FeedSeckendorff
GeschichteBrockhaus 1882

Seckendorff (Friedr. Heinr., Reichsgraf von), österr. Feldmarschall, als Diplomat wie als Feldherr berühmt, ein Neffe des vorigen, geb. 5. Juli 1673 zu Königsberg in Franken, studierte 1688 —93 zu Jena, Leipzig und Leiden die Rechte und trat 1693 in das engl.⸗holländ., später aber in das kaiserl. Heer, indem er unter Ludwig von Baden am Rhein und 1698 als Hauptmann unter Prinz Eugen gegen die Türken kämpfte. Im Spanischen Erbfolgekriege führte er in Deutschland das ansbacher Dragonerregiment, wohnte vielen Belagerungen bei und eroberte 1704 bei Höchstädt 16 Fahnen. Zum Oberst ernannt, focht er in den Schlachten bei Ramillies 1705 und Oudenaarde 1708, war bei der Belagerung von Ryssel sehr thätig, trat dann als Generalmajor in kursächs. Dienste und führte 1710 und 1711 die sächs. Hilfstruppen in Flandern. Als poln. Gesandter im Haag nahm er an den Verhandlungen des Utrechter Friedens teil. Nachdem er die Unruhen in Warschau gestillt, wirkte er 1715 zum Falle Stralsunds mit und trat 1716 als Feldmarschalllieutenant in österr. Dienste. An der Spitze zweier ansbacher Regimenter focht er unter Eugen bei Belgrad und 1718 in Sicilien gegen die Spanier, welche er 1720 zu dem Cvacuationsvertrage zwang. S. wurde 1719 Reichsgraf, 1721 Feldzeugmeister und übernahm die Stelle eines Gouverneurs von Leipzig, die er bis 1726 bekleidete. Hierauf un Per als k. k. Botschafter nach Berlin, brachte den Vertrag von Wusterhausen Wreud und später den geheimen Vertrag zwischen Preußen und Ssterreich zu Stande und bewirkte im Interesse des österr. Kabinetts die Verlobung des Kronprinzen Friedrich mit der Prinzessin Elisabeth Christine von Braunschweig-Wolfenbüttel. Später bereiste er die Höfe von Dresden, Kassel, Braunschweig, Ansbach und Gotha, um dieselben zur Anerkennung der Pragmatischen Sanktion zu bewegen. Wie bei den meisten dieser Höfe, gelang ihm diese Absicht 1732 auch in Dänemark und Holland. Das Mißtrauen, welches um diese Zeit Osterreich bei Preußen erregt hatte, wußte er durch eine Zusammenkunft des Kaisers und des Königs zu Kladrup in Böhmen zu beruhigen, den letztern trotz seiner Abgeneigtheit beim Ausbruch des Polnischen Erbfolgekriegs zur Stellung von 10000 Mann Hilfstruppen zu vermögen und auch Bayern, die Pfalz und Köln für den Kaiser zu gewinnen, sodaß 1734 ein Reichsheer am Rhein sich sammelte. Er selbst wurde zum Reichsgeneral der Kavallerie ernannt, überstieg mit 30000 Mann den Hundsrück und schlug 20. Okt. 1735 die Franzosen bei Klauzen. Auf Empfehlung des sterbenden Prinzen Eugen erhielt er, der erste Protestant in solcher Stellung, als Feldmarschall den Oberbefehl über das österr. Heer, welches bei Belgrad stand. Der Anfang des Feldzugs von 1737 war glücklich; doch bald mußte S. sich hinter die Save zurückziehen. Er wurde auf Betrieb der Jesuiten zurückberufen, angeklagt, seiner Würden enthoben und zu Graz gefangen gesetzt. Bei Maria Theresias Thronbesteigung wurde S. rehabilitiert, trat aber bald in die Dienste Karls VII. von Bayern, erhielt den Oberbefehl des bayr. Heeres befreite München und drängte die Osterreicher nach Böhmen zurück. Von den Franzosen im Stich gelassen, mußte er die gewonnenen Vorteile wieder aufgeben; doch drang er, nach Abschluß der von ihm zwischen Bayern und Preußen bewirkten Union zu Frankfurt 1744, noch einmal siegreich vor, befreite ganz Bayern und führte den Kaiser nach München zurück. Nachdem er den Oberbefehl niedergelegt hatte, wirkte er nach des Kaisers Tode noch für dessen Sohn die Versöhnung Osterreichs in dem Faffens zu Füssen (22. April 1745) aus. Von aiser Franz J. in allen seinen Ehrenstellen bestätigt, lebte S. auf seinem Gute Meuselwitz bei Altenburg bis 1758, wo ihn Friedrich II. wegen eines für Preußen nachteiligen Briefwechsels mit Ssterreich im Dezember verhaften und nach Magdeburg abführen ließ. Nach einem halben dreit, gegen Zahlung von 10000 Thalern wieder befreit, ging er nach Franken, kehrte aber 1760 nach Meuselwitz zurück und starb daselbst 23. Nov. 1763. Vgl. Theresius von Seckendorff, Versuch einer Lebensbeschreibung des Feldmarschalls von S.v (4 Bde., Lpz. 1792— 94); Seeländer, «Graf S. und die Publizistik zum Frieden von Füssenp (Gotha 1883). Das Seniorat, das sein Oheim, Veit Ludwig von S., zu Meuselwitz gestiftet, verwandelte er in ein Majorat (Primogenitur) und vererbte es, da er selbst kinderlos war, auf seines Bruders, des preuß. Staatsministers Ernst Ludwig von S. (geb. 1672, gest. 1741) Enkel, den Obersten Friedrich Karl von S.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 635Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 4

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Geschichte 6