Troyes (spr. Troa), Hauptstadt des franz. Depart. Aube und vormals der Champagne, in einförmiger, aber fruchtbarer Ebene, an der hier in mehrere Arme sich teilenden Seine, am Anfang des Oberseinekanals, Station der Linien Paris-Petit-Croix, Chälons-sur-Marne-Sens und T.⸗ Chätillon-sur-Seine der Ostbahn, ist Sitz eines Suffraganbischofs der Erzdiöcese Sens, eines Handelsgerichts, einer Filiale der Bank von Frankreich, der Aube-Bank, einer Ackerbau-⸗ und einer Generalhandelskammer und zählt (1881) 42073, als Gemeinde 46067 E. Die Stadt hat zum Teil noch Fachwerkbauten aus der Renaissancezeit, unter denen das Hötel de Vauluisant das bemerkenswerteste Privathaus ist, gewinnt aber in einzelnen Teilen mehr und mehr ein modernes Ansehen. An die Stelle der Festungswerke sind herrliche Promenaden (Mails) getreten. Die 1208 begonnene, teilweise erst im 15. und 16. Jahrh. vollendete, 1848 — 65 restaurierte und ergänzte Kathedrale St.⸗ Pierre ist ein imposanter fünfschiffiger got. Bau mit zwei Türmen, von denen nur der nördliche von 62m Höhe im 17. Jahrh. vollendet worden ist, und hat eine prächtige Fensterrose über dem reichen Portal, schöne Glasmalereien und einen Domschatz, der alte Emailarbeiten und byzant. Reliquienkästchen aus Elfenbein besitzt; die 1262 auf Betrieb des hier geborenen Papstes Urban IV. begonnene, im wesentlichen im 14. Jahrh. aufgeführte, im Schiff leider unvollendet gebliebene Kollegiatkirche St.-Urbain ist ein Meisterwerk reinsten got. Stils von bewunderungswürdig leichter und zierlicher Architektur; die im übergangsstil des 12. Jahrh. erbaute, im 16. Jahrh. vergrößerte Kirche Ste.⸗ Madeleine besitzt wie auch die aus dem 16. Jahrh. stammende Kirche St.⸗Nizier ein elegantes Sternschrieber und außerdem einen Jean Gualdo zugechriebenen aufs reichste geschmückten Lettner von 1506; St.⸗Nicolas mit got. Sterngewölbe, Wandgemälden von Cordouanier, einem auferstandenen Christus von Gentil (zwei dem 16. Jahrh. angehörenden Künstlern der Stadt) und ausgezeichneten Glasmalereien, ferner St.Pantaleon mit Bronzebasreliefs von Simart, Skulpturen von Gentil (Kalvarienberg, St.⸗Crispin und St.⸗Crispinian u. a.) und Gemälden von Carré (Leben des heil. Pantaleon) und Herluison sind zwei nach dem großen Stadtbrande von 1524 erneuerte Gotteshäuser; St.⸗Jean aus dem 14. und 16. Jahrh. besitzt prächtige Glasmalereien, ein schönes Gemälde (Taufe Christi) von Mignard und Scenen der Leidensgeschichte darstellende Basreliefs in Marmor von Gentil und Girardon; St.⸗Remi aus dem 14. Jahrh., mit einem Turme aus dem 12. Jahrh., hat eine Bronzestatue Christi von Girardon und sehr merkwürdige, dem 16. Jahrh. angehörende Malereien auf Holz; der calvinistische Tempel wurde 1859 erbaut. In den Gebäuden der ehemaligen berühmten Abtei St.⸗Loup befinden sich die öffentliche Bibliothek mit mehr als 110000 Bänden und gegen 2500 Handschriften, sowie das Museum mit Naturalienfammlungen, Gemäldegalerie, Münzkabinett von 12000 Stück, Altertümern aus röm. Zeit und aus dem Mittelalter, worunter namentlich Mosaiken und eine antike, in der Gegend 1813 aufgefundene Bronzestatue Apollons bemerkenswert sind, sämtlichen Modellen und einigen Originalen der Arbeiten des hier geborenen Bildhauers Simart, Büsten Ludwigs XIV. und seiner Gemahlin Maria Theresia von dem ebenfalls aus T. gebürtigen Girardon, Modelle von Werken des Bildhauers Paul Dubois, sowie Skulpturen von Beylard (Bronzestatue Meleagers), Ramus und Vasse. Außerdem sind bemerkenswerte Gebäude: das 1624 —70 erbaute Stadthaus mit prächtiger Fagade und einem Marmormedaillonbild Ludwigs XIV., einem Meisterwerk Girardons; das Hötel-Dieu aus der Mitte des 18.Jahrh., die alte Abtei St.Martines-Aires (jetzt eine Wohlthätigkeitsanstalt), das Versorgungshaus St. Nicolas, die Präfektur, die moderne Getreidehalle, die Kaufhalle, das Departementsarchiv, die Börse und das Theater. T. besitzt ein Lyceum in einem der schönsten Gebäude dieser Art, ein Priester⸗‚ ein Lehrer⸗ und ein Lehrerinnenseminar, eine Handels⸗ und Industrieschule, eine höhere Bürgerschule u. s. w. Die Stadt war im Mittelalter von Bedeutung. In ihrer Blüte unter König Heinrich IV. zählte sie über 60000 E. Gegenwärtig zeichnet sie sich immer noch durch lebhaften Industriebetrieb aus; es bestehen Woll- und Baumwollspinnereien, Fabriken für Strumpf⸗ und Bonneteriewaren, für Floretseide, Handschuhe, Baumwollzeuge und Stickereien, für Seife (savon blanc de Troyes), künstliche Blumen, Papier, Kutschen. Auch fertigt man hier berühmte Cervelatwürste und Käse, treibt Wein⸗, Gemüse⸗, Hanf- und Getreidebau und unterhält bedeutenden Speditions⸗ sowie Eigenhandel mit Getreide, Raps, getrockneten Gemüsen, Wolle, Wein, Branntwein und Manufakten. T. war die Hauptstadt der kelt. Tricasses, erhielt von den Römern den Namen Augustobona und hieß seit dem 5. Jahrh. mittellat. Trecae, bisweilen auch Trecas. Es ward 889 von den Normannen erobert und verwüstet, kam dann in Besitz der Grafen von Champagne, deren Hauptstadt es wurde, und unter denen die Stadt seit dem 12. Jahrh. zu einer bedeutenden Industrie⸗ und Handelsblüte gelangte. Auf der hier abgehaltenen Synode vom 31. Jan. 1128, welcher Bernhard von Clairvaux anwohnte, wurde Hugo von Payens als Großmeister der Tenpler anerkannt und die Regeln dieses Ordens gebilligt. T. wurde 1415 von dem Herzog von Burgund erobert und 10. Juli 1429 von den Franzosen den Engländern endgültig entrissen. Am 21. Mai 1420 war daselbst ein Friedensvertrag zwischen Karl VI. von Frankreich und Heinrich V. von England geschlossen worden. Am 21. Mai 1524 ließ Karl V. die Stadt anzünden, wobei zwei Dritteile der Gebäude zu Grunde ginen. Im Feldzug von 1814 war T. einer der auptoperationspunkte der österr. Armee unter Schwarzenberg. T. ist Geburtsort des altfranz. Epikers Chrestien de T., des Papstes Urban IV., des Malers Mignard und der Bildhauer Girardon und Simart. Vgl. Boutiot, «Histoire de la ville de T.v (4 Bde., Par. 1870—74).