FeedSealsfield (Charles)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Sealsfield (Charles), geistvoller Romanschriftsteller, hieß eigentlich Karl Postl und ward 3. März 1793 zu Poppitz bei Znaim geboren, trat, nachdem er das Gymnasium zu Znaim besucht, in das Ordenshaus der Kreuzherren zu Prag, verließ aber im Herbst 1822 das Kloster und wandte sich nach Amerika, wo er den Namen «Charles Sealsfieldo annahm. Im J. 1826 besuchte er Deutschland und veröffentlichte ein Buch in deutscher Sprache über die Vereinigten Staaten. Bald darauf begab er sich nach England und ließ anonym «Austria as it iso (Lond. 1828) erscheinen, welche Schrift allgemeines Aufsehen erregte. Im Sommer 1827 kehrte S. nach der Neuen Welt zurück, wo er eine Reise durch die südwestl. Staaten der Union und Texas unternahm. Unter den Eindrücken derselben schrieb er seinen ersten Roman «Tokeah, or The white rosey (2 Bde., Philad. 1828). Nachdem S. 1829 —30 an der Redaction des in Neuyork erscheinenden «Courrier des Etats-Uniso teilgenommen, welcher nach der Julirevolution von dem Exkönig Joseph Bonaparte angekauft wurde, ging er als Korrespondent des Morning Courier and Enquirero nach Paris. Er lebte jetzt abwechselnd in Paris und London, wo er zugleich mit der Monatsschrift „The Englishmand in Verbindung trat. Im J. 1832 gab er seine Korrespondenzen auf und zog sich nach der Schweiz zurück. Hier machte er sich in weitern Kreisen bekannt durch den Roman „Der Legitime und die Republikanery (3Bde., Zür. 1833), eine übersetzung und Umarbeitung des Tokeahv. Hierauf führte er dem deutschen Publikum das Leben Amerikas in einer Reihe von Skizzen und Gemälden vor, die, obwohl nur lose verbunden, ein Ganzes bilden sollten. So erschienen zunächst die (Transatlantischen Reiseskizzeno (2 Bde., Zür. 1834), dann der Roman Der Virey und die Aristo⸗⸗ kraten) (2 Bde., Zür. 1835), vielleicht das beste seiner Werke, und die (Lebensbilder aus beiden Hemisphäreno (6 Bde., Zür. 1835—37), die in der zweiten Auflage den Titel Morton, oder die große Touro (Stuttg. 1846) erhielten. Letztern schlossen sich an Ralph Dougbys Brautfahrto, Pflanzerleben und die Farbigenv und Nathan, der Squatter-Regulatoro, welche nebst den Reiseskizzeno Teile seiner Lebensbilder aus der westl. Hemisphärer (5 Bde., Stuttg. 1846) bilden. S. unterbrach seine litterarische Thätigkeit auf kurze Zeit durch eine neue Reise nach den Vereinigten Staaten und langte 1838 wieder in der Schweiz an, wo er nun Deutschamerik. Wahlverwandtschafteno (5 Bde., Zür. 1839 —40), Das Kajütenbucho (2 Bde., Zür. 1840) und „Süden und Nordeno (3 Bde., Zür. 1842—43) veröffentlichte. Gesamtausgaben seiner Werke erschienen in 18 (Stuttg. 1843 — 46) und in 15 Bänden (Stuttg. 1845—46). Später besuchte er noch zweimal (1850 und 1859) Amerika. In der Schweiz lebte S. zuerst in Zürich, später in einem einfachen Bauerhause in der Nähe von Solothurn, in welchem er auch 26. Mai 1864 starb. Sein Denkmal in Znaim wurde 23. Okt. 1881 enthüllt. Die Hauptvorzüge der Romane S.s sind gründliche Kenntnis der menschlichen Natur, geschickte Charakterzeichnung, ein geistvoller und dramatischer Dialog und seltenes Beschreibungstalent. Als Mängel erscheinen eine gewisse Nachlässigkeit in der Durchführung des Stoffs und im Stil. Aus seinem Nachlaß veröffentlichte Meißner den Roman „Die Grabesschuldo (Lpz. 1873). Vgl. Kertbeny, „Erinnerungen an S.» (Lpz. 1864); Gottschall, „Charles S.» (in Unsere Zeit, Jahrg. 1865); Smolle, «Charles S. Biographisch⸗-litterarisches Charakterbildo (Wien 1875); W. Hamburger, (S.⸗ Postl. Bisher unveröffentlichte Briefe und Mitteilungen zu seiner Biographier (Wien 1879).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 629Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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