FeedSégur (Philippe Paul, Graf von)
GeschichteBrockhaus 1882

Ségur (Philippe Paul, Graf von), franz. General und Militärschriftsteller, Sohn des vorigen, geb. 4. Nov. 1780, trat nach der Revolution vom 18. Brumaire in das Heer und wohnte dem Feldzug Moreaus in Bayern, sowie dem Macdonalds in Graubünden bei, den er auch unter dem Titel „Campagne du général Macdonald dans les Grisonso (Par. 1802) beschrieb. Der Erste Konsul nahm ihn 1802 in seinen Generalstab auf und ernannte ihn zum Palastadjutanten, als Kaiser 1804 zum Pagengouverneur. S. unterhandelte 1805 mit Mack die Kapitulation zu Ulm. Im poln. Feldzug von 1807 Napoleons Adjutant, fiel er in die Hände der Russen, die ihn nach dem Frieden von Tilsit auslieferten. Hierauf befehligte er ein Husarenregiment in Spanien und nahm teil an der Erstürmung der Höhen von Somo-Sierra, wofür ihn der Kaiser zum Oberst erhob. Im Feldzug von 1812 befand er sich als Brigadegeneral im Gefolge des Kaisers. und 1814 mußte er das 5. Regiment der Garden organisieren, an dessen Spitze er besonders bei Reims mit Auszeichnung kämpfte. Nach dem Sturze des Kaisers gab ihm Ludwig XVIII. den Befehl über die aus der Alten Garde gebildete Kavallerie. Während der Hundert Tage wendete sich S. jedoch Napoleon zu und diente als Generalstabschef bei dem Armeekorps, welches den Rhein decken sollte. Nach der zweiten Restauration zog er sich deshalb zurück und schrieb seine berühmte (Iistoire de Napoléon et de la grande armée pendant l'année 18125 (2Bde., Par. 1824 u. öfter; deutsch von Kottenkamp, Mannh. 1835 u. öfter). Dieses durch epische Darstellung und philos. Anschauungsweise ausgezeichnete Werk, als Kriegsgeschichte allerdings unzuverlässig, fand an dem General Gourgaud einen heftigen Gegner, der aus militärischem Gesichtspunkte ein Examen seritiques (Par. 1825) über dasselbe veröffentlichte. S.8 (Histoire de Russie et de Pierre-le-Grando (2 Bde., Par. 1829; deutsch, Lpz. 1837) zeichnet sich mehr durch gefällige Form als durch tiefe Forschung aus. Die Französische Akademie wählte ihn 1830 zum Mitglied. Nach der Julirevolution von 1830 trat er wieder in den aktiven Dienst und erhielt 1831 den Grad eines Generallieutenants, s owie die Pairswürde. Mit Hilfe der Papiere seines Vaters veröffentlichte er eine Histoire de Charles VIII) (2 Bde., Par. 1835). Er starb 25. Febr. 1873 zu Paris, als der letzte franz. General, der am russ. Kriege von 1812 teilgenommen. Aus seiner Hinterlassenschaft wurde noch veröffentlicht: (Histoire, mémoires, période de 1789 à 1848 (8Bde., Par. 1873). Vgl. Taillandier, Le général Philippe de S., (Par. 1875).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 661Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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