Ségur d'Aguesseau (Louis Philippe, Graf von), Dichter und Geschichtschreiber, der älteste Sohn des Marschalls und Bruder Joseph Alexandres, geb. zu Paris 10. Dez. 1753, heiratete Antoinette Marie Elisabeth (gest. 5. März 1818), die Tochter des Kanzlers d'Aguesseau. Als Oberst machte er den Krieg in Amerika mit und ward der Freund seines Verwandten Lafayette sowie Washingtons. Im J. 1783 kam er als Gesandter nach Petersburg, wo er sich die Gunst der Kaiserin Katharina II., die er auf ihrer Reise nach der Krim begleitete, erwarb, dem brit. Einfluß entgegenarbeitete und 1787 einen vorteilhaften Handelsvertrag zwischen Frankreich und Rußland zu Stande brachte. Beim Ausbruch der Revolution zurückberufen, trat er in die Nationalversammlung und erhielt den Grad eines Maréchal-de-Camp. Nach des Königs Tode trat er aus dem Staatsdienst und in der Schreckenszeit verlor er sein großes Vermögen. Er zog sich nach Chätenay bei Sceaur zurück, wo er den Unterhalt für seine Familie durch Schriftstellerei erwarb. Zuerst veröffentlichte er das Théaàtre de 'hermitagey (2 Bde., Par. 1798), eine Sammlung geistreicher Lustspiele, die er für das Privattheater der russ. Kaiserin geschrieben hatte. Hierauf erschien sein KTableau historique ot politique de I'Europe de 1786—96, contenant histoire de Frédéric-Guillaume IIo (3 Bde., Par. 1800), dem anmutige Contes, fables, chansons et versy (Par. 1801) folgten. In den spätern Jahren beschäftigte sich S. viel mit histor. Studien. Aus dieser Periode sind zu erwähnen: Histoire uni-⸗ verselle ancienne et modernes (44 Bde., Par. 1817; 10 Bde., 1821 u. öfter), &Galerie morale et politiquey (Par. 1817), das Gedicht Les quatre ages de la vier (Par. 1819), die Romances chansonso (Par. 1819), endlich sein Hauptwerk, die ausgezeichneten Mémoires ou souvenirs et aneedoteso (3 Bde., Par. 1825 —26). Unter dem Kon-e sulat war S. Mitglied des Gesetzgebenden Körpers, des Staatsrats und 1803 des Instituts geworden. Bei Errichtung des Kaiserthrons ernannte ihn Napoleon J. zum Grafen, zum Oberceremonienmeister und 1813 zum Senator. Nach der ersten Restauration erhob ihn Ludwig XVIII. zum Pair; doch verlor er diese Würde, weil er während der Hundert Tage in die Dienste des Kaisers getreten war. Erst 1818 erhielt er seinen Sitz in der Pairskammer zurück. Er starb 27. Aug. 1830. Seine „Oeuvres compléèteso erschienen in 34 Bänden (Par. 1824—30).