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ErdkundeBrockhaus 1882

Schwarzenberg, Stadt in der sächs. Kreishauptmannschaft Zwickau, am Schwarzwasser, Station der Linien Zwickau-S. und S.⸗Johann-Georgenstadt der Sächsischen Staatsbahnen, ist Sitz einer Amtshauptmannschaft, eines Amtsgerichts und einer Oberforstmeisterei, hat ein altes Schloß, eine schöne Kirche, eine Bürgerschule, eine Fachschule für weibliche bolaite Kinde und ein Rettungshaus für verwahrloste Kinder (Prinz-Albert-Stift), und zählt (1885) 3520 E. In der Umgegend sind große Eisenwerke, Holzschleifereien und Brettmühlen und das schöngelegene Bad Ottenstein, eine vielbesuchte Sommerfrische. Aet Dneih ein altes fränk., jetzt fürstl. Geschlecht, das reichste und begütertste in Osterreich, das mit den heutigen Grafen von Seinsheim einerlei Stammes ist. Erkinger von Seinsheim,‚ 1417 vom Kaiser Sigismund in den Freiherrenstand erhoben, kaufte 1420 die Herrschaft Schwarzenberg in Franken, nach der er sich nannte. Auf Grund derselben erhielt er 1429 Sitz und Stimme in dem fränk. Grafenkollegium. Er starb 1437, und seine beiden Söhne teilten das Haus in die bayrische und die fränkische Linie. Jene, welcher der Freiherr Johann zu Schwarzenberg (s. d.) angehörte, erlosch 1646 und ihre Besitzungen fielen an die fränk. Linie. — Zu letzterer gehörte Adolf Eiehr von S., welcher wegen seiner im Türenkriege als kaiserl. General bewiesenen Tapferkeit 1599 vom Kaiser Rudolf II. die reichsgräfl. Würde erhielt, aber schon 1600 blieb. — Sein Sohn war Graf Adam von Schwarzenberg (s. d.). — Des letztern Sohn, Johann Adolf von S., wurde vom Kaiser Leopold I. 1670 für sich und den jedesmaligen Senior des Hauses in den Reichsfürstenstand und seine Grafschaft S. zur gefürsteten Reichsgrafschaft erhoben, worauf er 1674 Sitz und eine Virilstimme im Fürstenkollegium erhielt. Der Enkel des letztern, Adam Franz von S., ererbte von seiner Mutter, einer geborenen Gräfin von Sulz, die 1688 gefürstete Landgrafschaft Klettgau in Schwaben und wurde 1723 Herzog von Krumau in Böhmen, welchen Titel seitdem der jedesmalige regierende Alteste führt. Auch war er zugleich gefürsteter Graf von Klettgau in Schwaben. Von Kaiser Karl VI. wurde er 1732 auf der Jagd aus Versehen erschossen. Kaiser Franz I. erstreckte 1746 den Reichsfürstenstand auf alle Mitglieder des Hauses. Durch die Rheinbundsakte wurden Schwarzenberg und die Landgrafschaft Klettgau mediatisiert, welche letztere der Fürst von S. 1813 an Baden verkaufte. Seit 1703 ist das Haus in zwei Majorate geteilt. Zu dem erstern Majorat gehören die Standesherrschaften Schwarzenberg und Hohenlandsberg (230 aEm) und die Herrschaften Wilhelmsdorf und Marktbreit (usammen 110 akm) unter bayr. Oberhoheit; ferner in Osterreich außer dem Herzogtum Krumau (mit der inkorporierten Herrschaft Goldenkron und mehrern Gütern 1190 qkm) zahlreiche andere Besitzungen, besonders in Böhmen und Steiermark. Standesherr ist Fürst Johann Adolf S., geb. 22. Mai 1799, erbliches Mitglied des Herrenhauses, Besitzer und Organisator der berühmtesten Musterwirtschaften. Er folgte seinem 19. Dez. 1833 verstorbenen Vater Joseph, Fürst von S., dessen Gemahlin Pauline, eine Tochter des Herzogs von Aremberg, dei dem Brande des Ballsaals an dem Feste, das ihr Schwager, der Fürst Karl von S., in Paris zur Feier der Verbindung Napoleons I. mit der Erzherzogin Marie Luise gab, ihr Leben einbüßte. Sein nächstfolgender Bruder war der Fürst Felix von Schwarzenberg (s. d.). Der jüngste der Brüder war Fürst Friedrich von S., geb. 6. April 1809, welcher am 1. Febr. 1836 zum Fürst-Erzbischof von Salzburg, 24. Jan. 1842 zum Kardinalpriester und 13. Dez. 1849 zum Fürst-Erzbischof von Prag ernannt wurde, Mitglied des österr. Herrenhauses war und sich als eifriger Vertreter der kirchlichen Interessen bekannt machte. Er starb 27. März 1885 in Wien. Die Leiche wurde nach Prag gebracht und dort im Dom beigesetzt. Das zweite von dem Fürsten Joseph von S. 1803 auf die Herrschaft Worlick und Klingenberg in Böhmen übertragene und seinem Bruder, dem Feldmarschall Karl Philipp, Fürsten von Schwarzenberg (s. d.), abgetretene Majorat begreift außerdem noch einige Herrschaften, darunter Mariathal, die nebst vier Gütern in Ungarn dem Feldmarschall 1814 vom Kaiser von SOsterreich als Belohnung geschenkt wurden. Der jetzige Majoratsherr ist Fürst Karl von S., geb. 5. Juli 1824, welcher 1880 zum ersten Präsidenten des böhm. Landeskulturrats ernannt wurde. Vgl. (Beiträge zur Geschichte und Statistik des fürstl. Hauses S.v (Wien 1873).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 553Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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