FeedSenkenberg
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Senkenberg (Heinr. Christoph, Freiherr von), deutscher Jurist, geb. zu Frankfurt a. M. 1704, wurde 1735 Professor der Rechte in Göttingen und 1738 Regierungsrat in Gießen. Im J. 1749 ging er als nassau-oranischer Geh. Justizrat nach Frankfurt und 1750 nach Wien, wo er geadelt und Reichshofrat wurde und 1768 starb. Unter seinen Werken sind zu erwähnen: Selecta juris et historiarum tum anecdota tum jam edita et rariora o (6 Bde., Frankf. 1734—42), «Corpus juris feudalis Germanici o (Gieß. 1740), &Corpus juris Germanici publicio (2 Bde., Frankf. 1760—65), De jure pri⸗- marum precum regum Germaniaer (Frankf. 1789). Sein Sohn, Renatus Karl, Freiherr von S., geb. zu Wien 1751, studierte zu Tübingen, [Göttingen und Straßburg, ging um 1773 nach Rom, wurde daselbst Mitglied der Gesellschaft der Akademie und nach seiner Rückkehr zum Regierungsrat in Gießen ernannt. Wegen einer während des Bayrischen Erbfolgekriegs an Bayern ausgehändigten abschriftlichen Urkunde aus dem Nachlaß seines Vaters wurde er bei seiner Anwesenheit in Wien verhaftet und dann aus den österr. Staaten verwiesen. Im J. 1784 trat er aus dem Staatsdienst und lebte nun der Litteratur und Schriftstellerei. Unter anderm lieferte er die Fortsetzung von Häberlins «Deutscher Reichsgeschichtes (Bd. 21—27, Frankf. 1798—99). Er starb 1800 und vermachte der Universitätsbiliothek zu Gießen seine aus 15000 Bänden bestehende Bibliothek, ein schönes Haus und 10000 Fl. Johann Christian S., der Bruder von Heinrich Christoph S., geb. zu Frankfurt 1717, lebte als praktischer Arzt in seiner Vaterstadt und hat sich um dieselbe ein bleibendes Verdienst erworben durch die Begründung des nach ihm benannten Stifts, eines Bürgerhospitals mit anatom. Theater, chem. Laboratorium, botan. Garten und einer Bibliothek. Er starb noch vor Vollendung dieses Baues 1772 infolge eines Falles. Im J. 1817 wurde S. zu Ehren zu Frankfurt die Senkenbergsche naturforschende Gesellschaft gestiftet und mit dem Senkenbergschen Stift vereinigt, die im Besitz eines ausgezeichneten naturhistor. Museums ist, welches besonders durch Rüppell bereichert wurde. Vgl. Kriegk, «Die Brüder S. Eine biographische Darstellunge (Frankf. 1869).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 700Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 8

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Literatur & Sprache 6