FeedSchwefel
NaturlehreBrockhaus 1882

Schwefel (lat. Sulfur; frz. soufre; engl. sulphur, brimstone; chem. Zeichen 8, Atomgewicht 32), ein nichtmetallisches Element, findet sich in der Natur sehr verbreitet. In freiem Zustande (gediegener Schwefel) findet er sich gediegen als Produkt vulkanischer Thätigkeit in Kalk⸗ und Gipslagern und in den damit in Verbindung stehenden Thon- und Mergellagern, ferner auf und in Braunkohlen- und Steinkohlenflözen, so auf Sicilien und in der Romagna, auf den Roten Nee Inseln, in Agypten an den Küsten des Roten Meeres, im Staate Nevada, in Mexiko, im Schwefeldistrikt von Krisuvik auf Island u. s. w. Der S. kommt ferner in Form von Schwefelmetallen (Schwefelkies oder Pyrit, Kupferkies, Bleiglanz, Zinkblende) und schwefelsauren Salzen (Sulfaten) im Anhydrit, Gips, Kieserit, Schwerspat, Cölestin u. s. w. vor. Von Wichtigkeit ist auch das Vorkommen des S. in der Steinkohle, welche bis zu 1, Proz. in Form von Schwefelkies davon enthält. Der S. findet sich als Bestandteil der Pflanzenkörper in orn Verbindungen, so in dem Senf, den Zwieeln, dem Löffelkraut, dem Meerrettich, der Asa foetida, sowie in gewissen Bestandteilen des Tier⸗ und Menschenkörpers (z. B. Eiweiß, Casein, Horn, Haut, Muskeln, Galle). Der S. wird meist durch Ausschmelzen, einzeln auch durch Aalthew mit Schwefelkohlenstoff aus den schwefelhaltigen Kalken, Gipsen, Mergeln gewonnen und kommt raffiniert entweder als Stangenschwefel oder in Form eines feinen gelben Pulvers (Schwefelblumen, Schwefelblüte, flores sulfures, sulfur depuratum) in den Handel. Außerdem wird zu pharmaceutischen Zwecken noch ein anderes Präparat, die Schwefelmilch (sulkur praecipitatum, lac sulfuris), als weißgelbes Pulver dargestellt, indem man ein Polysulfuret des Calciums mittels Salzsäure zersetzt. Der S. kommt in zweierlei Form (rhombisch und monoklinödrisch) und amorph vor. Er ist von schöngelber Farbe, von 1,9 bis 2,2 spezifischem Gewicht, schwachem Geruch und Geschmack, wird durch Reiben elektrisch, leitet aber selbst die Elektricität nicht, löst sich nicht in Wasser, venig in Alkohol und Ather, leicht in Terpentinöl, Benzol, fetten und ätherischen Olen, am leichtesten in Schwefelkohlenstoff. Er schmilzt bei 111. C. zu einer blartigen Flüssigkeit, die bei stärkerm Erhitzen erst dicklich, dann zähe, endlich wieder dünn wird, bei 448 siedet und sich in dunkelbraunrote Dämpfe verwandelt, die beim Verdichten entweder festen S. oder Schwefelblumen bilden. An der Luft erhitzt, entzündet sich der S. bei 260 C. und verbrennt mit blauer Flamme zu schwefliger Säure. In chem. Hinsicht verhält sich der S. dem Sauerstoff analog: mit vielen Elementen verbindet er sich unter Licht- und Wärmeentwickelung und bildet Verbindungen, die sich als Basen (Sulfobasen) und Säuren (Sulfosäuren) verhalten und sich miteinander zu Sulsosalzen vereinigen. Man benutzt den S. in der Medizin als innerliches und äußerliches Mittel, zur Bereitung vieler pharmaceutischer Präparate (Schwefelsalbe, Schwefelbalsam, Schwefelkalium) und chem. Verbindungen (z. B. Zinnober, Schwefellohlenstoff, schwefliger Säure, Schwefelsäure und Glaubersalz, Ultramarin u. s. w.); außerdem dient er in großer Menge zur Bereitung des Schieß⸗ und Sprengpulvers, der Zündrequisiten und Schwefelfäden, zum Schwefeln der Körbe und der Strohgeflechte, des Weins und Biers, zum überpudern des Weinstocks bei der Traubenkrankheit u. s. w. Von den Verbindungen des Schwefels sind zu erwähnen: 1J Schwefel und Wasserstoff. S. und Wasserstoff vereinigen sich in zwei Verhältnissen: a) Schwefelwasserstoff, Hydrothionsäure EeS, s Schwefelwasserstoff. b) Wasserstoffsupersulfid Hz S82, ölige Flüssigkeit, welche beim Eingießen einer Lösung von Schwefelnatrium in Salzsäure entsteht. Zersetzt sich nach kurzer Zeit in Schwefelwasserstoff und Schwefel. 2) Schwefel und Sauerstoff. Es existiert eine ganze Reihe hierher gehörender Verbindungen, die sämtlich Säuren sind. Diese bilden zum Teil Anhydride, zum Teil sind sie auch nur in Salzen bekannt. Es genüge hier, dieselben zu erwähnen, da die wichtigern in eigenen Artikeln behandelt worden. a) Schwefligsäureanhydrid 80., Schwefeldioxyd (s. Schweflige Säure). b) Schwefligsäurehydrat 80(0H)., nur in Salzen bekannt. Schwefelsäureanhydrid 803, Schwefeltrioxyd (s. Schw efelsäure). ch) Schwefelsäurehydrat S0•(0H1e (. Schwefelsäure). e) Unterschweflige Säure 80• (SIHI)(OE), Thioschwefelsäure. k) Unterschwefelsäure 82 04(0H)2. g) Dischwefelsäure S. 05(0H)a, Pyroschwefelsäure (s. Schwefelsäure). h) Hydroschweflige Säure R80(0H). 3) Schwefel und Kohlenstoff. S. vereint sich direkt mit Kohlenstoff und bildet die der Kohlensäure entsprechende Verbindung CS. oder Schwefel⸗

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 577Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

In anderen Lexika 1

Alle Lexika nebeneinander →

Auf derselben Druckseite 3

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Naturlehre 6