Schwerin (Kurt Christoph, Graf von), preuß. Generalfeldmarschall, geb. 26. Okt. 1684 zu Wusecken im pomm. Kreise Anklam, trat, nachdem er zu Leiden, Greifswald und Rostock studiert, 1700 als Fähnrich in holländ. Dienste, focht in den Schlachten von Ramillies und Malplaquet und wurde 1705 Hauptmann. Er trat 1706 in mecklenb. Dienste, stieg 1708 zum Obersten auf und wurde 1711 mit geheimen Aufträgen an Karl XII. nach Bender geschickt, wo er sich ein volles Jahr aufhielt. Nach seiner Rückkehr ernannte ihn der Herzog zum Brigadier und 1718 zum Generalmajor. Als solcher schlug er 1719 das kaiserl. Kommissionsheer (13000 Hannoveraner), welches die Streitigkeiten zwischen dem Herzog und seinen Landständen beilegen sollte. Als aber ein Teil von Vorpommern, wo S.s Güter lagen, an Preußen fiel, trat er 1720 in preuß. Dienste. Friedrich Wilhelm I. schickte ihn als Gesandten nach Warschau, wo er die Unruhen in Thorn zum Besten der Evangelischen beilegen rmußte, ernannte ihn 1730 zum Gouverneur von fPeiz und 1731 zum Generallieutenant und schenkte ihm, zumal seitdem ihm 1733 der Auftrag, die hannov. Truppen abermals aus Mecklenburg zu vertreiben, vollständig glückte, sein besonderes Verrtrauen bei Beratung aller militärischen Angelegenheiten, machte ihn zu seinem Begleiter auf Reisen tund ernannte ihn 1739 zum General der Infanterie. Bei der Thronbesteigung Friedrichs II. zum Feldmarschall und in den Grafenstand erhoben, führte er im ersten Schlesischen Kriege nach dem Einzuge in Breslau den rechten Flügel des preuß. Heeres bis Neisse, drängte den österr. General Browne zufrück und drang bis tief in Mähren ein. Durch kräfetigen Angriff gewann er noch die fast verlorene Schlacht bei Mollwitz (10. April 1741). Nach dem Frieden ernannte ihn Friedrich zum Gouverneur der Festungen Brieg und Neisse. Beim Ausbruch des zweiten Schlesischen Kriegs rückte er durch die Grafschaft Glatz in Böhmen ein und vereinigte sich vor Prag mit dem Könige, worauf die Belagerung „der Stadt begann, die 16. Sept. mit ihrer Kapitulation schloß. Als später die Preußen aus Böhtmen sich zurückziehen mußten, führte S. diesen schwierigen Rückzug mit großem Geschick aus, begab sich aber dann, um seine Gesundheit herzustellen, auf seine Güter. Erst beim Ausbruch des Siebenjährigen Kriegs rückte er wieder ins Feld. An die Spitze des preuß. Korps gestellt, das von Schlesien aus die Ssterreicher 7˙½½ follte, drang er nach [der Lowositzer Schlacht in Böhmen ein und verhinderte die Vereinigung Piccolominis und Brownes. „Den Feldzug des nächsten Jahres eröffnete er an der Spitze eines Korps, mit welchem er in Böhmen einrückte und die Osterreicher an allen Orten zurückdrängte, worauf er mit dem Könige und dem Fürsten Moritz von Anhalt, welche von Sachsen aus auf Prag gerückt waren, sich vereinigte. Auf den Höhen bei Prag stand der Herzog von Lothringen mit dem österr. Heere in einem stark verschanzten Lager. Am 6. Mai 1757 wurde der Angriff beschlossen, der nur auf dem feindlichen rechten Flügel, aber auch hier nur mit der äußersten Gefahr geschehen konnte. Schon begann, nachdem mehrere Angriffe mißlungen, die preuß. Schlachtordnung auf dem linken Flügel zu wanken, als der greise S. die Fahne ergriff und seine Krieger aufs neue gegen die Verschanzungen führte. Doch kaum zwölf Schritte vorgerückt, wurde er von vier Kartätschenkugeln entseelt niedergestreckt und erlebte den Sieg des Königs nicht mehr. Der König ließ sein Bild aus Marmor auf dem Wilhelmsplatz in Berlin aufstellen. Mit Heldenmut und Feldherrntalent verband er Menschlichkeit, Milde gegen Untergebene und religiösen Sinn, auch besaß er umfassende Kenntnisse. Er schrieb selbst eine Kriegskunst und mehrere religiöse Lieder. Eine treffliche Biographie lieferte Varnhagen von Ense in seinen Ausgewählten Schriftenn (3. Aufl., Bd. 6, Lpz. 1873).