Struve (Gustav von), besonders bekannt als republikanischer Agitator, geb. 11. Okt. 1805 zu München, studierte die Rechte und begann in Diensten des Großherzogs von Oldenburg die diplomatische Laufbahn. Als Gesandtschaftssekretär kam er nach Frankfurt, wo er an den Verhandlungen des Bundestags teilnahm. Doch entsagte er bald der Diplomatie und ließ sich zu Mannheim als Advokat nieder. Hier verheiratete er sich 1845 mit Amalie Düsar. Neben dem Studinm der Staatswissenschaften beschäftigte er sich eifrig mit Phrenologie. Als Früchte dieses Studiums erschienen unter anderm«Geschichte der Phrenologies (Heidelb. 1843), KHandbuch der Phrenologies (Lpz. 1845) und „Die Phrenologie innerhalb und außerhalb Deutschlandsv (Heidelb. 1843). Als Redacteur des Mannheimer Journalo wurde er wiederholt zu Gefängnisstrafe verurteilt. Als ihm 1846 die Fortsetzung dieses Blattes unmöglich gemacht war, gründete er eine neue Zeitschrift, den Deutschen uschauerv. Im April 1848 begab er sich in den bad. Seekreis, von wo aus er gemeinschaftlich mit Hecker den Versuch zur Einführung der Republik mit bewaffneter Hand machte. Nach Zerstreuung seiner Schar bei Freiburg 23. April flüchtete er nach Straßburg und ging dann in die Schweiz, wo er gemeinschaftlich mit K. Heinzen einen »Plan zur Revolutionierung und Republikanisierung Deutschlandsv herausgab. Nebst einigen andern polit. Flüchtlingen machte er einen bewaffneten Einfall auf bad. Gebiete 21. Sept., nachdem Hecker bereits nach Nordamerika abgereist war. Nach dem Treffen in Staufen ward er 25. Sept. im Amtsbezirk Säckingen verhaftet. S. und Blind wurden durch ein Schwurgericht in Freiburg i. Br. 30. März wegen Versuchs des Hochverrats zu einer Einzelhaft von fünf Jahren vier Monaten verurteilt. Aber der Aufstand in Baden setzte ihn bereits in der Nacht zum 14. Mai wieder in Freiheit. Nach Auflösung der konstituierenden Versammlung in Baden, deren Mitglied er war, ging er in die Schweiz, von wo er später ausgewiesen wurde. Er mußte sich durch Frankreich 1850 nach England begeben und siedelte von da 1851 nach Nordamerika über. Im J. 1863 kehrte S. nach Deutschland zurück, lebte zuerst in Stuttgart, dann einige Zeit in Coburg, seit 1869 in Wien und starb daselbst 21. Aug. 1870. Von seinen staatswissenschaftlichen und histor. Schriften sind noch hervorzuheben: Grundzüge der Staatswissenschaften » (4 Bde., Frankf. 1847 — 48) und die „Weltgeschichte in neun Büchern» (6 Bde., Neuyork 1856—59; 7. Aufl., bis auf die neueste Zeit fortgesetzt, 6 Bde., Coburg 1864-66), die er selbst für das Hauptwerk seines Lebens erklärt. Von seiner Gattin erschienen: Erinnerungen aus den bad. Freiheitskämpfen» (Hamb. 1850) und «Histor. Zeitbilder (3 Bde., Brem. 1850).