Schwede vom 21. bis zum 32. Jahre dienstpflichtig ist. Von diesen Jahren dient er die sechs ersten im Beväring, die übrigen im Landsturm. Außerdem hat die Insel Gotland noch ihre eigene Miliz (21 Kompagnien), die nicht außerhalb der Insel everwendet werden darf. Dazu kommen noch die seit 1861 bestehenden Schützenvereine, deren Befehlshaber vom Könige ernannt werden. Die Gesamtstärke des Heers, mit Offizieren und Spielleuten, beträgt 1885 1) Infanterie: 26584 Mann; 2) Kavallerie: 5029 Mann; 3) Artillerie: 4593 Mann, 258 Geschütze; 4) Genie: 990 Mann; im ganzen 37 249 Mann, davon 35079 Unteroffiziere und Mannschaften (7886 geworbene und 27193 eingeteilte). Hierzu kommen: a) die Miliz von Gotland, 7061 Mann, b) die Landwehr, 134108 Mann, und c) die freiwilligen Schützenkorps, 13537 Mann. Die wichtigsten Festungen S.s sind: Karlsborg (noch nicht vollendet), die Centralfestung des Landes, die starken Befestigungen bei Karlskrona, die Befestigungen bei Waxholm und Oskar-Fredriksborg, in der Nähe von Stockholm, die Felsenbefestigung bei Marstrand, unweit Göteborg. Regimentsschulen bestehen im besoldeten Heere bei allen Korps. Höhere Militärunterrichtsanstalten sind die Kriegsakademie im Schlosse Karlberg bei Stockholm, eine höhere Kriegsschule in Stockholm für Generalstabsoffiziere und die Anstalt zu Marieberg bei Stockholm zur Ausbildung von Artillerieoffizieren und Ingenieuren. Die Kriegsflotte hat (1884) folgenden Bestand: 1) Dampfer: 4 Monitors, jeder zu 2 Kanonen, 10 Panzerboote mit zusammen 10 Kanonen, 1 Schulschiff von 800 Pferdekraft und 16 Kanonen, 1 Schraubenfregatte von 1400 Pferdekraft mit 16 Kanonen, 5 Korvetten von zusammen 7610 Pferdekraft und 33 Kanonen, 18 Kanonenschaluppen mit 27 Kanonen, 4 Torpedoboote mit 2 Kanonen, 2 Avisos mit 5 Kanonen und 1 Transportdampfer, zusammen 46 Dampfer mit 22 990 Pferdekraft und 117 Kanonen; 2) Segelschiffe: 5 Korvetten, 5 Beiggs mit zusammen 105 Kanonen; 3) Ruderflotille (Schärenflotille): 34 Kanonenschaluppen, 5 Mörserboote und 48 Kanonenjollen mit zusammen 113 Kanonen. Das Personal der Flotte umfaßt: 1) die königl. Flotte, 5490 Mann mit 435 Offizieren und Unteroffizieren; 2) die Seewehr (Beväring), 86 Offiziere und etwa 50000 Mann. Das Wappen ist durch ein goldenes Schächerkreuz in drei Felder geschieden, in dessen oberm drei goldene Kronen in Blau (Schweden), im untern rechten ein goldener Löwe mit Hellebarden in Rot (Norwegen), im untern linken ein roter gekrönter Löwe in blauem, von drei goldenen Schrägbalken durchzogenem Felde (Gotland). Auf dem Kreuze liegt ein ovaler gespaltener Mittelschild, auf dessen vorderer blauen und roten Hälfte eine goldene Garbe auf silbernen Schrägbalken liegt (Wappen des Hauses Wasa). Die hintere geteilte Hälfte zeigt oben im Blauen einen goldenen gekrönten Adler und unten im Blauen eine silberne Brücke mit zwei silbernen Türmen über einem silbernen Strom (Wappen von Pontecorvo). Das Wappen umgibt die Kette und das Kreuz des Seraphinenordens und wird von zwei gekrönten Löwen gehalten. Landesfarben sind blau und gelb. Die Flagge ist blau, durch ein stehendes gelbes Kreuz in Vierecke geteilt; auf dem obern innern Quadrat befindet sich als Zeichen der Vereinigung mit Norwegen das Unionskreuz, ein rechtwinkeliges Kreuz, dessen senkrechter Strich blau mit weißen Rändern, der horizontale gelb ist; die durch das Kreuz gebildeten Felder werden durch diagonale Linien in acht abwechselnd blaue und rote Dreiecke geteilt. An Ritterorden bestehen: der Seraphinenorden (das blaue Band), gestiftet 1285, erneuert 23. Febr. 1748; der Schwertorden (das gelbe Band), gestiftet 23. Febr. 1748; der Nordsternorden (das schwarze Band), gestiftet 23. Febr. 1748; der Wasa-Orden (das grüne Band), gestiftet 29. Mai 1772, und der Orden Karls XIII., gestiftet 27. Mai 1811. Gute Karten von S. lieferten Hermelin, Hagelstam, Forsell, Klint (Seeatlas), Hahr, Selander und das Topographische Korps; gute geogr. und statist. Arbeiten Tuneld (8. Aufl., 5 Bde., Stockh. 1827—33), Sköldberg (Stockh. 1846), Forsell (Statistik S.59, 4. Aufl., Stockh. 1844), Agardh und Ljungberg (4 Bde., Stockh. 1852 — 63), Thomée (Stockh. 1861), Sidenbladh, «S. Statist. Mitteilungeno (Stockh. 1873), «Sweden. Statistics o (Philad. 1876) und Royaume de Suède. Exposé statistiquey (Stockh. 1878), Frisch, Geographie und Statistik S.8o, in Steins und Hörschelmanns geogr.⸗statist.Handbucho (7. Aufl., Bd. 3, 1862), Höjer, Konungariltet Sveriges (Stockh. 1872 —84), Rosenberg, «Géeografislct-statistislet handlexikon öfer Sverigep (Stockh. 1881fg.), «Sveriges officiela Stastistiko (Stockh. 1881 fg.). Vgl. noch Jonas, „S. und seine Entwickelung in volkswirtschaftlicher und geistiger Beziehungo (Berl. 1875); derselbe, „(Illustriertes Reise und Skizzenbuch für S.» (2. Aufl., Berl. 1876); Murray, Handbook for travellers in Swedeno (5. Aufl., Lond. 1877); Nielsen, Wegweiser durch S. (Hamb. 1877); Zöller, &S., Land und Volk (Lindau 1881); Baedeker, «S. und Norwegen. Handbuch für Reisender (3. Aufl., Lpz. 1885). Geschichte. Die Urgeschichte S.s bildet ein Ganzes mit der des gesamten Skandinavien (s. d.) und ist durchaus sagenhaft. Wie in den übrigen skandinav. Reichen gab es ursprünglich viele Stämme, die ungeachtet ihrer großen Verwandtschaft doch politisch getrennt waren. Zwei Hauptmassen sind unverkennbar, Goten im Süden und Schweden im Norden. Aber gemeinschaftlich war das Nationalheiligtum, der Tempel zu Upsala, und hierin schon lag der Grund zu einer nähern Vereinigung. Die Upsala-Könige schwangen sich über die kleinen Häuptlinge, die Härads-und Fylkes⸗ (d. i. Provinz-)Könige empor, welche allmählich ausgerottet wurden. Der letzte König aus dem alten, von Oden oder dessen Enkel Yngve Frey seinen Ursprung herleitenden Königsgeschlechte der Ynglinger, Ingiald Illräda, der eine Alleinherrschaft zu gründen suchte, fand in diesem Bestreben seinen Tod. Auf die Ynglinger folgte in Upland die mit Jvar Widfamne beginnende Dynastie der Skiöldunger, die von Skiöld, Odens Sohne, ihre Abkunft herleiteten. Erich Edmundsson, mit dem Beinamen Wäderhatt, aus dieser Dynastie soll um das Ende des 9. Jahrh. die Alleinherrschaft über S. gewonnen haben. Schon während dieser sagenhaften Zeit waren die Schweden mit ihren Nachbarn, den Norwegern und Dänen, häufig in Kriege verwickelt, während die östl. Küsten der Ostsee schon damals der Schauplatz für ihre Seeunternehmungen wurden, wo sie Staaten gründeten, wie die übrigen Normannen in England und Frankreich. Mit ECinführung des Christentums fängt die Geschichte S.s an klarer zu werden. Schon der heil. Ansgar hatte 829 einen Versuch gemacht, das Christentum in S. einzuführen, aber noch Jahrhunderte dauerte es, ehe es siegte. Olof Schooßkönig ließ sich zwar (1008) taufen; doch der Kampf des Heidentums gegen das Christentum dauerte fort, bis der Sieg des Christentums durch das Verbrennen des Upsala-Tempels unter Inge dem Ältern (Ende des 11. Patb entschieden wurde. Von da an bildete sich allmählich die kath. Hierarchie aus. Doch erst auf der Kirchenversammlung zu Linköping (1152) wurde das Cölibateingeführt, und das Land machte sich verbindlich, eine jährliche Steuer an den Papst zu zahlen. Während dieser Zeit standen Goten und Schweden wie zwei Nationen feindselig einander gegenüber und wählten jederseits eigene Könige. Außerdem wurde jede Provinz beinahe wie ein besonderes Reich betrachtet und hatte eigene Gesetze. Die schwed. Stämme blieben länger dem Heidentum treu. Als endlich 1250 das Geschlecht der Folkunger den Thron bestieg, erfolgte die Verschmelzung der beiden Völkerstämme. Doch verblieben manche der provinziellen Ungleichheiten bis auf den heutigen Tag. Unter dem ersten dieses Geschlechts, Waldemar, wurde Stockholm angelegt von Birger Jarl, dem Vater und Vormund des Königs, um 1260, der zuvor schon Tawastland in Finland erobert hatte. Sein Bruder Magnus (gest. 1290), ein Gönner ausländischer Pracht und Sitte, legte den Grund zum eigentlichen Adel, schützte aber auch den gemeinen Mann durch weise Gesetze vor der Willkür der Großen und war ein Freund der Geistlichkeit. Ihm folgte sein Sohn Birger. Der treffliche Vormund desselben, Torkel Knutson, eroberte Savolax und Karelen in Finland; als aber sein Herr mündig wurde, ließ dieser, von seinen ehrgeizigen Brüdern mißleitet, ihn enthaupten. Nicht minder trefflich regierte der Vormund seines Neffen und Nachfolgers, Matts Kettilsmundson, der, Dänemarks damalige Ohnmacht benutzend, 1332 Schonen, Halland und Blekinge erwarb, welche Provinzen aber der schwache König, nachdem er mündig geworden, zurückgab. Während dieser Zeit war S.8 innere Geschichte ein Wechsel von Greuelthaten und innern Zwistigkeiten. Die Könige hatten sowohl mit der Priesterschaft als mit der Aristokratie, die immer mächtiger wurde, harte Kämpfe zu bestehen, in denen sie oft unterlagen. So wurde der letztgenannte Magnus nebst seinen beiden Söhnen entsetzt, nachdem die Aristokratie seinen Schwestersohn, Albrecht von Mecklenburg, zum Thron berufen hatte (1363), den er zwei Jahre später, nach der Besiegung und Gefangennehmung des Magnus, unbestritten einnahm. Seine Regierung war kraftlos; der reiche Reichsdrost Bo Jonson Grip, der ein Dritteil des ganzen Reichs besaß, vermochte mehr als der König selbst. Albrecht unterlag 1389 in einem Treffen bei Falköping gegen die Dänen, bei welchen seine Unterthanen Hilfe gegen ihn gesucht hatten, und es vereinigte nun die Königin Margarete (s. d.) von Dänemark und Norwegen mit diesen beiden Reichen durch die Kalmarische Union (s. d.) vom 20. Juli 1397 auch das schwedische. Die Union konnte indes im Volke keine Wurzel schlagen, da sie auf die Unterdrückung der schwed. Unabhängigkeit gebaut war. Entwaffnung des Volks, drückende Steuern und grausame Züchtigung der widerstrebenden Bevölkerung waren die Thaten, wodurch sich Margaretes Regierung wie die ihres Schwestertochtersohns, Erichs XIII. von Pommern (seit 1412), charakterisierten. Endlich erhob sich 1434 das Volk unter dem edeln Bergmann Engelbrecht, der einen großen Teil des Reichs von dem ausländischen Joche befreite. Zwar fiel schon 1436 der treffliche Mann durch Meuchelmord, aber der König wurde doch abgesetzt und mußte, auf Gotland lebend, zur Seeräuberei seine Zuflucht nehmen. Der Reichsmarschall Kark Knutsson (Bonde) wurds 1436 zum Reichsvorsteher gewählt, mußte aber 1441 sein Amt niederlegen. Den Thron bestieg sodann Christoph von Bayern, Erichs XIII. Neffe, der schon als Ausländer die Liebe des Volks nicht gewinnen konnte, obgleich er unter allen Unionskönigen noch der beste war. Unter seiner Regierung wurde (1442) ein allgemeines Landesgesetz angenommen, das bis 1734 Rechtskraft hatte. Nach Christophs Tode, 1448, wählten die Schweden, indem sie sich von der Union trennten, den ehemaligen Reichsvorsteher Karl Knutsson unter dem Namen Karl VIII. zu ihrem Könige. Doch traten diesem die weltlichen und geistlichen Herren entgegen, namentlich der mächtige Erzbischof Jöns Bengtsson (Oxenstjerna), und auf ihren Betrieb wurde schon 1450 die Kalmarische Union erneuert und festgesetzt, daß derjenige König, der den andern überleben würde, alle drei Kronen erhalten sollte. Im Kampfe gegen den verräterischen Erzbischof geschlagen, floh Karl VIII. 1457 nach Danzig, und es wurde nun der König der Dänen, Christian I., auf den schwed. Thron berufen, der wegen seiner Raubgier von dem gemeinen Manne edie bodenlose Tascher genannt wurde. Infolge eines Aufstandes mußte er 1464 den schwed. Thron aufgeben, den der vertriebene Karl VIII. wiedererhielt, welcher aber schon 1465 demselben abermals entsagen mußte. Doch nicht Christian erhielt die Krone zurück. Die eine Partei erwählte zum Reichsverweser den Bischof Kettil (Wasa) und dessen Oheim, Jöns Bengtsson, zum Reichsvorsteher; die andere Partei, an deren Spitze die Geschlechter Sture und Tott standen, bewirkte die Zurückberufung Karls VIII. (1467), der, also zum dritten mal Regent, sich nun auch bis zu seinem Tode 1470 behauptete. Er hatte auf den Fall seines Ablebens seinen Neffen Sten Sture (s. d.) zum Reichsvorsteher ernannt, der mit königl. Gewalt regierte. Diesem folgte in derselben Würde Svante Nilsson Sture, 1504 — 12, und dessen Sohn, Sten Sture, der Jüngere, 1512—20, worauf der König von Dänemark, Christian II., als König von S. anerkannt wurde. Doch kaum hatte dieser den Thron bestiegen, so ließ er in dem sog. Stockholmer Blutbad (8. bis 10. Nov. 1520) die Edelsten und Angesehensten der Nation grausam aus dem Wege räumen, um auf den Trümmern der Aristokratie seine absolute Macht aufzurichten. Durch diesen Frevel gereizt, erhoben sich die