffentlichte. Nach der Rückkehr nach Osterreich sah er sich wegen der Schrift „Die orient. Frage, d. i. russische Fragen (Hamb. 1843) in Untersuchung verwickelt. S. ging hierauf wieder nach Jena, wo er unter anderm „Der Jesuitenkrieg gegen Osterreich und Deutschland v (Cpz. 1845) und «Die neue Kirche und die alte Politiko (2. Aufl., Lpz. 1846) erscheinen ließ, welche Schriften ihm die Ausweisung aus dem Weimarischen zuzogen. Er wandte sich nach Hamburg, wo er 1846 die deutschkath. Gemeinde mit gründete. S.s Schrift Österreich. Vor⸗ und Rückschrittes, welche 1847 bei Hoffmann und Campe in Hamburg erschien, hatte von seiten Ssterreichs das Verbot des ganzen Verlags dieser Firma zur Tolge. Die Märzbewegung von 1848 rief auch S. nach Wien zurück. Von der Aula ins Vorparlament und zu Frankfurt in den Funfziger-Ausschuß gewählt, trat er sodann in die Deutsche Nationalversammlung, wo er sich zur äußersten Linken hielt. Im Juni 1848 ward er in den österr. Reichstag gewählt, und hier zählte er zur gemäßigten Linken. Später ging er nach Kremsier und widmete sich dann in Wien aufs neue litterarischer Thätigkeit. Infolge des Einrückens der Russen in Ungarn veröffentlichte er die Broschüre „Deutsch oder Russischo, die viel Aufmerksamkeit gewann. Im J. 1850 wurde S. aus Wien auf sein Landhaus nach Gainfarn verwiesen, wo er zur evang. Kirche übertrat. Nach zwei Jahren wandte er sich nach Dresden, wo er die Schrift «Das türk. Verhängnis und die Großmächtes (Lpz. 1853) verfaßte. Im J. 1854 kehrte er nach osterreich zurück, 1861 wurde er vom 9. Bezirk Wiens in den niederösterr. Landtag gewählt, in welchem er sich, sowie auch in der Broschüre Osterreich und Ungarn», für eine dualistische Organisierung Österreichs aussprach. Er gründete 1862 die polit. Zeitschrift ⸗Reformo, in welcher er die Opposition gegen den Centralismus fortsetzte. Später schwenkte er in das föderalistische Lager über, was seine völlige Isolierung zur Folge hatte, sodaß er seit 1867 nicht mehr in den Reichstag gewählt wurde. Von S.s Schriften sind noch die lange für echt gehaltenen „Briefe Josephs II.5 (3. Aufl., Lpz. 1846) und «Geschichtsbilder aus Schleswig-Holstein o (Lpz. 1847) zu nennen. Seine Gattin Ida S., geborene Wohlbrück, verwitwete Brüning, hat sich als Schauspielerin einen geachteten Namen erworben. Zu Königsberg 1817 geboren, war sie nacheinander an den Theatern zu Petersburg, Hamburg und Hannover thätig, ging Ende 1842 nach Wien, wo sie an verschiedenen Bühnen als Soubrette gefeiert wurde. Nachdem sie sich 1849 in zweiter Ehe mit S. verheiratet hatte, gastierte sie an mehrern Theatern, führte auch von 1855 bis 1857 die Direktion des Theaters in Linz, 1863 —64 die eines deutschen Theaters in Paris. S. in sich auch als dramatische Schriftstellerin, Vorleserin und Lehrerin versucht.