Haimonskinder, die vier Kinder Haimons oder Auymons, Grafen von Dordogne, mit Namen Adelhart, Ritsart, Witsart und Rainald von Montalban (Alard, Richard, Guichard und Renaut de Montauban), sind, vornehmlich der letztere, die Haupthelden einer der schönsten Sagen des karolingischen Sagenkreises, welche deren Kämpfe mit ihrem Landesherrn, Karl d. Gr., zum Gegenstande hat und, wie es scheint, Frankreich ursprünglich angehört. Als erster bekannter dichterischer Bearbeiter derselben wird Huon de Villeneuve genannt, dessen Gedicht Renaut de Montauband vor das J. 1200 fällt und durch Michelant (Stuttg. 1862) herausgegeben wurde. Eine andere altfranz. Bearbeitung hat Imman. Bekker in der Einleitung zu seiner Ausgabe des provencal. Fierabrasv (Berl. 1829) bekannt gemacht. Wie andere epische Gedichte wurde auch das von den H. in Prosa aufgelöst und zum Volksbuche, das zuerst in Lyon 1493 im Druck erschien. Eine deutsche Übersetzung dieses franz. Buchs erschien 1535 zu Simmern. Das gangbare deutsche Volksbuch aber: „Schöne Historie von den vier H. samt ihrem Roß Bayart u. s. w.»„ über welches Görres' Schrift »Die deutschen Volksbücher» (Heidelb. 1807) ausführlich spricht und das Tieck in „Peter Lebrechts Volksmärchen (Bd. 2) bearbeitet hat, ist nicht aus dem Französischen, sondern aus dem Niederländischen hervorgegangen und stimmt mit dem niederländ. Volksbuche von den vier Hemskindern (Antw. 1619) überein, wie denn auch das deutsche, noch ungedruckte Gedicht KRainald von Montalban-aus dem Niederländischen im 15. Jahrh. übertragen ist. Neue Bearbeitungen enthalten die „Deutschen Volksbücherv von SimrocklHeft 9, Frankf. (Stuttg. 1859). Eine engl. Bearbeitung erschien in London 1554, eine spanische 1536 u. öfter.