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ErdkundeBrockhaus 1882

Schwedt, Stadt im preuß. Regierungsbezirk Potsdam, am linken Ufer der Oder, 22 km im Ostnordosten von der Kreisstadt Angermünde gelegen, Station der Linie Angermünde-S. der Preußischen Staatsbahnen, Sitz eines Amtsgerichts, einer Reichsbanknebenstelle und einer Mobiliar⸗„ Feuer⸗, und Hagelschäden-Versicherungsgesellschaft (seit 1826), ist gut gebaut, mit breiten, geraden Straßen, die mit Bäumen besetzt sind, hat ein sehenswertes königl. Schloß, das 1580 erbaut, 1723 als Residenz eines Seitenzweigs der Markgrafen von Brandenburg vergrößert und verschönert wurde und zu welchem ein engl. Garten und das große Gebäude der 1867 nach Hannover verlegten königl. Reitschule ehört. Die Stadt besitzt drei evang. und eine kath. irche, eine Synagoge, ein städtisches Gymnasium und (1885) 9744 meist prot. E. Die Einwohner beschäftigen sich vorwiegend mit Tabaksbau und Fabrikation (1500 Arbeiter, jährliche Produktion 100900 Ctr.), außerdem mit Kleingewerbe, Handel, Schiffahrt und Fischerei. S. hat Dampf-Conversations-Lexikon. 13. Aufl. XIV. schiffahrtsverbindung mit Breslau, Frankfurt a. O. und Küstrin-S.⸗Stettin, täglich Personen-Dampfschiffsverbindung zwischen S.⸗Stettin. Unweit nordwestlich liegt das durch eine Allee mit der Stadt in Verbindung stehende, 1778 erbaute Lustschloß Monplaisir mit einem Park. S. war 955 Sitz der heidnischen Wendenfürsten Nakko und Stoinef, erhielt 1265 Stadtrecht, sank aber nachmals so herab, daß ihm 1515 aufs neue das Stadtrecht verliehen werden mußte. Die Herrschaft S., seit 1478 ein Besitztum der Grafen von Hohenstein, kam, als der Graf Martin von Hohenstein-Vierraden 1609 ohne männliche Erben starb, unter der Regierung des Kurfürsten Johann Sigismund an Brandenburg und wurde der Ukermark einverleibt. Der Kurfürst Friedrich Wilhelm verlieh dieselbe seinem ältesten Sohne aus zweiter Ehe, Philipp Wilhelm, der als Markgraf von S. der Gründer einer Seitenlinie wurde (Markgrafen von Brandenburg-S.), die aber mit dem jüngern Sohne Philipp Wilhelms, Heinrich Friedrich, 1788 ausstarb, worauf S. wieder an das Kurhaus zurückfiel. Die Stadt befindet sich als Kronfideikommiß im Privatbesitz des Königs von Preußen. Vgl. Thomä, „Geschichte der Stadt und Herrschaft S.y (Berl. 1873).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 577Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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