Tunis oder Tunesien, von den Arabern Ifrikija genannt, ehemals ein Vasallenstaat der osman. Pforte in Nordafrika, seit 1881 unter franz. Protektorat, wird im W. und SW. von A erien, im N. vom Mittelmeer, im O. ebenfalls vom Mittelmeer, im S. und SO. von Tripolis begrenzt und fun ein Areal von 116348 q˙km, wovon 47 Proz. ruchtbares Land, 10 Proz. Hochlandsteppen und 43 Proz. auf die Sahara fallen. In physischer und ethnogr. Beziehung kommt es im allgemeinen ganz mit dem übrigen westl. Nordafrika überein. Der 651 km lange Küstensaum ist ziemlich einförmig, im Osten vorherrschend flach, sandig und unfruchtbar, im Norden meist durch hohe, aus dem Meere steil aufsteigende Felsenmassen gebildet, hier wie dort mit zahlreichen Buchten (11 Häfen) und Vorgebirgen versehen, unter denen der Golf von Tunis, von Hammamet und von Gäbes, das Kap Blanco oder Ras-el-Abid, der nordlichste Punkt Afrikas, und das Kap Bon oder Räs Addar die bemerkenswertesten sind. Der Atlas bildet zum Teil die Westgrenze des Landes, und mehrere seiner Verzweigungen durchziehen es der Breite nach, vorherrschend in nordöstl. Richtung, 900—1525, zum Teil bis 2130 m hoch. Der südl. Teil gehört zur Steppe von Biledulgerid (s. d.), in deren tiefster Stellen das Schott Gharsa und das Schott el-Dscherid oder Kebir (der Palus Tritonis der Alten) auftreten. Nennenswerte Seen sind außer dem von Biserta oder Bisert an der Nordküste noch der von T. Die Bäche und Flüßchen aber verlieren sich im Sande oder erreichen nach kurzem Laufe das Meer. Kein einziger Fluß ist schiffbar. Der bedeutendste ist der Medscherda (Bagradas der Alten), der im Norden der Hauptstadt mündet und durch seine ausgedehnten Schlammabsätze in der Regenzeit das Land fruchtbar macht. Mineralquellen von höherer Temperatur gibt es bei der Hauptstadt, zu Gurbos, Tozer und Ghaffa. Bei dem überaus gunstigen Klima, welches ein Minimum von +1C. und ein Maximum von + 36C. aufweist, und dem meist vortrefflichen Boden ist die Vegetation in T. kräftig und reichlich. Besonders fruchtbar ist die nördlich von dem Medscherda gelegene Landschaft Frigeah und das Dscherid mit seinen 2 Mill. Dattelstämmen. Die Hälfte des Reichs ist unter Kultur, die stetig zunimmt. Man gewinnt Weizen, Gerste, Mais und Durrahirse, Hülsenfruchte, Oliven, Orangen, Feigen, Weintrauben, Granaten, Mandeln, Obst und Datteln in Fülle, auch etwas Baumwolle. Kaktus gedeiht üppig. Rindvieh ist in großer Menge vorhanden. Auch zieht man Schafe mit tresilicher Wolle, andere mit Fettschwänzen, ausgezeichnete Pferde sowie Drome-f dare. An Mineralien finden sich Seesalz, Sal-e peter, Bleierze und Quecksilber. Sehr ergiebig sind t die goldreichen Bleiminen von Dschebba im Korragebirge, 178 Em von Tunis, und die im Dschebail-I Resas, d. h. Rerunz 18 km von Tunis. Die Bevölkerung des Landes wird zu 1500000 angegeben. Dieselbe ist vorwiegend arabisch, sonst aber in ihren Clementen sehr gemischt, da auf die ältesten Einwohner, die Gätuler und Numidier, Phönizier, Römer, Vandalen, Griechen und aus f Spanien vertriebene Mauren folgten. Man rechnet 45000 Juden, 25 100 Katholiken, 400 griech. Katholiken und 100 Protestanten, die übrigen sind [l Mohammedaner. Der Ackerbau wird bei der hohen Produktionsfähigkeit des Bodens sehr lässig betrieben. Bedeutend und reichlich lohnend ist die Ol-I tultur. Fischerei treibt man sehr ausgedehnt im See von Biserta. Die Industrie ist nicht unbeträchtlich, besonders in der Nähe der Küste; desgleichen der Handel, der sich besonders in den Städten Tunis, Sfaks und Susa konzentriert. Ausgeführt werden Wolle, Olivenoöl, Esparto Südfrüchte, Datteln, Gerste, Hülsenfrüchte, Tabak, Seidenwaren, Wollstoffe, Wachs, Honig, Felle, Saffian, rote Kappen, Korallen, Schwämme, Lumpen und Korkholz. Auf den Karawanenwegen gehen Tuch, Musselin, Seidenzeug, rotes Leder, Gewürze, Cochenille, Waffen nach dem Innern Afrikas, woher jetzt nur noch Sennes, Gummi, Straußenfedern, Goldsand und Elfenbein eingeführt werden. Beträchtlich ist die Einfuhr von Manufaktur⸗ und Kolonialwaren aus den südeurop. Häfen. Im J. 1884 betrug der Wert der Einfuhr 38 141936 Piaster (23838 700 Frs.), wovon 79 Proz. über Goletta, derjenige der Ausfuhr 19572710 Viaster ——2 607940 Frs.), wovon 19 Proz. über Goletta. Die Häfen der Regentschaft wurden 1883 von 3768 Schiffen mit einem Gehalt von 1524429 Registertons besucht, davon fuhren unter franz. Flagge 1222 Schiffe von 1018 535 t. Monopole der Reierung sind: Tabak, Salz, Gerberei von Rinder⸗, Pferde⸗ und Kamelhäuten und die gesamte Fischerei. Die Handelsmarine zählt etwa 300 Schiffe von 10 bis 150 Registertons. An Eisenbahnen bestehen die Linien Tunis-Goletta (17, Km), Auina-Marsa-Goletta (15 Km), Tunis-Bardo (6 Km)/ Tunis-Bone (354 km), Tunis-Hammanel-Lif (18 km), usammen 410,8 Kkm. Die Zahl der Post-Annahmesielen beträgt 26, der Ausgabestellen 10. An Telegraphenlinien besitzt Tunis bereits 2004 EKm. Die Regentschaft wird von einem Bei geführt, welcher seit dem Vertrag von Kasr-el-Said vom 12. Mai 1881 unter franz. Protektorat steht; der Vertrag ist durch die Ausführungsdekrete vom 22. April 1882 ergänzt worden. Regierender Bei ist Sidi Ali, geb. 1817, erwählt 28. Okt. 1882. n T. hat man vielfach mit den alten orient. Überlieferungen gebrochen und sich europ. Anschauungen und Sitten genähert. Schon 1842 hob man die Stlaverei, 1846 den Sklavenhandel auf. Am 28. Juli 1858 verlieh der Bei Sidi Mohammed ein 1860 noch erweitertes Organisches Gesetzy für das «Königreich T.», welches jedoch nach dem Aufstand von 1864 wieder aufgehoben ward. Das Budget für 1884—85 bezifferte sich auf 23742000 Piaster. Von der tunesischen Armee ist nur e dem Bei bewilligte Ehrengarde lein Bataillon, eine Schwadron und eine Batterie) übriggeblieben. Von franz. Truppen befinden sich in der Regentschaft eine Division von zwei Brigaden. Ein franz. Stationsschiff vertritt die Marine. Die alte Geschichte von T. fällt mit derjenigen Karthagos zusammen. Auf die Karthager folgten Römer, welche der Provinz den Namen Afrika gaben. Dann kamen Vandalen, Griechen im J. 533 unter Belisar, endlich Araber, welche unter dem Kalifen Othman das ganze Land sich unterwarfen und die Stadt Kairwan 675 zu ihrer Hauptstadt erhoben. Einmischungen von seiten Europas fanden unter Ludwig dem Heiligen 1270 und Karl V. 1535 statt. Der Kreuzzug des erstern mißlang, da der König am Fieber starb. Die Expedition Karls V. dagegen wurde durch die Eroberung der Hauptstadt, die Befreiung von 20000 Christenstlaven und die Rückgabe der Stadt an den rechtmäßigen Herrscher gekrönt. T. wurde 1575 der Oberherrschaft der Sultane unterworfen und von Beis regiert, bis sich Hammuda, welcher 1782 1814 mit Kraft und Verstand herrschte, von der Herrschaft der Osmanen befreite. Seit der Besitznahme von Algier durch die Franzosen 1830 erhielt T. größere polit. Wichtigkeit. Anfangs unterstützte T. Abd-el-Kader gegen Frankreich. Allein seitdem die osman. Pforte ihre Sberherrschaft über T. wirksamer geltend zu machen versuchte, schloß sich Bei Sidi Achmed enger an Frankreich an und suchte mit Hilfe seines Ministers, des ital. Chevaliers Ruffo, Land und Hofstaat zu europäisieren. Doch verstand er sich 1854 zu bedeutender Hilfsleistung an die Pforte gegen Rußland. Im J. 1858 gelangte der Reformator Sidi Mohammed auf den Thron, welcher dem Lande die erwähnte Verfassung gab. Seine Neuerungen fanden nur bei Christen und Juden gute Aufnahme, während die Araber, Mauren und Kabylen des Gebirges, welche 18000 Mann Kriegstruppen stellen können, sich dagegen erklärten und sich empörten, als der Bei seine Armee auf 17000 Mann verminderte, um Geld für nützliche Arbeiten zu gewinnen, gleichzeitig aber die Kopfsteuer um das Doppelte mio te. Am 23. Sept. 1859 starb Mohammed und ihm folgte Mohammed-Es-Sadok. Dieser sah sich genötigt, die Verfassung aufzuheben und die Kopfsteuer herabzusetzen. Durch Ferman vom 25. Okt. 1871 genehmigte der Sultan die Autonomie von T. und bewilligte der Familie des Bei die erbliche Regierung nach dem Erstgeborenenrechte, erließ ihm auch den Tribut ganz. Der Sultan erteilte nur noch die Investitur und hatte die Entscheidung über Krieg und Frieden. Im März 1881 benutzte Frankreich einige, seitens der tunes. Khrumir (s. d.) begangene Grenzverletzungen zu einer militärischen Expedition gegen T., welche zur Eroberung des ganzen Landes führte. In den Tagen vom 13. bis 18. April trafen die zur Bildung des 25 000 Mann starken Expeditionskorps unter General Forgemol de Bostquenard bestimmten Verstärkungen aus Frankreich in Algerien ein, und in Toulon wurde eine Reserve von 5000 Mann bereit gestellt. Trotz der Proteste des Bei und der Pforte überschritt der rechte Flügel, 3 Brigaden unter General Logerot, 24. April in zwei Kolonnen die Grenze, besetzte el Kef, erreichte am 29. Arba und trat in Verbindung mit dem linken Flügel (3Brigaden unter General Delebeque), welcher am 26. April die Grenze überschritten und — — der Felsenburg des Marabut Abd-Allah ben nach mehrern Gefechten bis zum 5. Mai die Khru-Duhemel eingeschlossen hatte. Am 26. April war die Insel Tabarka durch ein franz. Flottengeschwader besetzt und den Khrumir damit der einzige Hafen, über welchen ihnen Waffen und Munition zugeführt werden konnten, entzogen worden. Im Medscherdathal fand zwar 30. April bei Dschenan Zaba ein überfall der franz. Vortruppen, welche bis zur Bahnstation von ben Metir weichen mußten, durch die Chiajastämme statt, doch trafen bald Verstärkungen ein, sodaß sich die Franzosen dort halten konnten. Am 8. Mai unternahmen 16 franz. Bataillone den Sturm auf die feste Stellung der Khrumir, fanden dieselbe indessen verlassen. In den folgenden Tagen kam es mehrfach u kleinen Gefechten, doch entzog sich der Gegner stets rechtzeitig der Umzingelung und entkam ohne ernsten Verlust, die Khrumir gingen nach dem Dschebel Balta und dann nach dem Dschebel Chaada (0 km östlich von Tabarka) zurück und wurden dort mit Hilfe der Flotte eingeschtossen, versuchten 25. Mai, noch 10000 Mann stark, die franz. Linien zu durchbrechen, wurden aber abgewiesen und lösten sich nunmehr auf; sie kehrten in ihre Wohnplätze zurück und leisteten keinen weitern Widerstand. Bei ben Metir stand ein 8000 Mann starkes tunes. Heer unter dem Thronfolger Ali Bei unthätig und beobachtete diese Vorgänge. Inzwischen hatten sich in der Gegend zwischen Biserta und T. Ereignisse von größerer Tragweite vollzogen. Am 1. Mai erschien vor Biserta ein franz. Geschwader und landete in den folgenden Tagen eine Brigade unter General Bréart. Dieser rückte 8. Mai gegen T. vor, erschien am 12. vor dem Bardo und bewirkte noch an demselben Tage die Unterzeichnung des Vertrags von Kasr-el-Said, durch welchen der Bei den Franzosen alle Regierungsgewalt übertrug und nur noch dem Namen nach Beherrscher der Regentschaft blieb. Durch Dekrete vom 22. April 1882 wurde das Verfahren bei Ausführung des Vertrags geregelt, und alle Dienstzweige in Tunesien sind seitdem den entsprechenden franz. Ministerialdepartements unterstellt. Der franz. Ministerresident in T. ist der direkte Vertreter aller Dienstzweige und in Paris ist ein Bureau für tunes. Angelegenheiten errichtet, welches den Schriftwechsel des Ministerresidenten mit der franz. Regierung vermittelt. Am 28. Okt. 1882 starb Mohammedes-Sadok ihm folgte als Bei sein 1817 geborener Bruder Sidi Ali. Am 7. Nov. verlangte die Pforte, diesem die Investitur zu erteilen; doch lehnte dies Frankreich ab. Zur Sicherung des Vertrags blieb franz. Garnison in Manuba, 2 km westlich des Bardo, ferner in Biserta, Mater, Bedscha, Ain-Draham, Tabarka Hernana, Gardimau, Arba und Kef, im ganzen Brigaden (9000 Mann), während der Rest des amhährte. . gegen Ende Juni nach Frankreich zurückkehrte. Da erhob sich der ganze Süden von Tunesien, entflammt durch die Nachrichten über ou Amenas Erfolge in Algerien, zu einem heiligen Kriege. Am 28. Juni wurden die Europäer in Sfar überfallen und der dortige franz. Konsul vertrieben. Vergeblich versuchten 1500 Mann tunes. und bald darauf auch franz. Truppen in Sfax zu landen, worauf 6. und 7. Juli zwei franz. Panzerschiffe und zwei Kanonend Stadt beschossen. Aus Frankreich wurden Verstärkungen abgesendet, und 15. Sia erschien ein Geschwader von 14 Schiffen vor Sfax, beschoß die Stadt, zerstörte die Befestigungen an der Küste und nahm 16. Juli die Stadt und deren Citadelle mit Sturm. Ein Teil des Geschwaders bemächtigte sich 24. Juli der Stadt Gabes und setzte sich in deren Nähe an der Küste fest. Der Aufstand war .— nicht gedämpft, und namentlich zwischen und Hammamet blieben starke Scharen im Felde, welche raubend und plündernd bis Manuba und La Goletta streiften. General Logerot, welcher in Tunesien befehligte, empfing 30. Juli aus Frankreich eine Brigade (4000 Mann) Verstärkung und sicherte zunächst die Cisenbahn von T. nach Medsches el Bab. Die tunes. Armee war größtenteils auseinander gelaufen und hatte sich dem Aufstande der Araber angeschlossen. Im August wurden zwei franz. Kolonnen nach Süden vorgesendet, deren eine am 24. el Arbain nördlich von Hammamet erreichte, sich zwar tags darauf eines Uberfalls der Araber notdürftig erwehrte, aber, vom Feinde verfolgt, zurücgehen mußte und mit starkem Verlust 30. Aug. in Hammam el Lif eintraf. Am 7. Okt. wurde dieser Platz, der inzwischen mehrmals angegriffen worden war, von den Franzosen geräumt und darauf von den Arabern zerstört. Die zweite Kolonne war 26. Aug. nach dem Melianahthal aufgebrochen, bestand im September viele kleine Gefechte, die teilweise zu Gunsten der Araber aus; fielen, verlor Geschütze und geriet in sehr üble Lage, da ihr die Wasserleitung vom Feinde abgeschnitten wurde; doch gelang es mit Hilfe einer frischen Verstärkungsbrigade, ihr noch rechtzeitig Hilfe zu bringen, und am 18. Sept. war dort die Gefahr überwunden. Seit Ende August hatte sich der Aufstand aber bis in das Medscherdathal ausgedehnt, wo täglich Gefechte stattfanden. Der Rest der tunes. Armee wurde von den Arabern bei Testur 25. Sept. eschlagen und 28. nach Medsches getrieben, wovanf ein Teil der Eisenbahn zerstört wurde; doch gelang es mit Hilfe franz. Truppen, den Feind zurückzudrängen und 6. Okt. bei Testur schlagen. Die tunes. Armee kehrte hierauf nach T. zurück und wurde dort aufgelöst; die Bahn konnte am 26. Okt. wieder in Vetrieb gesezt werden. Auch die Garnison der Festung Kef hatte 28. Sept. und 24. Olt. Kämpfe mit den Arabern zu bestehen, deren Hauptmacht im Oktober bei Teburzuk stand und durch gemeinsames Vorgehen ranz. Kolonnen von Kef und Testur her eschlagen und auseinander getrieben wurde. Die ranzosen brannten die Dörfer nieder, vernichteten die Bäume und die Ernte und trieben das Vieh fort, um die Unterwerfung zu erzwingen, und 19. Nov. gelang es ihnen, die Aufständischen im Uled-Ayargebirge Enzuschließen, worauf deren Unterwerfung gegen Ende Dezember erfolgte. Inzwischen hatten im Melianahthal 25. und 26. Sept. und vor dem Krarubapaß 11. Okt. ernste Gefechte stattgefunden, und 11. Sept. war au Susa von den Framzofen besetzt worden. Neue erstärkungen waren aus Frankreich angekommen und General Saussier verugte in Tunesien am 5. Okt. über 45000 Mann „ beschloß, sich der Stadt Kairuan, des religiösen Rittelpunktes der Beduinenstämme, zu bemächtigen. Am 20. Olt. begann der Vormarsch in drei Kolonnen von Tebeßa, Zaghuan und L. nachdem General Saussier 5. Okt. die Stabt hatte besetzen lassen; die Truppen fanden wenig Widerstand, hatten aber durch Wassermangel Hitze sehr —* leiden, —νπ große Herden Wiez und erreichten 28. Okt. Kairuan. Mobile Kolonhalben die Bevölkerung, und im Daennber kehrte nen durchzogen das Land und unterwarfen allentein Teil der Truppen nach dem nördl. Tunesien — Zunächst wurde ein volles Armeekorps in korps 1886 auf eine Division von zwei Brigaden vermindert werden, da die Bevölkerung keine weitern Aufstandsversuche unternommen hat. Die tunes. Compagnies mixtes wurden aufgelöst und als Stämme für die neu errichteten franz. 4. Turkos⸗ und 4. Spahisregimenter verwendet. Par. 1864); Dilhan, allistoire abrégée de la régence de 1.5(Par. 1866); de Flaur, La régence de T.5 (Par. 1866); Finotti, La reggenza di Tunisio (Flor. 1875); Desfosses, La Tunesie; histoire, finances, politiques (Par. 1877); Hesse-Wartegg, «T., Land und Leuten (Wien 1882); de la Berge, En Tunisie. Récit de Lexpédition francaiser (Par. 1881); Duveyrier, La Tunisieo (Par. 1881); „Les Francais en Afrique; la guerre en Tunisie (Par. 1881); Guérin, (Voyagearchéologique dans la régence de Tuniso (2 Bde., Par. 1881) Holub, «Die Kolonisation Afrikas (Bd. 1, Die Franzosen in T.v, Wien 1881); Niel, Tunisies (Par. 1884); Tissot, Exploration scientifique de la Tunisies (Bd. 1, Par. 1884). „Die Hauptstadt Tunis liegt 45 km vom Meere, am Hintergrunde des Kleinen Meers, Cl-Bahira, einer mit dem Golf von Tunis durch den Kanal von Goletta in Verbindung stehenden Salzlagune. Sie hat 7 km im Umfang. Zu dem 3—7 m tiefen sichern Hafen bei dem mit 170 Kanonen versehenen Fort und der von 3000 meist Maltesern und Italienern im Winter bewohnten Ortschaft La Goletta führt ein 5 mtiefer Kanal aus Lage von Tunis. der Lagune bei der Stadt. Im Innernzeigt die Stadt ein Labyrinth von engen, unsaubern Gassen, fünf große und viele kleine Moscheen, worunter die 1223 erbaute Moschee des Olbaums, Dschama-el-Situn, mit den Gräbern der Landesherrscher, die schönste und größte ist. Zahlreich sind auch die Bazars, in denen reges Handelsleben herrscht. Der Palast des Bei, die Kasbah, ist stattlich im maurischen Stil erbaut. Der Sitz der Regierung ist im Bardo, einer von Türmen flankierten, starken Burg, 4 Km nordwestlich von der Stadt, welche auch die polytechnische Schule, mit meist franz. Lehrern, und das Staatsgefängnis enthält. Man zählt 201 Cafes und Schenken, 193 Karawanserais, 3Hotels, 28 Bäder, 2 Hospitäler, 27 Kornlager, 12 Olpressen, 111 Synagogen, 2 öffentliche Bibliotheken mit 12000 Harab. Manuskripten, 59 Elementarschulen mit 1239 Schülern, 27 Medressehs, die Universität der großen Moschee mit 42 Professoren und 450 Studenten, das reslic versehene Lyceum Saddiliyeh mit 23 Lehrern und 150 maurischen Knaben, 22 jüd. Schulen u. s. w. In der Oberstadt wohnen vorzugsweise Türken. Die Quartiere der CEuropäer und Juden liegen in der Unterstadt oder in den aus Villen bestehenden Vorstädten. Die Zahl der Einwohner beträgt 145000, darunter 30000 Juden, 5000 Christen und 5000 Malteser. Im J.1876 liefen 534 Schiffe ein. Es gibt bedeutende Fabriken von Seiden⸗ und Wollstoffen, Seidenshawls, Stickereien, gold⸗ und silberdurchwirkter Seide, seidenen Mänteln, Matten, Juwelierarbeiten. Die Stadt ist Ausgangspunkt einer nach Innerafrika führenden Karawanenstraße und steht mit Europa und den Häfen Algeriens jetzt in regelmäßiger Dampfer⸗ und Telegraphenverbindung. Wöchentlich kommt ein Dampfer von Marseille und einer von Livorno an. Die Stadt ist Sitz eines deutschen Konsuls für die Regentschaft. T. ist das Tunes der Alten und soll fast un Maine mit Karthago (s. d.) gegründet sein, dessen Ruinen 15 km nordöstlich von T. bei dem Landschlosse des Bei, El-Marsa, liegen. Südlich von T. trifft man auf die Dörfer Zaghuan und Dschugar mit großartigen Resten einer nach Karthago führenden Wasserleitung, welche 178 km weit das treffliche Wasser für 86 öffentliche Brunnen herleitet.