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ErdkundeBrockhaus 1882

Memmingen, Stadt im bayr. Regierungsbezirk Schwaben und Neuburg, liegt 5 km östlich der Iller an der Aach, Station der Linien Buchloe— M. und Ulm-M.⸗Kempten der Bayrischen Staatsbahnen, in einer fruchtbaren Ebene an der untern Grenze des Algäu, ist Sitz eines Bezirksamts, eines Land⸗ und Amtsgerichts, sowie eines Handelsgerichts und eines Hauptzollamts und zählt (1880) 8406 meist evang. E. Die Stadt hat breite Straßen, ein 1586 erbautes Rathaus, zwei protestantische und eine katholische Kirche, worunter die schöne alte Martinskirche hervorzuheben ist, eine Realschule, ein Lehrerinnenseminar, ein Kriegerdenkmal und ein Standbild des augsburger Senators und Chronisten Burkhard Zingg (gest. 1470), in Stein ausgeführt und errichtet 1862 von dem Bildhauer Joh. Leeb. Die gewerbliche Industrie M.s ist von Bedeutung, besonders in den Gewerben der Tuchmacher, Gerber, Glockengießer u. s. w. Außer Kunstmühlen bestehen in der Stadt auch Flachs- und Wollspinnereien, eine Leinenweberei, eine Bindfadenfabrik, eine Fabrik landwirtschaftlicher Maschinen, eine Eisengießerei und eine Schießpulverfabrik. Auch wird starker Hopfenbau betrieben. Die wichtigsten Gegenstände des Handelsbetriebes sind Hopfen, Schafwolle, Leder und Getreide. Zu den Welfschen Besitzungen gehörig, wurde M. 1132 von den Hohenstaufen zerstört, aber unter Welf VI. (gest. 1191) wieder aufgebaut. Es erhielt c1286 von König Rudolf J. von Habsburg die Rechte einer Freien Reichsstadt. Auf dem Reichstag zu Speier 1529 war sie durch einen eigenen Gesandten vertreten und schloß sich den protestierenden Fürsten und Städten an. Zu ihrem Gebiet gehörten 17 Ortschaften. Im Dreißigjährigen Kriege wurde M. abwechselnd von den Schweden und den kaiserl. Truppen besetzt, und im Mai 1630 erhielt daselbst Wallenstein das Dekret des Kaisers Ferdinand II., welches ihn des Kommandos der kaiserl. Armee enthob. M. behauptete sich durch alle Stürme der Zeit als Freie Reichsstadt, bis es 1802 der Krone Bayern zufiel. Vgl. Rohling, „Die Reichsstadt M. in der Zeit der evang. Volksbewegungo (Münch. 1864); Dobel, «M. im Reformationszeitaltero (Augsb. 1877).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 609Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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