FeedSchwarzes Meer
ErdkundeBrockhaus 1882

Schwarzes Meer, bei den Alten Pontus Euxinus (engl. Black Sea, frz. Mer Noire, bei den Neugriechen Mavri Thalassa, bei den Russen ITschernoje More, bei den Türken Kara Deniz), ein Binnenmeer, welches zwischen Europa und Asien liegt, im W. an die europ. Türkei, im N. an Südrußland, im O. an die russ. Statthalterschaft des Kaukasus, im S. an die türk. Provinz Natolien (Kleinasien) grenzt, steht im SW. durch den Bosporus (s. d.), weiterhin durch das Marmarameer (s. d.) oder die Propontis und die Straße der Dardanellen (s. d.) oder den Hellespontus mit dem Mittelländischen, und zwar zunächst mit dem Agäischen Meere in Verbindung. Im N0. ist es urch die Straße von Kertsch mit dem Asowschen Meere (Palus Macotis) verbunden. Die Größe des Schwarzen Meers, das nicht als Teil des Mittelmeers angesehen werden kann, beträgt, ohne das Asowsche Meer (s. d.) 423 993,5 c˙km. Die größte Länge von Westen gegen Osten ist 1154 EKm, die größte Breite 610 km, die geringste (zwischen der Südspitze der Krim und dem Kap Karembe) 229 km. Das Meer ist durchweg tief und klippenfrei; die Tiefe nimmt vom Ufer ab regelmäßig zu und beträgt 70—1440, ja bis 1900 m; an vielen Stellen erreicht das Senkblei den Grund nicht. Wegen seines geringen Umfangs und der ihm zugehenden großen Ströme (Donau, Dnjestr, Dnjepr und Don), sowie der vielen kleinern, aber immerhin wasserreichen Flüsse (einschließlich des 37388 dakm großen Asowschen Meers), die ihm zusammen den atmosphärischen Niederschlag von 2202500 Aam (Europa 1927200, Asien 275300) rnere ist sein Wasser süßer als das des Mittelmeers. Ebbe und Flut sind nicht bemerkbar. Seine Gefahren für die Schiffahrt teilt das Schwarze Meer mit allen eingeschlossenen Meeren; einige besondere, durch die geogr. Lage bedingte Schwierigkeiten sind für Dampfschiffe nicht unübersteiglich. Die Hauptströmung 1 sich gegen den Bosporus, dringt durch die Dardanellenstraße und vermischt ihre Gewässer mit denen des Agäischen Meers, in welchem sie, nachdem sie ihren Lauf noch ungefähr 67 km fortgesetzt, gänzlich verschwindet. Diese Strömung, deren Geschwindigkeit am Eingange des 32 km langen, 1,2 bis 3,6 Km breiten und 50—70 m tiefen Bosporus bei ruhigem Wetter 1½ Knoten beträgt, nimmt bei starken Brisen eine Schnelle von 3½ —4 Knoten an und erfordert beim Einlaufen in jene Meerenge besondere Aufmerksamkeit. Auf demselben Wege dringt aber auch eine submarine Strömung aus dem Mittelmeer ein, wodurch es sich erklärt, daß das Schwarze Meer, trotz der Masse des ihm zugeführten Süßwassers, überhaupt noch Salzgehalt hat, der noch nicht die Hälfte von dem des gewöhnlichen Seewassers ist. Die mittlere Jahrestemperatur des Schwarzen Meers ist 13,7 C. (die des Mittelmeers 19,6). Die Sommer-Isotherme von 19,6 C. läuft nördlich herum, die von 21 C. längs der Südküste hin. Doch zeigt sich an seinen Gestaden das Klima nicht überall so mild, wie es seine südl. Lage zwischen 41 und 46 ½ der Breite erwarten läßt, und es gehört zu den vielen Eigentümlichkeiten desselben auch das Gefrieren, wovon zwei Beispiele (401 und 762) bekannt sind. Die Häfen von Kaffa und Sewastopol bleiben stets offen, obwohl der nördl. Teil des Meers im Winter mit Eis bedeckt ist. Im Sommer herrscht Nordostwind, in andern Jahreszeiten Süd⸗ oder Südostwind. Nebel sind sehr häufig, auch plötzliche heftige Stürme. Die Südküste der Halbinsel Krim d.), die kleinasiat. und kaukas. Gestade sind von hohen Bergen begrenzt und gewähren, wie zum Teil auch Bulgarien und Rumelien, gute Ankerplätze. Das Donaudelta und das ganze Küstengebiet zwischen demselben und dem nördl. Teile der Krim haben eine nur geringe Höhe. Die umgebenden Gebirge rufen auf dem Schwarzen Meere zahlreiche und wechselvolle Luftströmungen lunen⸗ welche nicht selten heftige Stürme veranlassen, die aber gewöhnlich nicht über 12 Stunden anhalten. Ihre Furchtbarkeit, sowie die Strenge des Klimas ist indes früher sehr übertrieben worden. Zu den Stürmen gesellen sich namentlich im Winter gefährliche Nebel, die den Horizont bei Tage in Dunkel hüllen und dem Meere die Bezeichnung des «schwarzeno verschafft haben, welche schon 1225 bei den Mongolen und Tataren, seit dem 13. Jahrh. bei den Venetianern und Genuesen vorkommt. Im frühen Altertum hieß das Meer infolge der Schilderungen des Argonautenzugs Pontos axenos, d. i. ungastliches Meer. Nachdem sich aber die Griechen durch Handelsfahrten und zahlreiche Kolonien die Gestade derselben erschlossen, wurde der Name in Pontos euxeinos, d. i. gastliches Meer, verwandelt. Infolge der Eroberung Konstantinopels durch die Türken (seit 1453) sahen sich die europ. Nationen von dem Schwarzen Meere wieder ausgeschlossen. Erst gegen Ende des 18. Jahrh. wurde das Meer dem Handel aufs neue geöffnet, während Verträge den Kriegsschiffen den Eingang versagten. Da die Handelsschiffe ausschließlich die Nordseite (Odessa), die ungesundeste und gefährlichste besuchten, so verfiel das Meer wieder in seinen alten schlimmen Ruf. Die Anwesenheit der engl. und franz. Flotten im Orientkrieg gestatteten erst, genauere Forschungen anzustellen, deren Resultate die frühern Übertreibungen widerlegten. Deinahe eröffnete der Ausgang dieses Kriegs den einahe zum russ. Binnenmeer gewordenen Pontus den Flaggen aller Nationen. Die wichtigsten Küstenpunkte sind außer Konstantinopel: Burgas, Varna, Baltschik, Küstendsche, Sulina, Akjerman, Odessa, Nikolajew, Cherson, Eupatoria, Sewastopol, Balaklawa, Kaffa oder Feodosia und Kertsch; an der kaukas. Küste Anapa, Suchumkalé, Poti und Batum; in Kleinasien Trapezunt, Samsun (Amisus), Sinub oder Sinope, Bender-Cregli (Heraklea der Alten). Die einzige Insel des Meers ist die kleine Schlangeninsel (türk. Ilan Adassi, neugriech. Phidonisi, bei den Alten Insel des Achilles oder Leuke, d. i. die Weiße), 48 kmöstlich von der Sulina-Mündung der Donau, 1831 von den Russen mit einem Leuchtturm versehen; sie wurde 1856 an die Türkei abgetreten und kam durch den Berliner Vertrag vom 13. Juli 1878 an Rumänien. Vgl. Dureau de la Molle, Géographie physique de la Mer Noirep (Paris 1807); Preller, über die Bedeutung des Schwarzen Meers für Handel und Verkehr der Alten Welto (Dorpat 1842); Taibout de Marigny, MHydrographie de la Mer Noiren (Triest 1856). Wales).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 552Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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