Sens, im Altertum Agedincum oder Civitas Senönum, schöne Stadt und Hauptort eines Arrondissements im franz. Departement Yonne, rechts an der Nonne und an der Einmündung der Vanne, Station der Linien Paris-Lyon-Marseille-Nizza-Mentone und Paris-Corbeil-Montargis-S. der Paris-Lyon-Mittelmeerbahn und der Linie Chälonssur-Marne-S. der Ostbahn, in 76 m Höhe, 113 kEm gegen Südosten von Paris entfernt, ist der Sitz eines Erzbischofs (zu dessen Diöcese die Bistümer Troyes, Nevers und Moulins gehören), eines Tribunals erster Instanz, eines Handels⸗ und zweier Friedensgerichte, einer Gewerbe⸗ und Manufakturkammer, sowie einer archäolog., landwirtschaftl., botan. und Gartenbaugesellschaft. Die Stadt hat die große doppeltürmige architektonisch merkwürdige Kathedrale St.⸗Etienne (972 gegründet, im wesentlichen 1184 vollendet), mit Glasgemälden aus dem 12. bis 16. Jahrh., zum Teil von Jean Cousin, der 1501 in Soucy bei S. geboren wurde, dem Grabmal der Eltern Ludwigs XVI. von G. Coustou und einer reichen Schatzkammer, ferner bei der Kathedrale die Officialité, das Gerichtshaus des erzbischöfl. Offizials, ein schöner von Viollet-le-Duc restaurierter Bau des 13. Jahrh., den erzbischöfl. Palast aus dem 16. Jahrh., zwei Hauptthore im Triumphbogenstil, eine Bronzestatue des Chemikers Thénard(von Droz), ein Lyceum, einPriesterseminar, eine öffentliche Bibliothek von 12000 Bänden und wichtige Archive, ein Museum, ein Theater, ein Waisenhaus und mehrere Hospitäler. Die Einwohner, deren Zahl sich (1881) auf 13515 belief, unterhalten Fabriken für Rasiermesser, Knöpfe, stählerne Agraffen und Schnallen, für Zündhölzchen, Kerzen und Schuhzeug, sowie Töpfereien, Färbereien und Schneidemühlen. Auch wird lebhafter Handel mit diesen Fabrikaten, Getreide, Mehl, Wein und Weinessig, Hanf, Wolle, Holz, Brettern, Tonnen, Kohlen u. s. w. betrieben. — S. war im Altertum die Hauptstadt des mächtigen gall. Volkes der Senonen und seit Diocletian Provinzialhauptstadt der Gallia Lugdunensis IV (Senonia). Die Festungsmauern von S., deren gewaltige Substruktionen man den Römern zuschreibt, waren in alter Zeit sehr bedeutend und hielten manche Belagerung aus. Die Stadt, mittellat. Senones, auch Senonae, Hauptort der Landschaft Senonais (Pagus Senonicus) in der Champagne, wurde im 3. Jahrh. Sitz eines Bistums, später eines Erzstifts, dessen Inhaber den Titel eines Vizegrafen von S. und Primas von Gallien und Germanien führten. Es wurden hier mehrere Konzile gehalten, unter andern 1140 das, auf welchem Bernhard von Clairvaux die Lehre des Abälardus verdammte. Von 1163 bis 1165 fand hier Papst Alexander III. Zuflucht. Von 1590 bis 1594 widerstand die der Ligue beigetretene Stadt Heinrich IV. Am 11. Febr. 1814 wurde die Stadt von den ů Württembergern unter deren Kronprinz und dem „General Alix eingenommen.