FeedSchwimmvögel
TierreichBrockhaus 1882

Schwimmvögel (Palmipedes oder Natatores) ist der gemeinsame Name für verschiedene Ordnungen der Vögel, welche sich durch Schwimmfüße oder Ruderfüße auszeichnen, je nachdem nur die drei Vorderzehen, wie bei Gänsen, Enten, Möven, oder auch noch die vierte hintere Zehe, wie bei Pelikan und Scharbe, durch Schwimmhäute untereinander verbunden sind. Sehr selten sind Lappenfüße vorhanden, indem die Zehen nur mit einem gelappten Hautsaume eingefaßt sind, wie bei dem Lappentaucher (Podiceps). Die Beine sind meist kürzer als der Rumpf, nur bei den Flamingos lang, wie bei den Stelzvögeln, außerhalb der Körpermitte nach hinten gerückt und fast bis ans Hackenelenk gefiedert; das Schienbein ist zwischen den sedern des Rumpfes versteckt, der Hals länger als die Beine, der Steiß mit einer großen Fettdrüse besetzt und der Schnabel meist mit Wachshaut versehen. Auf ihre Bestimmung zum Leben auf dem Wasser deutet schon ihre äußere Gestalt. Die Unterseite des Rumpfes ist abgerundet, damit der Körper weniger tief im Wasser einsinkt; die Brust tritt gewölbt weit vor, um das Wasser leichter durchschneiden zu können; um den Körper durch Rudern kräftig fortzubewegen, sind die Beine außerhalb des Mittelpunktes des Körpers eingefügt, die an „Bauch und Brust sehr dicht stehenden Federn sind an der Fläche so gewölbt, daß unter ihnen eine sehr „dichte, Luft einschließende Flaumschicht stehen kann, wodurch die spezifische Leichtigkeit des Körpers befördert wird. Außerdem ist das ganze Gefieder so von Ol durchdrungen, daß das Wasser nicht eindringen kann. Viele dieser Vögel können auch sehr gewandt, wie die Möven und Seeschwalben, oder sehr ausdauernd fliegen, wie die Tropikvögel, die Sturmvögel und Albatros. Manche dagegen fliegen schwerfällig; nur wenige können gar nicht fliegen, wie der große Alk und die Fettgänse (Pinguine). Die meisten S. nähren sich von Wassertieren, wenige von Pflanzen. Im Verhältnis zu der Art des Futters ist auch die Form des Schnabels sehr verschieden. Bei den Scharben und Raubmöven gleicht er mehr dem der Raubvögel, bei den Tauschern, welche ihre Beute im Stoße erhaschen, ist er lang und sehr spitzig, bei den Enten breit, löffelförmig und innen mit Reihen feiner Hornplättchen versehen, welche etwa einen gleichen Dienst verrichten wie die Barten beim Walfisch. Wegen der leichten und reichlichen Ernährung und der raschen und kräftigen Verdauung werden die S. meistens sehr fett; doch ist das Fett oft mit dem Geruch der zum Futter dienenden Fische durchdrungen und macht das Fleisch dann ungenießbar, wie bei vielen Seeschwimmvögeln. Die Stimme äußert sich in Schreien, Krächzen und Schnattern. Gewöhnlich sind die S. fruchtbar; doch legen manche auch nur ein Ei. Meistenteils leben sie monogamisch und bauen stets kunstlose Nester, welche sie öfters mit den Federn und Dunen des eigenen Körpers ausfüttern. Seeschwimmvögel bilden gewöhnlich große Vereine, wo Tausende von Nestern nebeneinander stehen. Die Jungen vermögen meist wenige Stunden nach dem Auskriechen aus dem Ei zu schwimmen und entwickeln sich schnell. Prachtfarben besitzen die S. zwar nicht; doch haben viele eine hübsche Zeichnung, spiegelndes Gefieder und manche sogar an einzelnen Stellen lebhafte glänzende Farben, besonders die Enten. Im ganzen gehören sie zu den größern und zum Teil zu den größten Vögeln; nur wenige haben eine geringe Körpergröße. Die Ordnungen der S. sind: 1) Die Taucher (s. d., Urinatores), zu denen die Pinguine mit dem Riesenpinguin (Aptenodytes patagonica, Tafel: Schwimmvögel J, Fig. 1),, die Alke (s. d.) mit dem Krabbentaucher oder Lumme (s. d., Uria troile, Fig. 2), dem Lund (Alca arctica, Fig. 3), dem Tordalk (Alca torda, Fig. 4), dem ausgestorbenen Riesen⸗ oder Brillenalk (Alca impennis, Fig. 5), die Seetaucher (Colymbus) und die Steißfüße (s. d.) mit dem Haubensteißfuß (Podiceps cristatus, Fig. 6) gehören. 2) Die Langflügler (Longipennes), ausgezeichnet durch lange, spitze Flügel und brillanten Flug. Zu ihnen gehören die Möven (s. d.) mit der Heringsmöve (Larus fuscus, Fig. 7) und der Riesenraubmöve (Lestris catarractes, Fig. 8), der Albatros (s. d.)„ Diomedea exulans, Fig. 9). 3) Die Ruderfüßler (Steganopodes, s. d.) mit dem Tropikvogel (s. d., Phaton aethereus, Fig. 10), dem Fregattvogei (. d., Tachypetes aquila, Fig. 11), den Pelikanen (s. d.), zu welchen der braune Pelikan (Pelecanus kuscus, Fig. 12) gehört, mit dem Tölpel (Sula bassana, Fig. 13) und endlich mit den Scharben, deren häufigste Art der Cormoran (s. d., Phalacrocoràx carbo, Tafel: Schwimmpögel II, Fig. 1) ist. 4) Die Siebschnäbler (s. d., Lamellirostres) mit den Untergruppen der Säger (Hergus, z. B. der Gänsesäger, Mergus meganser, Fig. 2); der Enten (s. d.) mit zahlreichen Arten, wie die Eiderente (Somateria mollissima, Fig. 3), die Schellente (Fuligula clangula, Fig. 4), die Mandarinente (Anas galericulata, Fig. 5), die Brautente (Auas sponsa, Fig. 6), die Wildente (Anas boschas, Fig. 7); der Gänse (s. Gans), zu denen die Brandgans (Vulpanser tadorna, Fig. 8), die Hühnergans (Cereopsis Norae Hollandiae, Fig. 9), die Ringelgans (Bernicla torquata, Fig. 10) und die Graugans (Anser cine: reus, Fig. 11) zu zählen sind; der Schwäne (s. d.) mit dem Höckerschwan (Cygnus olor, Fig. 12). Zu den Siebschnäblern gehören auch die Flamingos (l. d.), deren häufigste Art der rosenrote (Phoenicopterus roseus, Fig. 13) ist. Die gemeine Gans und einige Entenarten sind Haus⸗ und Luxusvögel. (S. Tafel: Geflügel, Fig. 1—10.)

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 613Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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